Schwarze Liste

02. Mai 2018 05:44; Akt: 02.05.2018 05:54 Print

«Die These des ungleichen Lohns fällt zusammen»

Unternehmen, die Frauen weniger Lohn zahlen, sollen auf eine schwarze Liste kommen. Die Pläne der Gewerkschaften stossen auf Widerstand.

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Unternehmen, die Frauen nicht den gleichen Lohn zahlen wie Männern, könnten sich bald auf einer schwarzen Liste wiederfinden. Der Gewerkschafts-Dachverband Travail Suisse hat beschlossen, eine solche zu lancieren. Auf die Liste sollen gemäss einer Mitteilung Unternehmen kommen, die Lohngleichheit «nicht gemäss einer wissenschaftlich und juristisch anerkannten Methode überprüfen».

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Wenn sich ein Unternehmen wiederholt weigere, über Lohngleichheit zu sprechen oder keine Überprüfung vornehme, werde sein Name auf eine zentrale Liste gesetzt, so Travail Suisse. Die Lohndiskriminierung von Frauen belaufe sich in der Schweiz auf jährlich mehr als 7 Milliarden Franken. Das entspreche durchschnittlich 600 Franken weniger Lohn pro Monat – «nur weil eine Arbeitnehmende eine Frau ist».

«So würde ein Bürokratiemonster geschaffen»

Gegen die Liste stellt sich der Schweizerische Arbeitgeberverband. Präsident Valentin Vogt sagt: «Wir haben bewiesen, dass wir das Thema ernst nehmen.» Nach dem Rechnungsmodell des Bundes betrage die unerklärte Lohndifferenz noch sieben Prozent. Darin noch nicht berücksichtigt seien Faktoren wie Unterbrüche im Erwerbsleben oder Weiterbildungen. Werde das berücksichtigt, sinke die Differenz auf ein bis zwei Prozent.

«Unternehmer haben grosses Interesse an Lohngleichheit. Es geht darum, das grosse Arbeitspotenzial der Frauen weiter auszuschöpfen», so Vogt. Schwarze Listen würden das Land nicht weiterbringen und entsprächen nicht unserer Kultur. Auch verpflichtende Analysen per Gesetz lehnt der Arbeitgeberverband ab: «Damit würde ein unnötiges Bürokratiemonster geschaffen», sagt Vogt.

«These fällt zusammen wie ein Soufflé»

FDP-Ständerat Andrea Caroni sagt: «Sinnvoller wäre, wenn der Bundesrat eine Analyse mit allen relevanten Faktoren machen würde.» Dazu gehörten insbesondere die gesamte Berufserfahrung und die Bereitschaft, Überstunden zu leisten. «Wenn das einberechnet wird, fällt die These der Lohndiskriminierung zusammen wie ein Soufflé», sagt er.

Unterschiedliche Löhne erklärten sich nicht mit dem Geschlecht, sondern mit der Frage, ob jemand Kinder betreue oder nicht. Zwar seien das mehrheitlich die Frauen. «Das ist aber ein innerfamiliärer Entscheid», sagt Caroni. Die Aufteilung müsse in der Familie abgemacht werden. Es gehe deshalb darum, die Vereinbarkeit zu fördern. «Das ist Ursachen- statt Symptombekämpfung.»

Kommt nun die Volksinitiative?

Die SP-Nationalrätin und Vizepräsidentin Barbara Gysi sagt, grundsätzlich begrüsse sie es, Diskriminierung öffentlich zu machen. Die schwarze Liste sei aber ein Eingeständnis, dass auf dem Gesetzesweg nichts erreicht werden könne.

Tatsächlich argumentiert Travail Suisse, dass die parlamentarische Kommission, die sich mit dem neuen Gesetz zur Lohngleichheit beschäftigt, den Entwurf bereits verwässert habe. Es sei zu befürchten, dass er noch weiter abgeschwächt werde und ein Gesetz ohne Verpflichtungen oder Sanktionen übrig bleibe.

Es sei aber zu früh, die Flinte bereits ins Korn zu werfen, sagt Gysi. «Wir müssen nun Druck aufsetzen, dass das Gesetz mit griffigen Massnahmen kommt und nicht von vornerehein darauf setzen, dass wir nichts erreichen können.» Firmen sollten demnach verpflichtet werden, ihre Löhne selbst zu überprüfen. Komme tatsächlich ein Gesetz ohne solche Massnahmen, sei eine schwarze Liste sowieso ein zu schwaches Instrument: «Dann müssen wir uns überlegen, ob es eine Volksinitiative braucht.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 02.05.2018 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    SP-Lügenmärchen

    Tja und unsere SP-Bundesrätin erzählt das Lügenmärchen von 7000.- Lohnunterschied bei gleicher Qualifizierung und Leistung, trotzdem munter weiter.

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  • Carla am 02.05.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Ausrede

    Bei uns verdient eine Person aufgrund ihrer Fähigkeiten. Die Fähigkeiten bestimmen den Marktwert einer Person, andernfalls sucht sie sich ja einfach einen besser bezahlten Job. Das Thema Lohngleichheit ist eben für einige mit eher schwachen Leistungen eine einfache Ausrede. Als Beamter bezieht auf der gleichen Stufe jede/jeder gleichviel, unabhängig von deren Leistung und das ist ungerecht!

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  • Mag am 02.05.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Natürlich soll die Lohngleichheit herrschen. Aber dann auch bitte bei den Ausländer die keinen Militärdienst leisten weil werden so unsere Männer benachteiligt. Der Arbeitgeber muss dann Militärabgaben entrichten. Und Frauen müssten Zivildienst leisten. Es gibt noch viele Baustellen. Und jeder Ausländer muss unbedingt mind. 3 Jahre entweder Frewiligenarbeit oder Feuerwehrdienst leisten. Punkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • am 03.05.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Lohn ist Verhandlungssache.

  • A.Einstoned am 03.05.2018 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie traurig, vielleicht auch ekelerregend

    Wie viele hier glauben, dass sie mehr als andere verdienen weil sie so viel besser als andere arbeiten, oder ihr Job so viel wichtiger wäre als andere. Es ist extrem traurig, dass so viele Menschen der Mär der Leistungsgesellschaft anhängen, wenn doch eigentlich diese Art der Entlohnung mehr Talent vernichtet als fördert, mehr soziale Ungleichheit hervorbringt, der Produktivität mehr schadet als nützt und mehr Menschen daran zerbrechen als wirklich glücklich werden. Geld als einzige Motivation ist der schlechteste Anreiz, um wirklich gute Resultate zu erreichen, man sehe die Führungsetagen!

  • Masterchief am 02.05.2018 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen sind keine Männer

    In Westeuropa werden Frauen immer männlicher und Männer immer weiblicher. Die Folgen?

  • Frau Fuzzinello am 02.05.2018 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Geschlechtertrennung im Sport?

    ... sollte auch abgeschafft werden weil das doch sexistisch ist. Frauen können genausoviel leisten wie Männer.

  • Ex-SP-Wähler am 02.05.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Lohngleichheit vs. Familienarmut

    So lange es noch immer Vollzeithausfrauen gibt, die von ihrem Büezer-Ehemann die Alleinverdienerrolle fordern, obschon sie vor der Familiengründung versprachen, trotz Kinder berufstätig zu bleiben, bin ich gegen Lohnkürzungen bei Vätern zugunsten erwerbstätiger Frauen ohne Unterhaltsverpflichtungen.