Friedhof-Verbot

03. Dezember 2009 22:25; Akt: 03.12.2009 23:19 Print

Darbellay stösst die Juden vor den Kopf

Nach den Minaretten will CVP-Chef Christophe Darbellay nun auch jüdische Friedhöfe verbieten. Selbst seine eigene Partei ist perplex.

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Die Forderungen, die CVP-Präsident Christophe Darbellay auf Tele M1 gemacht hat, gehen weit über das schon länger geforderte Burka-Verbot hinaus: Der Katholik will Musliminnen in öffentlichen Funktionen das Tragen von Kopftüchern verbieten – Nonnen aber nicht. Und: Für separate jüdische Friedhöfe soll es «keine Ausnahmen mehr» geben.

Damit stösst Darbellay die Juden vor den Kopf: «Ich habe kein Verständnis dafür, dass er Verfassungsgrundsätze infrage stellt, um nach der Minarett-­Initiative Aufmerksamkeit zu heischen», so Yves Kugelmann vom jüdischen Magazin «Tachles». Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund reagierte mit «grossem Un­verständnis und Befremden».

«Mit dieser Forderung würde die Schweiz ins vorletzte Jahrhundert zurückkatapultiert», so Michael Chiller-Glaus von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. Laut SP-Präsident Christian Levrat hat der CVP-Chef «eine rote ­Linie überschritten»: «Er versucht, die Rechten rechts zu überholen. Das ist verantwortungslose Hetzerei.» Selbst in der eigenen Partei findet Darbellay keinen Rückhalt. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin: «Wir sind sehr unglücklich darüber, dass er diese Diskussion ausgelöst hat.»

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