Replay-TV

03. Juli 2018 12:12; Akt: 03.07.2018 13:25 Print

Kann man Werbung bald nicht mehr überspringen?

Wer zeitversetzt fernsieht, kann TV-Werbung einfach überspringen. Fernsehsender sagen dem Replay-TV nun den Kampf an.

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Auf die Couch sitzen, den Fernseher einschalten und zur verpassten Lieblingsserie oder zum entgangenen WM-Match zurückspulen – ein gern genutzter Service vieler Konsumenten. Zusätzlicher Vorteil: Die Werbung kann mit einem Knopfdruck übersprungen werden. Nun befürchtet der Konsumentenschutz, dass das zeitversetzte Fernsehen vor dem Aus steht.

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Der Hintergrund: Laut der Interessengemeinschaft für Radio und Fernsehen (IRF) entgehen Fernsehsendern pro Jahr über 100 Millionen Franken an Werbeeinnahmen – 60 bis 80 Prozent würden die Werbung einfach überspringen. Die IRF fordert darum, dass Anbieter wie UPC oder Zattoo Replay-TV das Überspringen von Werbung nur noch mit Einverständnis des jeweiligen Fernsehsenders zur Verfügung stellen dürfen – die heutige Kompensation reiche vorne und hinten nicht aus. Laut dem Konsumentenschutz sind nun in Bern «klammheimlich» Bemühungen im Gange, dem Replay-TV einen Riegel zu schieben. Schon diese Woche ist das Gesetz Thema in der vorberatenden Kommission des Nationalrats.

Preisanstieg und Monopolisierung

«Dass in der heutigen Zeit der Digitalisierung überhaupt über die Einführung einer solchen Regelung debattiert wird, ist abstrus», sagt Cécile Thomi, Leiterin Recht bei der Stiftung: «Das wäre ein regelrechter Rückfall in die Steinzeit.» Wer sich eine Sendung zu einem späteren Zeitpunkt anschauen wolle, müsste diese – wie vor Jahrzehnten – wieder mit dem Videorekorder aufnehmen. «Paradoxerweise wäre damit das Überspulen von Werbung problemlos möglich.»

Falls der Antrag angenommen wird, geht sie von einem enormen Anstieg der Kosten aus. Grund: Die Anbieter müssten die Rechte auf das Zurückspulen von den einzelnen Fernsehsendern erwerben. «Die Mehrkosten, die den Telecomunternehmen durch die Deals mit den Sendern entstehen, würden auf den Konsumenten überwälzt», so Thomi.

Zudem geht sie von einer Monopolisierung aus. Nicht jeder Anbieter habe die finanziellen Mittel, um sich die Rechte zu erkaufen: «Spezialisierte Anbieter wie Zattoo, Wilmaa oder Teleboy würden vermutlich vom Markt verschwinden», erklärt sie.

«Die Schweiz bietet faktisch werbefreies free TV an»

IRF-Geschäftsführerin Andrea Werder lässt das nicht gelten: «Die TV-Sender sind nicht gegen Replay-TV.» Aber: Die Profiteure von der heutigen Rechtslage sind die TV-Verbreiter, die über die Bundleangebote viel Geld einnehmen und an die Sender nur gerade 1.60 Franken pro Abonnement und Monat fürs Replay bezahlen.» Mit der neuen Regelung könnte man diese Einbussen ausgleichen. Laut der IRF sind die Sender auf diese Einnahmen angewiesen, um ihre Programme zu finanzieren. Die Existenz der werbefinanzierten Sender sei in den nächsten Jahren sogar bedroht.

Zudem zeige unter anderem in Deutschland ein Distributionsvertrag zwischen Pro 7/Sat 1 und Unity Media, dass Vereinbarungen zwischen Fernsehsender und Anbieter schon längst Standard seien: «Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die Kabelnetzbetreiber ohne Zustimmung der Sender Tausende von Fernsehsendungen anbieten, verbunden mit der Möglichkeit, die Werbung zu überspulen», heisst es auf der Homepage der IRF. Damit biete sie faktisch werbefreies free TV an.

(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ch am 03.07.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Tschüss

    Sollte das kommen!! Heisst es bei uns Bay Bay Swisscom TV Abo

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  • Söim am 03.07.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach 

    Wenn ich die Werbung nicht mehr überspringen kann, gibt es auch keinen Grund mehr, so viel für Swisscom TV und Co. zu bezahlen. Folglich werde ich das Abo künden. Viele werden es mir gleich tun...

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  • Yves. am 03.07.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Aha... Werbeeinnahmen sinken

    Ob die Werbung aber überhaupt etwas bringt, spielt anscheinend keine Rolle. Ich behaupte nein. Die Kosten für Werbung übersteigen die Mehreinnahmen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • paleale am 04.07.2018 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politiker mit grossem Lohn öffnen ernsthaft den Mu

    Leckt mich Politik! Als würden die Swisscompreise nicht genügen.! Und was heisst hier free tv? Free und bilag in einem Satz! Ernsthaft?

  • I. Ronny am 04.07.2018 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wann kommt die NO-Werbezwanginitiative?

    Die Billaggegner wollten doch kürzlich noch, dass die Medien sich mit Werbung und nicht über Zwangsgebühren finanzieren...

  • Schlumpf i am 04.07.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung frisst Lebenszeit

    Da muss ich mir überlegen ganz auf TV zu verzichten, damit auch Billag und nur noch im Kino oder auf anderen Wegen Filme anschauen. Grund: Meine Zeit ist mir zu schade um Werbung zu schauen, welche ich zu 99,9 % nie in meinem Leben benötige... Mann 54 kinderlos....

  • C.Weber am 04.07.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Streamen ohne Werbung

    Freetv ist so wie so absolute Volks verblödung ! Im Zeitalter von Streaming und co kann man sehr gut darauf verzichten. Liebe für den Konsum bezahlen dafür absolut Werbe frei. Nur doof das nobilliag nicht durch kam!

  • Paul Riniker am 04.07.2018 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann Werbung überspringen

    muss aber nicht. Ich kann auch gezielt nur Werbung schauen und den Rest auslassen, wenn ich will. Das nennt man glaub persönliche Freiheit?