Boykott-Aufruf der Juso

02. Mai 2018 10:15; Akt: 02.05.2018 10:15 Print

Darf man in der Türkei noch Ferien machen?

Die Juso ruft wegen der Rolle der Türkei im Syrien-Krieg dazu auf, den Tourismus im Land zu boykottieren.

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Jüngst meldeten Schweizer Reiseveranstalter, dass die Buchungen für die Türkei nach Terroranschlägen und dem Putschversuch im Juli 2016 wieder anziehen. So erleben etwa Badeorte wie Antalya eine Steigerung um 200% gegenüber 2017, wie das Buchungsportal ebookers am Montag meldete.

Just in diesem Moment fordert die Juso die Schweizer Regierung auf, zum Boykott des Tourismus in der Türkei aufzurufen – als eine von zahlreichen Sofortmassnahmen gegen den Krieg in Syrien (siehe Box).

Wer in Antalya oder Bodrum am Strand liege und die türkische Wirtschaft ankurble, helfe der Erdogan-Regierung, sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Indirekt würden so auch Erdogans kriegerische Aktionen in Syrien unterstützt. Die türkische Armee ist in Nordsyrien in die kurdische Stadt Afrin einmarschiert.

«Aggressive Expansionspolitik»

«Ich bin kein Moralapostel. Aber man muss sich vor Augen führen, dass man als Tourist einen Typen unterstützt, der wie ein Diktator herrscht und eine aggressive Expansionspolitik betreibt, wie das Vorrücken in Afrin zeigt», sagt Funiciello. Das kurdische Volk werde massakriert. Die internationale Gemeinschaft schaue wie der Bundesrat weg, da man nicht wolle, dass Erdogan die Flüchtlinge wieder nach Europa lasse. «Mit einem Tourismus-Boykott kann man auf individueller Ebene ein Zeichen setzen.»

Für Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, ist das eine unnötige Provokation: «Unter dem Tourismus-Boykott würde die Bevölkerung leiden. Man schlägt den Hund und meint den Meister – solche Sanktionen sind kontraproduktiv.» Verzichte man auf Türkei-Ferien, würde dies Fundamentalisten bloss Nahrung geben, um den Hass auf den Westen zu schüren. Würde gar der Bundesrat zum Boykott aufrufen, sei eine diplomatische Krise programmiert: «Nur eine neutrale Schweiz kann als Förderin des Friedens zwischen den Konfliktparteien vermitteln.»

«Blockaden bewirken meist das Gegenteil»

Auch Serif Yildiz, Vizepräsident von Müsiad Switzerland, dem Schweizer Ableger des türkischen Unternehmerverbands, hält einen Boykott für den falschen Weg: «Blockaden bringen meistens nichts, sondern bewirken gerade das Gegenteil.» Er stehe für einen sachlichen Dialog ein, sagt er. So werde der Verband auch mit der Juso Kontakt aufnehmen: «Wir wollen sie bitten, vom Boykottaufruf abzusehen.»

Der Verband wolle auch einen demokratischen Rechtsstaat in der Türkei und seine Mitglieder seien keine Erdogan-Jünger, so Yildiz. «Doch er hatte seine Gründe für den Einmarsch in Afrin, in ein Gebiet, aus dem täglich Bomben in die Türkei geflogen sind.»

Sofortmassnahmen gegen Syrien-Krieg

Neben dem Tourismus-Boykott fordert die Juso-Geschäftsleitung den Bundesrat in einem Papier auf, bis Ende Mai sieben weitere Sofortmassnahmen gegen den Krieg in Syrien umzusetzen. Die Jungpartei verlangt unter anderem einem Stopp aller Waffenlieferungen in die ganze Region.

Auch soll die Schweiz kein Öl mehr von Ländern wie Iran, Irak oder Saudiarabien kaufen und Öllieferungen von türkischen Mittelmeerhäfen meiden. Sollten «Kriegstreiber» aus dem Erdogan-Umfeld Bankkonti in der Schweiz haben, müssten diese eingefroren werden. Zudem verlangt die Juso die Aufnahme von 100'000 Flüchtlingen direkt aus Syrien.

(daw/nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uhudler am 02.05.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    Auch ohne diesen Aufruf und eine Empfehlung des Bundesrates bringt mich nicht, aber auch gar nichts in dieses Land. So schön dieses Land auch ist. Schade. Aber aus meiner Sicht lässt sich das mit dem politischen Streben der Türkei nicht vereinen. Daher ganz klar, kein Urlaub in diesem Land.

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  • Anton Keller am 02.05.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr

    War mal dort während der Sonnenfinsternis. Hat mir sehr gefallen, alles sehr sehr nette Leute, fantastische antike Kultur. Aber ich würde nicht mehr gehen. Einen Sultan zu unterstützen der zurück ins MA gehen will und die Demokratie nur benutzt. Nein Danke! Die netten Leute tun mir aber leid.

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  • Ruedi am 02.05.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur Turkei?

    Es gibt viele Parteien, die in den syrischen Krieg verwickelt sind und nicht nur Turkei. Es ist auch eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, wohin er in den Ferien geht und JUSO sollten die Menschen selbst entscheiden lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 03.05.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunschvorstellung

    Wenn eine Partei sozial ist und kritisch in der aussenpolitik ist dann gefällt sie mir.

  • Fausto Frisella am 03.05.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen?

    Hei geht es der Schweiz gut. In unseren Nachbarländern gibt es viele, die sich kaum Ferien leisten können. Und wir debattieren hier darüber, wohin wir sollen und wohin nicht. Mein Senf: Am liebsten würde ich nirgendwo mehr hingehen wollen. So wie man sich bewegt, zerstört man die Umwelt. So wie man Geld ausgibt, finanziert man einen Schurken. - Gibt die Juso wenigstens noch eine Reiseempfehlung raus, so als Alternative? Gibt es politisch korrekte Ferien?

  • Wave Dancer am 03.05.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei nein danke!

    Jeder Schweizer der auch nur ein Mü von Rest-Patriotismus in sich hat, sollte wissen was er zu tun hat und wird kaum mehr in die Türkei reisen um Urlaub zu machen.

  • Mse am 02.05.2018 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Mach ich schon länger..

    Ich meide die Türkei als Urlaubsziel bereits seit 3 Jahren. Eine solche Politik möchte ich nicht unterstützen.

  • Mario Menel am 02.05.2018 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Tükei Ferien

    Eigentlich nein, aber dann dürfte man auch in Aegypten , Malediven und an vielen, vielen anderen Orten keinen Usrlaub mehr machen..weil alle zweifelhaft sind