Rekordzahlen

18. Mai 2016 21:38; Akt: 18.05.2016 21:38 Print

Darum gibt es dieses Jahr so viele Zeckenstiche

4000 Menschen in der Schweiz haben in diesem Jahr schon wegen eines Zeckenstichs den Arzt konsultiert – ein Rekord. Experten erklären die Gründe dafür.

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- Die Zecke möglichst rasch entfernen, am besten mit einer feinen Pinzette. - Wichtig ist, dass der Kopf der Zecke entfernt wird, daher sollte man mit der Pinzette direkt über der Haut ansetzen und kontinuierlich ziehen. - Treten nach einem Stich Symptome auf, sofort einen Arzt aufsuchen. - Wer in Gegenden mit Naturherden wohnt oder sich regelmässig dort aufhält, sollte sich gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (auch Zeckenenzephalitis) impfen lassen. - Dazu sind drei Dosen notwendig. - Danach sollte man alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung vornehmen. - Wer in den Wald geht, sollte gut abschliessende Kleidung tragen und das Unterholz meiden. - Schutzmittel auftragen. - Nach ausgedehnten Wanderungen den ganzen Körper und die Kleidung sorgfältig auf Zecken absuchen. - Bei einer Borreliose kann nach wenigen Tagen und Wochen eine kreis- oder ringförmige, rote Hauterscheinung auftreten. - Die Grösse variiert von Fall zu Fall stark und kann von etwa handtellergross bis zu einem Durchmesser von 65 Zentimeter reichen. Quelle: BAG, Beobachter, Zeckenbisssymptome.com, Zecken.ch - Bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kommt es in den ersten 2 bis 20 Tagen nach der Infektion zu Symptomen wie Fieber und Kopf-und Gliederschmerzen. - Danach kann ein weiterer Fiebergipfel folgen. Dabei kommt es zu Kopfschmerzen, Erbrechen, einer Versteifung im Nacken, Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. - In beiden Fällen unbedingt umgehend einen Arzt aufsuchen. Dass es im Frühling 2016 zu einem Rekord von Arztkonsultationen wegen Zeckenstichen gekommen ist, erklären Experten damit, dass viele Menschen bereits im milden Januar leicht bekleidet im Wald unterwegs waren. Obwohl man im Volksmund oft von einem Zeckenbiss spricht, ist der Begriff falsch. Zecken stechen, wie dieser Stechapparat einer weiblichen Schildzecke zeigt.

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Noch nie haben in der Schweiz so viele Menschen wegen Zeckenstichen den Arzt aufgesucht wie in diesem Jahr. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) registrierte bis Ende April 4000 Fälle – doppelt so viele wie im langjährigen Schnitt. Das bestätigt auch Werner Tischhauser, Zeckenexperte des Instituts Umwelt und Nachhaltige Ressourcen an der ZHAW. «Die Daten aus der Zecken-Präventionsapp zeigen mir dasselbe», sagt er. Extrem viele Nutzer hätten bereits einen Stich eingetragen.

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Das BAG gibt als Hauptgrund für die hohe Zahl von Stichen den warmen Winter an: Die Zecken, die bei etwa sieben Grad aktiv werden, stachen schon im Januar zu.

Winter zehrte an den Kräften

Zeckenexperte Norbert Satz ist da anderer Meinung: «Der warme Winter war für die Zecken schlecht.» Sie seien auf die Winterstarre angewiesen, um Energie zu sparen. «Sie saugen im Herbst das letzte Mal, dann müssen sie bis im März von diesem Tropfen Blut leben.» Ohne Winterstarre konnten sich die Zecken jedoch nie erholen.

Im Winter seien die Mäuse – die Hauptwirte der Tiere – im Boden und die Menschen nicht im Wald. «Die Zecken krabbelten und torkelten also ohne Energie umher und viele von ihnen verhungerten.» Demnach seien in diesem Jahr verhältnismässig weniger Zecken unterwegs.

«Kombination führt zu mehr Stichen»

Woher kommt also der Rekord an Arztkonsultationen? «Ganz einfach», sagt Satz. «Weil viele Menschen aufgrund der warmen Temperaturen bereits im Januar und Februar leicht bekleidet in den Wald gingen. Viele waren unvorsichtig.» Jene Blutsauger, die überlebt hatten, lagen schon auf der Lauer und stachen zu.

Laut Tischhauser spielen bei diesem Rekord noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle: «Die Wintertemperaturen haben vor allem die Entwicklung jener Zecken begünstigt, die gerade ihre Umwandlung von der Larve zur Nymphe hinter sich hatten.» Ohne Winterstarre hätten die Zecken gleich weiter Blut saugen können. Zum einen lauerten jetzt viele Zecken auf Gräsern und in Büschen, zum anderen seien aber vor allem mehr Menschen an milden Frühlingstagen in den Wäldern unterwegs. «Diese Kombination führt natürlich zu mehr Stichen.»

Zecken verbreiten sich auch in der Höhe

Einen Einfluss haben laut Tischhauser aber auch Wildtiere. «Diese sind für Zecken wichtige Wirte.» Da sich Füchse, Dachse und Rehe immer weiter ins Stadtgebiet vorwagten, verbreiteten sie auch die Blutsauger auf einer grösseren geographischen Fläche – und zwar nicht nur in die Breite. In den letzten Jahren wurden infolge der Klimaveränderung auch in sehr hoch gelegenen Regionen immer mehr Zecken entdeckt.

Die Milbentiere übertragen vor allem die Krankheitserreger der Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Tischhauser ist gespannt, wie die Bilanz Ende Jahr aussehen wird. «Die Zahlen blieben in den letzten Jahren mit rund 10'000 Neuerkrankungen pro Jahr stabil.» Ihn nimmt es wunder, ob es aufgrund der Verdoppelung von Arztkonsultationen im Frühling auch zu einer Zunahme bei den tatsächlichen Erkrankungen kommen werde. «Das wissen wir allerdings erst im Dezember mit Sicherheit.» Klar sei momentan vor allem eines: «Für Zecken zeigen gerade alle Faktoren auf positiv.»

Für Norbert Satz hingegen ist völlig klar, dass es dieses Jahr nicht nur viel mehr Stiche geben, sondern auch zu viel mehr Ansteckungen kommen wird.

Wie Sie sich vor einem Zeckenstich schützen, lesen Sie in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beissi am 18.05.2016 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Biss

    Es nennt sich Zeckenbiss nicht Zeckenstich... Ein Stich wuerde einen Stachel voraussetzen, Zecken haben einen Ruessel.

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  • Wuffi am 18.05.2016 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zecke einfach entfernen

    Habe schon ganz viele Zecken entfernt. Bei Hunden, Freunden und an mir selber. Mit der Pinzette geht das nicht so gut. Mein Tipp: Für Hunde / Katzen gibt es so einen Zeckenhaken, sieht ungefähr aus wie ein L. Wenn ihr nachfragt (Tiergeschäft) werdet ihr sicher fündig. Sind mega praktisch!!! Gibts sogar in verschiedenen grössen und man erwischt auch die ganz kleinen kinderleicht.

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  • M.Furrer am 18.05.2016 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Impfen!

    Ich, mein Mann und meine zwei Söhne sind gegen FSME geimpft. Schade, kann man sich noch nicht gegen Borreliose impfen lassen. Wir halten uns sehr viel im Wald auf und wurden schon oft von einer Zecke gebissen. Darum macht impfen für uns auch Sinn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lars am 19.05.2016 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    Das "Sommerloch", die "Grippe", die "Russland" Thematik und anschliessend wieder die "Zecken". Euch wird es anscheinend nie langweilig, aber wir Leser sind eure Märchen leid!

    • PatMag am 19.05.2016 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lars

      Märchen? Ich hatte vor 3 Wochen an meinem Bein und letzte vorletzte Woche am Bauch meiner Tochter je eine Zecke entfernt!

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  • René Erdenberger am 19.05.2016 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum...?

    Man sagt, jedes Tier erfüllt einen Zweck in der Natur... Was für einen Zweck haben Zecken? Was Rechtfertigt die Existenz von Zecken? Würde mich schon mal interessieren...

    • Chris am 19.05.2016 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      Die Elimination der Menschheit...

      langsam und unauffällig, aber sie kriegen uns alle.

    • Ines am 19.05.2016 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      #René

      Sehr viele Lebewesen sind auf Parasiten als Nahrungsmittel angewiesen. Mücken, Zecken oder auch Würmer sind so nahrhaft, dass sie ein unentbehrlicher Teil des Nahrungsnetzes sind. Würde man alle Parasiten ausrotten verhungerte ein Grossteil anderer Lebewesen.

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  • schönen Sommer am 19.05.2016 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prävention

    um gut durch den Sommer zu kommen; ich nehme jetzt Kokosshampo, Kokosduschgeel, esse täglich einen Teelöffel Bio Kokosöl( Reformhaus) Kokos Sonnenöl und suche noch nach einem Regenschirm mit Kokosnüssen drauf, evt. gibts ja noch Stiefel mit K........

  • Vampir am 19.05.2016 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zecken beissen

    zuerst speutzt das clevere Tierchen ein Betäubungssekret auf unsere Haut, deswegen spüren wir nicht, wenn sie dann mit ihren zwei " Scheren" die Haut aufritzt um an eine Blutbahn zu gelangen. Dann erst kommt der Stachel/Rüssel zum Zug, er saugt unser Blut. Auf keinen Fall soll Öl darauf gegeben werden, quasi um die Zecke zu ersticken, dann ( erbricht)sich die Zecke nämlich direkt in die Blutbahn.

  • Birthday Girl am 19.05.2016 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häbet sorg zu euch

    Ich hatte vor einigen Jahren FSME, es war das schrecklichste was mir bisher passiert ist. Diese Krankheit beginnt meistens unbemerkt da keine Rötung der Einstichstelle und oft bemerkt man die Zecke nicht. So war es bei mir auch. Erst Grippeähnliche Krankheit, dann Besserung und nach 3 Wochen 2. Schub. Wieder heftige Grippe mit über 41 grad Fieber, konnte nicht mehr gehen, sah doppelt und enorme Kopfschmerzen. Ich lag 9 Tage im Krankenhaus, hilflos ausgeliefert. Ich habe in der gesammten Krankheitszeit 15 Kg abgenommen und war nur noch Haut und Knochen, ich dachte ehrlich das ich sterben muss.