Nachwuchsmannschaft

26. Februar 2019 20:22; Akt: 26.02.2019 20:22 Print

Darum kennen Eltern beim Fussball keine Grenzen

Um ihre Kinder im Fussball voranzutreiben, bestachen verschiedene Eltern einen Zürcher Nachwuchstrainer. Experten erklären, was Eltern zu diesem Verhalten treibt.

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Ein Nachwuchstrainer des Grasshoppers Club Zürich hat von Eltern Geld angenommen, um deren Kinder in GC-Teams zu schleusen. Ende des Jahres wurde er freigestellt und soll intern ein Geständnis abgelegt haben. Gegenüber 20 Minuten sagte der GC-Nachwuchschef Roman Hangarter am Dienstag: «Es gibt im Nachwuchsbereich eine spürbare Tendenz, dass Eltern ihre eigenen Söhne pushen, damit diese im Junioren-Spitzenfussball Fuss fassen. Es sind ihnen dabei viele Mittel recht.» Welche Beweggründe haben diese Eltern?

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Verlockung im Fussball besonders gross

Dominik Schöbi, Leiter der Klinischen Familienpsychologie an der Universität Freiburg, sagt: «Beim Fussball fliessen zwei Aspekte zusammen. Einerseits liegt es in der Natur der Eltern, das eigene Kind zu fördern und alles für sein Wohl zu tun, auch in Wettbewerben. Andererseits ist gerade bei dieser Sportart die Aussicht auf eine grosse Karriere grösser als anderswo.» Die Verlockung, sich auch mit unrechtmässigen Mitteln fürs eigene Kind einzusetzen, sei deshalb besonders gross.

«Es gibt mehrere Gründe, wieso Eltern sich so verhalten. Erstens ist es möglich, dass sie ihre eigenen Ziele und Träume nie verwirklichen konnten und diese nun dem Kind überstülpen», sagt der Familientherapeut und Mentaltrainer Jürgen Feigel. Zweitens dürfe man aber auch das Argument des Geldes nicht vernachlässigen. Eltern die am Existenzminimum leben, oder Working-Poor-Eltern sähen die Chance des gesellschaftlichen Aufstiegs durch allfälligen Erfolg und Ruhm des eigenen Kindes im Fussball.

Hoher Wettbewerbsdruck

Als egoistisch würde Schöbi Eltern, die sich entsprechend verhalten, aber nicht bezeichnen. Häufig würden sie schlicht zu wenig zwischen dem eigenen Wohl und dem des Kindes unterscheiden. «Eltern projizieren eigene Wünsche oder Ziele oft aufs eigene Kind, ohne es zu merken.»

«Heute werden die Leistungen der Kinder häufiger und sichtbarer gemessen. Dadurch ist die Vergleichbarkeit viel grösser. Das setzt viele Eltern unter Druck», sagt Schöbi. Gerade in populären Sportarten wie Fussball sei das Umfeld im Nachwuchssport geprägt von einem hohen Wettbewerbsdruck. Laut Feigel beginnt das schon im Kleinen. Er sei selber im Fussball tätig und kenne es nur zu gut, wenn Eltern beispielsweise den Trainer kritisierten und so Druck auf den Verein ausübten, um das eigene Kind mehr zu fördern.

«Auf lange Sicht schädlich für das Kind»

Heutzutage sei es in der Gesellschaft generell verbreiteter, dass Eltern dazu neigten, ihren Kindern Hindernisse aus dem Weg zu räumen, so Feigel. «Im Fussball ist es etwa so, dass viele Eltern ihre Kinder ins Training und zurück fahren und ihnen verschiedenste Aufgaben und Herausforderungen abnehmen, damit sich die Kinder mit aller Energie aufs Spielen konzentrieren können.» Das sei gut gemeint, führe aber dazu, dass die Kinder selber viel weniger persönliche Erfolgserlebnisse verbuchen könnten. «Auf lange Sicht ist das deshalb nicht hilfreich fürs Selbstbewusstsein eines Kindes», hält Feigel fest.

Auch Schöbi sagt, dass ein solches Verhalten für ein Kind negative Folgen haben könne. Komme ein Kind nicht aus sportlichen Gründen in eine bestimmte Mannschaft, entspreche es deren Anforderungen oft nicht. «Das erhöht den Druck auf das Kind stark. Es muss dann die hohen Erwartungen der Eltern sowie die sportlichen Erwartungen des Clubs erfüllen, denen es vielleicht gar nicht gewachsen ist», so Schöbi. Gerade im Jugendalter könnten einige Kinder diesem Druck nicht standhalten.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gamblerini am 26.02.2019 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschichten aus der Kreisliga

    Ich spiele Fussball im Verein. Dazu gehört das man Pflichstunden leistet. Ich ging ohne böse Vorahnung ein E-Junioren spiel pfeiffen. Als ich auf Elfmeter entschied. Wollte ein Elternteil auf das Feld stürmen. Das Niveau war Katastrophe aber die Eltern dachte hier ist das Champions League Finale. Heute wundert sich unser Vorstand warum keiner freiwillig ein Spiel pfeifft.

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  • Cesarino am 26.02.2019 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Trainer eigene Erfahrung

    Ich muss sagen das Eltern so Ehrgeizig sind und so weit geben um die Trainer zu bestechen ist das Dümmste was man machen kann. Ich war selbst Trainer und es fängt schon in klein Alter an. Dieser Sport ist in meinen Augen kein Sport mehr.

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  • Wodoomaster am 26.02.2019 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was noch schlimmer ist

    Väter die auch gleich Trainer sind. Die Fördern ihr Kind und die restlichen Jungs "Arbeiten" für den Jüngling. Einer profitiert der Rest leidet und hängen ihre Fussballschuhe bereits im Alter von 10 Jahren an den Nagel. Der Hammer aber ist die überzeugung des Trainers dass er der beste ist und das noch Kund tut. Traurige Gesellschaft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Max von und zu Bünzli Live am 27.02.2019 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Eltern sind die schlimmsten Erzieher.

  • Hockeymama am 27.02.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sport allgemein

    Nur im Fussball??!! Das ist doch ein Thema in jedem Sport. Als Hockeymama mehr als einmal erlebt, dass Eltern beim Trainer sich einschleimen um den Sohn/Tochter in der oberen Liga zu sehen. Die Kids sollen Spass am Sport haben solange es ihnen passt. Mein Sohn spielt seit er 4Jahre ist Eishockey und ist in Zwischen 21 Jahre alt und spielt noch immer. Und das nur weil wir ihn einfach den Spass in den Vordergrund stellten. Viele der gepuschten Kinder aus seiner Hockeyzeit sind in keiner Liga mehr zu finden. Der Ehrgeiz ist bei den Eltern höher als bei den Kids.

  • Nicole am 27.02.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch im Eishockey so

    Dies ist nicht nur beim Fussball so. Auch beim Eishockey. Die Kinder mit Eltern die mehr Geld haben, oder im Club an der Spitze sitzeb bekommen mehr Eiszeit bei den grossen Vereinen. Auch wenn diese kinder meist völlig talentfrei sind. Schaade für andere die Talent haben und hinten anstehen müssen. Geld regiert auch den Sport

  • Hugo Rubio am 27.02.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Stupf

    Meistens sind es noch diese Eltern, welche früher selber kaum einen "graden Stupf" zustande gebracht haben:-)

  • Karl R. Zweifel am 27.02.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Millionen Einkommen

    ... man muss etwas machen, wenn man will, dass der Sohn einmal Millionen verdient?

    • Guschtaff am 27.02.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl R. Zweifel

      Wenn ein Trainer das "Talent" seiner Kids nicht beurteilen kann, soll es lassen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis auch eine ehrgeizige Mutter, die das Können ihrer Brut masslos überschätzt.

    • Guschtaff am 27.02.2019 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl R. Zweifel

      Mit gutem Beispiel vorausgehen!

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