Affäre Maudet

19. Januar 2019 19:19; Akt: 20.01.2019 01:23 Print

Darum klammert sich Maudet an sein Amt

von E. Kempf - Pierre Maudet will trotz mehrerer Skandale nicht zurücktreten. Ein Politologe vergleicht ihn darum gar mit dem Sonnenkönig Louis XIV.

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Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet sieht sich seit Monaten mit dem Vorwurf der Vorteilsnahme konfrontiert. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2015 auf Kosten des Scheichs Mohammed bin Zayed al-Nahyan nach Abu Dhabi gereist zu sein. Inzwischen steht er zudem im Verdacht, ein Steuervergehen begangen zu haben. Die Präsidentin der FDP Schweiz, Petra Gössi, hat ihm öffentlich das Misstrauen ausgesprochen.

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Sollte Pierre Maudet zurücktreten?

Aus diesem Grund erwägt die FDP Schweiz eine «Lex Maudet». Falls ein Mitglied die Interessen der nationalen Partei schwer schädigt, soll es aus der Partei ausgeschlossen werden können. Das sagte der FDP-Ständerat Andrea Caroni gegenüber dem «Bund». Ausserdem erarbeiten Genfer Kantonsräte derzeit Gesetzesentwürfe, um Maudet als Staatsrat absetzen zu können.

Maudet bleibt standhaft

Trotz aller Anschuldigungen hält Maudet an seinem Amt fest. Am Dienstagabend hat ihm auch die Genfer FDP-Basis in einer ausserordentlichen Versammlung mit 341 zu 312 Stimmen knapp ihr Vertrauen ausgesprochen. Dies dürfte ihm eine kleine Verschnaufpause verschaffen. Doch weshalb klammert sich Maudet so an sein Amt?

«Er ist selbst davon überzeugt, dass er nichts Unrechtes getan hat und dass dies für eine Fortsetzung seiner Karriere belanglos ist», sagt der Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne. «Er glaubt, dass er die Affäre aussitzen und politisch überleben kann.» Persönliche Gründe würden sicher auch eine Rolle spielen. «Er würde seinen Job, viel Macht und Geld verlieren und würde vom Vorzeigepolitiker zum gefallenen Engel.»

«Maudet galt als Wunderkind»

«Maudet galt jahrelang als das Wunderkind der Schweizer Politik, sein Weg in den Stände- oder sogar Bundesrat war vorgezeichnet», sagt der Politologe Mark Balsiger. Er habe aber offenbar schon seit geraumer Zeit den Boden unter den Füssen verloren und halte sich für unantastbar. «Rückblickend erinnert er an Louis XIV., Frankreichs Sonnenkönig.»

«Maudet fehlt es offensichtlich an Reflexionsvermögen in eigener Sache. Dieser Fall beschädigt generell das Ansehen der Politik», so Balsiger. Maudet sei wie viele Politiker von seinem Ego getrieben: «Das Ego der meisten Politiker ist gross. Sonst würden sie es kaum so weit schaffen.»

«Möchte Vertrauen wiederherstellen»

Diese Vorwürfe will Pierre Maudet nicht auf sich sitzen lassen. Zum Vorwurf, er sei arrogant, habe den Boden unter den Füssen verloren, sagt er: «Ich möchte kämpfen und meine Energie in den Dienst von Genf stellen. Ich will der FDP und dem Kanton Genf dienen. Das ist Entschlossenheit und keine Arroganz.»

Maudet erklärt, er sei nach der parteiinternen Vertrauensabstimmung über die Spaltung betrübt. Die Partei habe jedoch ihre Fähigkeit zur Debatte unter Beweis gestellt. Die kritischen Stimmen nehme er ernst. Ob es nicht einfacher wäre, einfach zurückzutreten? «Ich war nie jemand, der den einfachen Weg gehen wollte.»

Ein Politiker müsse vorbildlich sein. Vorbildlich zu sein bedeute jedoch nicht, unfehlbar zu sein. Er denke auch an die zwölf guten Jahre, in denen er sich für seine Stadt und seinen Kanton eingesetzt habe. Dies hat auch die Mehrheit meiner Genfer Partei nicht vergessen. «Ich möchte deshalb das Vertrauen in meine Person wiederherstellen.»

Er habe die Reise nach Abu Dhabi nur unternommen, um für die Interessen des Kantons Genf einzustehen. Maudet sagt: «Es ging dabei nie um privilegierte Behandlung oder um Gegenleistungen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wodoomaster am 19.01.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch ein paar Monate...

    ...und der Maudet kassiert eine Lebenslängliche Rente. Aus diesem Grund klammert er sich an diesem Amt fest. Das Abstimmungsresultat spricht meiner Meinung nach auch für sich. Hier können die einen den anderen Schaden zufügen. Darum wird der Maudet Wahrscheinlich auch gedeckt.

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  • Michèle am 19.01.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rausschmeissen

    Finde es eine totale Frechheit was er da bietet . Jeder Andere hätte in der Privatwirtschaft eine fristlose Entlassung erhalten . Es ist ja zudem nicht nur eine brisante Affäre die Herr Maudet hat. Den müssen sie rausschmeissen fertig

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  • Vale46 am 19.01.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit gesucht

    In der Privaten Wirtschaft findet Herr Maudet keine Stelle mehr... darum!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Norbi am 20.01.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute Quali

    Solche haben eben die "Quali" als Bundesrat. Wurde er noch vor Monaten Hochgelobt:-(

  • Louis XIV am 20.01.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ego

    Dass er nicht den Anstand hat, zurückzutreten, sagt eigentlich genug aus!

  • Martial2 am 20.01.2019 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf was wartet die République?

    Monsieur Maudet, "un culot par excellence". Er klebt an seinem Sessel seiner Rente und schönen Einkommen deswegen. Sowas ist unkorrekt, zeigt null Charakter und Stolz. Das sind schlechte Politiker die sofort herabgesetzt gehören!

  • Redsnapper am 20.01.2019 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss, dass ich nichts weiss

    Es gibt Menschen, die wirken wahnsinnig überzeugt von sich selbst. Bei mir läuten jewils die Glocken. Mit gutem Gespürr merkt man schnell, ob es Show ist. Echt Intelligente neigen eher zu Bescheidenheit.

  • S. Maillard am 20.01.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wie das ausgeht - er ist einfach

    nur noch peinlich! Und wenn er es nur der Rente wegen aussitzt, um so mehr. Ein Musterbeispiel eines Politikers, der seines Amtes nicht (mehr) würdig ist.