Food-Trends

13. Juni 2017 05:44; Akt: 30.06.2017 10:43 Print

Darum reden jetzt alle von Gelati

Italien, Deutschland und sogar Finnland: Alle essen mehr Glace als wir. Jetzt sorgen Gelaterias dafür, dass die Kunden das Produkt neu entdecken.

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Hausgemachte Glaces überzeugen: Die Warteschlangen vor den Gelaterias sind derzeit lang. Anders sieht es bei den industriellen Glaceproduzenten aus: Der Absatz der grossen Glacefirmen wie Frisco (Extreme-Cornets) oder Unilever (Raketen-Stängel) war über Jahre rückläufig. Erst 2015 konnte der Verband der Schweizer Glaceproduzenten seine Verkäufe bei 45 Millionen Liter stabilisieren. Für den Erfolg von kleinen Gelaterias haben mehrere angefragte Geschäfte die gleiche Erklärung: «Die Kunden möchten wissen, woher die Zutaten in ihrem Glace kommen, und sie wollen sehen, wie es vor Ort hergestellt wird.» Und die Betreiber sind überzeugt: «Für diesen Luxus sind sie auch bereit, mehr zu bezahlen.» Von italienischen oder deutschen Verhältnissen, wo fast an jeder Ecke ein Glaceverkäufer seine hausgemachten Produkte feilbietet, ist die Schweiz jedoch noch weit entfernt. Laut Branchenexperten liegt dies daran, dass die Schweiz etwa mit Mövenpick schon früh über ein breites Angebot an qualitativ hochwertigen Industrieglaces verfügte. Im Kampf um Marktanteile gibt es indes für die industriellen Produzenten wie die kleinen Gelaterias noch Wachstumspotenzial. Denn im Vergleich zu unseren Nachbarn schlecken die Schweizer wenig Glace: Während hierzulande 5,4 Liter pro Person und Jahr konsumiert werden, sind es in Deutschland 6,3 und in Finnland gar zwölf Liter. Um den unterdurchschnittlichen Schweizer Konsum anzukurbeln, will Jouni Palokangas vom Verband Glacesuisse daher auch hierzulande das Glace im Winter populär machen: «Eine Möglichkeit wäre etwa, in Restaurants zum Espresso nach dem Essen eine Kugel Vanille-Glace anzubieten.»

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Marzipan, Ingwer-Limette oder Feige? Die Fülle an Aromen und die unkonventionellen Sorten begeistern Glace-Liebhaber in der ganzen Schweiz. Bei Gelaterias, die auf hausgemachte Produktion setzen, sorgt das sonnige Wetter für lange Warteschlangen.

Umfrage
Was mögen Sie lieber: eine Industrieglace wie ein Cornet oder eine aus der Gelateria?
6 %
51 %
43 %
Insgesamt 2204 Teilnehmer

Anders sieht es bei den industriellen Glaceproduzenten aus: Der Absatz der grossen Glacefirmen wie Frisco oder Unilever war über Jahre rückläufig. Erst 2015 konnte der Verband der Schweizer Glaceproduzenten seine Verkäufe bei 45 Millionen Liter stabilisieren. Zum Vergleich: Im Rekordsommer 2003 waren es 55 Millionen Liter. Die Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht bekannt.

«Kunden möchten wissen, woher die Zutaten kommen»

Der Gastro-Experte Leo Egloff erklärt den Erfolg der kleinen Gelaterias mit ihrer «Frische und Authentizität»: «Die Kunden wollen sehen, wo ihr Glace hergestellt wird.» Ein solches Erlebnis könne der Badi-Kiosk mit den Industrie-Glaces nicht bieten.

Von italienischen oder deutschen Verhältnissen, wo fast an jeder Ecke ein Glaceverkäufer seine hausgemachten Produkte feilbietet, ist die Schweiz jedoch noch weit entfernt. Laut Branchenexperten liegt dies daran, dass die Schweiz etwa mit Mövenpick schon früh über ein breites Angebot an qualitativ hochwertigen Industrieglaces verfügte. «Lange gab es darum in der Schweiz gar keine Nachfrage nach Gelaterias», so ein Branchenkenner.

Leo Egloff ergänzt: «Die Industrie hat in den letzten Jahren keine Fortschritte gemacht, deshalb suchen die Kunden jetzt nach hausgemachten Alternativen.» Jouni Palokangas vom Industrieverband Glacesuisse gönnt den Gelaterias ihren Erfolg: «Diese Vielfalt trägt dazu bei, dass der Glace-Konsum schweizweit steigt».

Industriefirmen imitieren Gelateria-Sorten

Den Trend hin zum hausgemachten Glace haben auch die Industriefirmen erkannt: Emmi bewirbt ihr Sorbet im aktuellen Prospekt beispielsweise mit «sonnengereiften Früchten» und einem «maximalen Anteil an natürlichen Fruchtsäften». Und der Glacefabrikant Lusso, der zum Unilever-Konzern gehört, versucht mit Swissness zu punkten: Das Stracciatella-Glace wird als «echter Schweizer Klassiker mit Schweizer Rezeptur» vermarktet.

Die Migros-Tochter Midor setzt dagegen wie die kleinen Eisdielen auf die Ferienerinnerungen in der italienischen Gelateria: Mit der Marke «i gelati» verspricht Midor den Gastrobetrieben, dass sie mit Midor-Produkten ihren Verkauf von «Glace und Desserts ankurbeln» können. Die Sorbets preist «i gelati» dann etwa als «Sorbetto Superiore» an.

Schweizer sollen auch im Winter Glace schlecken

Im Kampf um Marktanteile gibt es indes für die industriellen Produzenten wie für die kleinen Gelaterias noch Wachstumspotenzial, denn im Vergleich zu unseren Nachbarn schlecken die Schweizer wenig Glace: Während hierzulande 5,4 Liter pro Person und Jahr konsumiert werden, sind es in Deutschland 6,3 und in Finnland gar zwölf Liter.

Jouni Palokangas von Glacesuisse ist selbst gebürtiger Finne. Im Norden sei Glace etwas, das man sich nicht nur im Sommer gönnt. «Glace ist in Finnland ein Genussprodukt wie in der Schweiz ein Stück Schokolade.» Die Schweizer hingegen griffen erst bei einer Temperatur von etwa 20 Grad in die Tiefkühltruhe.

Um den unterdurchschnittlichen Schweizer Konsum anzukurbeln, will Palokangas daher auch hierzulande das Glace im Winter populär machen: «Eine Möglichkeit wäre etwa, in Restaurants zum Espresso nach dem Essen eine Kugel Vanille-Glace anzubieten.»

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • emf949 am 13.06.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Artikel vergessen : die Preisfrage

    In Deutschland sind die Gelati viel billiger als in der Schweiz : dem spontanen Kauf steht keine Preisüberlegung entgegen.

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  • tom am 13.06.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lecker aber teuer

    ich würde sehr gerne mehr eis aus einer gelateria essen, nur sind die bei uns nicht bezahlbar. ich war gerade in italien und habe dort für eine kugel mit waffel 1.30 bezahlt, habe mir den bauch vollgeschlagen . lecker!

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  • clini am 13.06.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mmmmhhhh

    Mmmhhh ich liebe die selbstgemachten gelati aus italien....freue mich auf die Sommerferien...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Masterp am 14.06.2017 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ich vermisse die italienischen Eisdielen in der Schweiz. Finde es sehr schade, dass es fast nur den Einheitsbrei von Mövenpick gibt. Die Eisvielfalt in Deutschland ist viel grösser und besser und Schweizer essen auch sehr gerne Eis.

  • Hildi am 14.06.2017 02:46 Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    JA, es ist teilweise wirklich teuer, und > 4.00 pro Kugel IST sinfach zu viel, auch in Restaurants. Andererseits frage ich mich wieso das beim Bier nicht stört, schon vielerorts bald einen Fünfliber hin zu legen? Ist eine Stange mehr wert, als 1 bis 2 Kugeln Glacé?

  • Ruedi am 13.06.2017 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Vielleicht wäre der Konsum hörer, wenn Schweizer nicht so betont-locker (also eigentlich verkrampft) von Eis schlecken und Bier schlürfen reden bzw. schreiben würden, sondern von Eis essen und Bier trinken. Das deutet alles auf Wannabe-Geniessertypen hin, die meinen, die Verwendung des Wortes Gelati anstelle des Wortes Eis mache die Sache an sich besser.

    • leser79 am 13.06.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Sorry aber in der Schweiz heis das Glace oder Glassä/Glace (mit ecu) Eis so heist das Ding in DE. Bei uns giebt es Eis nur im Winter oder als Würfel und meint ausschliesslich gefrorenes Wasser.

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  • Sandro am 13.06.2017 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gönnt euch mal was gutes !

    Naja,manche jammern das die Preise zu hoch sind in der Schweiz,die typische (Geiz ist Geil)Mentalität.Aber zu jammern das eine Glace Kugel zu teuer ist mit unseren guten Löhne ist echt makaber.Für manch sinnloseres geben wir manches Geld aus oder werfen es Wort wörtlich aus den Fenster.Darum gehen manche Kleinbetriebe zu,dank einer Geiz Kultur die eigentlich nicht zu uns gehört!Gönnt euch mal was gutes

    • Glaceschlecker am 13.06.2017 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist nicht nur der Preis!

      Wenn man für 3.80 dann nur ein kleines Kügelchen bekommt, jedenfalls im Vergleich zur 1 Euro Kugel auf der anderen Seite des Bodensee.... Schweizer Löhne hin oder her, da stimmt das Verhältnis einfach gar nicht mehr! Ich meide aus diesem Grund eine Gelateria bei der ich täglich vorbei komme. Die Qualität ist gut, der Preis und die Menge die man dafür bekommt ist aber unverschämt. Und für 2.- extra gibts dann noch einen Klecks Rahm oder Schokosauce oben drauf.

    • Thomas am 13.06.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Glaceschlecker

      Keine ahnung haben sie!!! Warum vergleicht man immer die schweiz mit deutschland oder italien? Wenn ich die gleichen konditionen hätte wie de oder it, könnte ich die kugel auch für 1.50 oder 2.- franken raushauen! Miete oder personalkösten und auch den einkauf beim lieferant sind welten entfernt von dem was man in deutschland zahlt! Nicht vergessen liebe leser: in der schweiz zahlt man hauptsächlich die DIENSTLEISTUNG!!!

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  • Dä Jesus am 13.06.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeichen der Zeit

    Das zeigt doch, dass die Leute langsam genug von industriellem Einheitsbrei mit künstlichen Geschamksstoffen, Farbstoffe, Stabilisatoren und was der Chemiekasten sonst noch bietet, haben.

    • Basler91 am 13.06.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dä Jesus

      Glaubst du, dass Gelaterias keine Konservierungstoffe/Farbstoffe verwenden? Beispiel: Pistazieneis, meist sehr unnatürliches Grün.. Selber herstellen und wissen was drin ist... PS: auch wenn du in deiner lieblingsmetzgerei Wurst kaufst wirst du E450 darin finden, ausser es ist effektiv deklariert, dass keines drin ist

    • Dä Jesus am 13.06.2017 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Basler91

      Bei meiner Stamm Gelateria nicht. Da ist Pistache nicht Neongrün.

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