Gemeinsam schlafen

02. März 2019 20:22; Akt: 02.03.2019 20:40 Print

Sollen Eltern mit ihren Kindern das Bett teilen?

Nur wenige Kinder schlafen die ersten Jahre bei Mutter und Vater im Bett. Das wäre aber sinnvoll, sagen Experten und Eltern.

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Ellen Girod sucht auf Facebook einen Schreiner. Der soll ihr ein Bett zimmern, in dem die ganze Familie Platz hat. Dazu gehören neben ihrem Mann auch zwei Töchter im Alter von zwei und vier Jahren. «Bisher ähnelt unser Bett einem Matratzenlager. Nun suche ich eine Schreinerei, die einen Rahmen dafür zimmert», sagt die Betreiberin des Blogs «Chez Mama Poule» und freie Journalistin.

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Sollen Kinder bei ihren Eltern schlafen?

Das gemeinsame Schlafen habe viele Vorteile. Einerseits sei es bequemer: Wache ein Kind auf und wolle gestillt werden, brauche sie sich nur umzudrehen. «Dadurch schlafen wir alle mehr», sagt Girod.

Subtile Hinweise aufs eigene Bett

Mit dem grosszügigen Familienbett habe sie andererseits genug Platz, so Girod. Ein Alterslimit hat sie ihren Kindern nicht gesetzt. «Mit 18 werden sie nicht mehr in unserem Bett schlafen wollen.» Wenn sie Kinderbücher anschaue, in denen ein Protagonist ein eigenes Bett hat, weise sie ihre ältere Tochter schon heute subtil auf die Möglichkeit des eigenen Nachtlagers hin. «Wir werden bald ein Kinderbett einrichten. Dann hat sie die Wahl, ob sie im eigenen Bett schlafen will oder nicht», so Girod.

Zwingen will sie ihre Töchter nicht: «Es ist wie beim Laufenlernen. Gewisse Kinder können es mit 8 Monaten, andere mit 18», so Girod. «Solange sie bei uns schlafen möchten, gebe ich meinen Töchtern die Geborgenheit gern.»

Macht Schlafen selbständig?

Das gemeinsame Schlafen ist noch eine Seltenheit. In der Schweiz verbringen etwa 5 Prozent der Einjährigen und 13 Prozent der Vierjährigen die Nächte bei den Eltern, danach sinkt der Anteil wieder. Das berichtet das Magazin «Fritz & Fränzi». Das Familienbett werde aber immer beliebter, sagt Girod: «Viele Eltern aus meinem Umfeld setzen nun darauf, erste Schreinereien haben das Familienbett als Geschäft entdeckt.»

Während es in einigen Kulturen in Afrika oder Asien selbstverständlich sei, dass Kinder nicht alleine schlafen, werde in Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder Frankreich eine frühe Selbstständigkeit als Tugend angesehen, schreibt «Fritz & Fränzi». Girod sagt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts hätten Kinder auch hierzulande bei ihren Eltern geschlafen. «Dass kleine Kinder nicht allein schlafen können, ist auch evolutionsbedingt: Babys, die in der Steinzeit nicht dicht am Körper eines vertrauten Erwachsenen schliefen, wurden von Hyänen gefressen.»

Droht plötzlicher Kindstod?

Moritz Daum, der an der Universität Zürich zu Entwicklungspsychologie forscht, sagt, es gebe Gründe für und gegen das gemeinsame Schlafen. Als positiven Grund nennt er das einfachere Stillen bei Säuglingen. «Die eingenommene Seitenlage verringert oft die durch Geburt entstandenen Schmerzen», sagt er.

«Durch den geringeren Aufwand kommt es zu längeren Schlafzeiten», sagt Daum. «Man wird dadurch nicht unmittelbar vom schreienden Kind aus dem Schlaf gerissen, sondern bekommt
aufkommende Unruhe schon sehr viel früher mit.» Andererseits werde Co-Sleeping häufig mit verschiedenen Risiken in Verbindungen gebracht, etwa das versehentliche Aufliegen mit der ultimativen Folge des plötzlichen Kindstods.

Sex geht auch anderswo

Die Forschung sei sich diesbezüglich allerdings nicht einig, einige Studien belegten sogar eine Verringerung dieser Gefahr durchs gemeinsame Schlafen. Entwarnung gibt der Forscher bezüglich der Unabhängigkeit: Eine Studie zeige, dass Kinder, die früh gemeinsam mit Eltern schliefen, sogar über eine grössere Unabhängigkeit verfügten und mehr soziale Kontakte knüpften.

Es gelte, gewisse Regeln zu berücksichtigen – etwa nicht zu rauchen, nicht zu viel zu trinken oder mit dem Gesicht zum Kind zu schlafen. Eltern, die sich vor einem Verlust der Intimität fürchten, kann der Forscher beruhigen: «Sex kann man auch ausserhalb des Familienbetts haben.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lena am 02.03.2019 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach..

    jedes Paar/Familie soll es doch einfach so handhaben, wie es individuell für sie stimmt!

  • Papa am 02.03.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts schöneres..

    Gibt nichts schöneres als wenn das kind sich an die eltern rankuschelt.. geniessen solange sie noch kommen..

    einklappen einklappen
  • Susa am 02.03.2019 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er mag

    Jedes Kind ist anders und die Eltern auch. Wer einfach auf den Instinkt hört, braucht keine Wissenschaftler für sowas.

Die neusten Leser-Kommentare

  • o.p. am 03.03.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum nicht

    Ist doch schön und praktisch während der Stillzeit :-) Es gibt kein Ort wo die Kinder von der Nähe der Eltern mehr profitieren als nachts im gleichen Bett. Leider konnte ich, als sie grösser wurden nicht mehr ruhig schlafen, weil sie so unruhig waren. Dafür dürfen sie (4 und 7) nun nebeneinander im Kinderzimmer schlafen. Das geniessen sie auch, v.a. wenn sie vor dem Schlafen noch etwas quatschen können....

  • Rimi am 03.03.2019 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    guten Schlaf

    als Kind gab es Situationen, da war ich froh, im Elternbett Zuflucht zu finden. Bei meinen Kindern hab ich grosse Betten hingestellt, damit ich zu ihnen kann, falls sie dies benötigen. Wir brauchen einfach Platz für guten Schlaf

  • Nestwärme am 03.03.2019 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittendrin

    Der 1. wollte bald ein Grosser sein und nur in seinem Bett schlafen. Der 2. hat sich noch als 8 jähriger Nachts in ein Bett geschlichen. Auch zum Bruder :D Ein herziges, echtes Nesthockerli.

  • Kroko am 03.03.2019 01:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er es mag

    Meine Frau schläft mit unserem Neugeborenen in meinem alten Doppelbett im einen Kinderzimmer, mein älterer Sohn übernachtet bei sich und ich allein im Elternbett. Läuft top!

  • Andy K am 02.03.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Quality time

    Ich sehe es genauso. Meinerseits geniesse diese nähe zu meinen Kindern und die Geborgenheit die ich Ihnem dadurch geben kann sehr. Diese Momente werden einestages verschwinden, so freue ich mich um jeden Tag die Sie bei mir verbringen wollen.