Food-Waste

30. April 2019 04:45; Akt: 30.04.2019 07:22 Print

Darum landen Rüebli über 24 Zentimeter im Müll

In der Schweiz sind Form und Grösse von Gemüse und Früchten standardisiert. Der Bund sieht darin den Hauptgrund für Food-Waste in der Landwirtschaft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Maximal 24 Zentimeter lang, mindestens 200 Gramm schwer und gleichmässig in Form und Farbe muss ein Rüebli sein, bevor es in den Verkauf kommt. Cherrytomaten wiederum dürfen maximal 35 Millimeter dick sein, der Stiel von Auberginen nicht länger als 3 Zentimeter. Die Branchennormen bei Schweizer Gemüse- und Fruchtsorten sind auf der Website des nationalen Dienstleistungszentrums für Früchte, Gemüse und Kartoffeln festgehalten. Grösse, Form, Geruch und Farbe sind detailliert vorgeschrieben. Ist die Kartoffel oder die Gurke zu gross, zu klein oder zu wenig schön, kann sie nicht verkauft werden und wird entweder als Dünger benutzt, zu Tierfutter oder zu Biogas verarbeitet.

In der Schweizer Landwirtschaft enden darum jedes Jahr 224’000 Tonnen der für die Menschen produzierten Nahrungsmittel als Lebensmittelverluste – auch aufgrund der geltenden Industrienormen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer am Montag publizierten Studie. 90 Prozent des Food-Waste in der Landwirtschaft könnten aber eigentlich vermieden werden.

«Die Wertschätzung fehlt»

Für Dominik Waser, der sich bei grassrooted gegen die Verschwendung von Lebensmitteln engagiert, ist die Studie wegweisend. «Sogar das Bafu stimmt uns zu, dass man bei den Industrienormen in der Landwirtschaft nochmals über die Bücher muss.» Dass ein krummes Rüebli oder ein fleckiger Apfel weggeworfen wird, sei idiotisch. Die Verantwortung dafür sieht Waser jedoch nicht allein beim Produzenten oder beim Detailhändler, sondern auch beim Konsumenten.

«Die Leute haben sich an die makellosen und gleich aussehenden Lebensmittel gewöhnt. Alles andere wird nicht gekauft oder gegessen», so Waser. Die Gesellschaft habe keinen Bezug zur Landwirtschaft mehr. «Man weiss nicht mehr, was es braucht, bis eine Tomate oder ein Rüebli wächst.» Was es brauche, sei eine erneute Wertschätzung gegenüber dem Produkt und gegenüber dem Bauer und der Bäuerin. «Dann könnte auch helfen, das Food-Waste-Problem im eigenen Haushalt einzudämmen.»

«Standards haben sich bewährt»

Dass Schweizer Kunden bei freier Wahl und gleichen Kosten zum schöneren Produkt greifen, bestätigt auch Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten VSGP. «Das ist aber auch total menschlich.» Von den Branchenstandards abrücken will er nicht. «Die sind in Zusammenarbeit mit dem Verband Swisscofel und den Produzenten entstanden und haben sich bewährt.»

Gleichzeitig räumt Waber ein, dass der Vermeidung von Food-Waste ein immer höherer Stellenwert eingeräumt wird. «Die Schweizer Landwirtschaft hat die Pflicht, sich in einen Kreislauf einzubringen, der sowohl ökonomisch als auch ökologisch aufgeht.»

(dk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wider die Natur am 30.04.2019 04:59 Report Diesen Beitrag melden

    ich will keine Norm Gemüse

    Was für ein Hohn, dass sogar Gemüse einer Norm und somit der Wertschätzung unterliegen. Dagegen gehört dringend etwas unternommen und die Arbeit der Gemüsebauern respektiert.

    einklappen einklappen
  • Escobar am 30.04.2019 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Warum kann man nicht neben dem "schönen" Gemüse, das weniger "Schöne" platzieren für einen kleineren Preis? Verstehe die Lieferanten und Vertriebspartner/Handel nicht.

    einklappen einklappen
  • K. Rueber am 30.04.2019 04:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rüebli

    Wenn die nächste Hungersnot da ist, spielt es keine Rolle mehr wie lange ein Rüebli ist !! Man überlege

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • in eigener Sache am 02.05.2019 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    CHGemüse dürfen nicht unterNormen leiden

    Last but not least...die Schweizer Rüebli sind nicht das einzige Gemüse welche den Normen zum Opfer fallen. Diese aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Nun dürfen wir alle über die Bücher und schauen, wo wir persönlich den Hebel ansetzen und unsere Messlatte setzen. Meine hat keine Normen.

  • Martial2 am 01.05.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich sowas...

    Sowas gehört bestraft. Sofern Gemüse, Obst intakt sind, kann man problemlos diese Ware konsumieren, egal welche Form, Gewicht und Farbe es hat! EU spinnt 100%-ig und die Schweiz macht voll mit!

    • jeder muss bei sich beginnen, auch Sie am 01.05.2019 22:40 Report Diesen Beitrag melden

      Eigenverantwortung gegen Verschwendung

      @Martial: Wir sind nicht EUkonform. wie kommen Sie darauf? Noch, und vermutlich fortwährend, bestimmen wir selbst, was wir essen.

    • Don Logan am 01.05.2019 22:50 Report Diesen Beitrag melden

      Martial2

      Ja, die Schweiz macht mit, weil wir EU abhängig sind und niemand will es so recht wahrnehmen.

    einklappen einklappen
  • schirna am 01.05.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ja so ist es

    Ja das ist auch ein besonders blöde Begründung die das Lebensmittelgesetz kennt .Genau so diesen ganzen Verbraucher daten sogt für Trocken Teigwaren!

  • ..dr Lauch.. am 01.05.2019 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ????

    ....krank.....punt.

  • Harry Beierer am 01.05.2019 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biohof

    Wir Kauf unser Gemüse direkt vom Biohof, da gibts auch mal ein krummes Rübli und keiner mekert. Das ganze Wegschmeissen von Lebensmitteln ist schockierend, in anderen Ländern verhungern Menschen!