Rettungsaktion

18. Februar 2019 14:05; Akt: 18.02.2019 14:43 Print

Diese Kartoffel ist zu gross und «visuell ungenügend»

Im Detailhandel gibt es kaum grosse Süsskartoffeln. Damit zehn Tonnen übergrosse Knollen nicht im Müll landen, lancieren Aktivisten eine Rettungsaktion.

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Im Detailhandel gibt es kaum grosse Süsskartoffeln. Damit zehn Tonnen übergrosse Knollen nicht im Müll landen, lancierten Aktivisten eine Rettungsaktion. Die Nachfrage ist gross. «Diese Süsskartoffeln sind bis zu einem Kilo schwer», sagt Dominik Waser von Grassrooted. Ware in einwandfreier Bio-Qualität wegzuschmeissen, sei ein No-go. Der Verein startete eine «Rettungsaktion» für zu grosse Süsskartoffeln. «Innert weniger Tage sind bei uns schon so viele Bestellungen eingegangen, dass wir die 3-Tonnen-Marke knacken konnten. Aufgrund der grossen Nachfrage werde wir sicher mehr verkaufen können als ursprünglich geplant», so Waser zu 20 Minuten. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch schwer abzuschätzen, wie viele Tonnen effektiv vor dem Wegwerfen gerettet werden könnten. Am 2. März findet die Rettungsaktion in Zürich statt. Ein Kilo kostet 5.50 Franken, die Mindestabnahmemenge beträgt fünf Kilo. Der Verein machte bereits durch Rettungsaktionen von 30 Tonnen reifen Tomaten sowie 30 Tonnen Rüebli auf sich aufmerksam. Generell sagt Tristan Cerf, Mediensprecher der Migros: «Wie überall, gibt es auch beim Gemüse Produktnormen.» Bei der Migros sei man bei den Süsskartoffel-Normen ein bisschen kulanter. Dies liege daran, dass es sich nach wie vor um ein Nischenprodukt handle und noch geprüft werden müsse, was die Kunden hinsichtlich Süsskartoffeln wünschten. Bei der Migros habe man die Erfahrung gemacht, dass Kunden visuell ungenügende Produkte nicht kauften. «Schöne und gleichmässig geformte Früchte und Gemüse sind ein klares Kundenbedürfnis», so Cerf. Da der Süsskartoffelanbau in der Schweiz trotz grossen Booms noch in den Kinderschuhen stecke, sei gute Qualität deshalb besonders wichtig.

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Weil die Süsskartoffelernte üppig ausgefallen ist, bleiben Schweizer Produzenten auf zu grossen Süsskartoffeln sitzen. Betroffen ist auch ein Zürcher Bio-Landwirt: «Dieser hat zehn Tonnen Bio-Süsskartoffeln an Lager, die er nicht verkaufen kann», sagt Dominik Waser vom Verein Grassrooted.

Sein Team plant am 2. März deshalb eine «Süsskartoffel-Rettungsaktion», damit mindestens drei Tonnen dieser Süsskartoffeln nicht weggeworfen werden.

Drei Tonnen sind weg

Die bisherigen Rückmeldungen seien überwältigend gewesen, sagt Waser. «Innert weniger Tage sind bei uns schon so viele Bestellungen eingegangen, dass wir die 3-Tonnen-Marke knacken konnten. Aufgrund der grossen Nachfrage werden wir sicher mehr verkaufen können als ursprünglich geplant», sagt Waser zu 20 Minuten.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch schwer abzuschätzen, wie viele Tonnen effektiv vor dem Wegwerfen gerettet werden könnten.

Kunden kaufen nur das schöne Gemüse

Doch warum haben übergrosse Süsskartoffeln kaum Chancen, in den Regalen der Detailhändler zu landen? Tristan Cerf, Mediensprecher der Migros, sagt: «Wie überall, gibt es auch beim Gemüse Produktnormen. Diese werden in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Branche erarbeitet. Oft gelten diese schweizweit oder entsprechen sogar EU-Normen.»

Allerdings sei die Migros bei den Süsskartoffelnormen ein bisschen kulanter als bei anderen. Dies liege daran, dass es sich nach wie vor um ein Nischenprodukt handle und noch geprüft werden müsse, was die Kunden hinsichtlich Süsskartoffeln wünschten.

Trotzdem habe man bei der Migros die Erfahrung gemacht, dass Kunden visuell ungenügende Produkte nicht kauften. «Schöne und gleichmässig geformte Früchte und Gemüse sind ein klares Kundenbedürfnis», sagt Cerf.

Da der Süsskartoffelanbau in der Schweiz trotz grossem Boom noch in den Kinderschuhen stecke, sei gute Qualität deshalb besonders wichtig. «Da Kunden stets die schönsten Stücke wählen, macht es für uns wenig Sinn, den Markt mit nicht der visuellen Norm entsprechenden Waren zu versorgen und vielleicht lebensmitteltaugliche Ware wegzuwerfen.»

«Jede Aktion gegen Foodwaste ist gut»

Trotzdem engagiere sich die Migros stark gegen Foodwaste: «Jede Aktion gegen Lebensmittelverschwendung ist gut. Aber solche Aktionen müssen auch einen passenden Markt finden.» Cerf verweist in diesem Zusammenhang auf andere Absatzmärkte, wo vermutlich auch grosse Süsskartoffeln Abnehmer fänden. «Ich vermute, dass grosse Süsskartoffeln im Direktverkauf oder in der Gastronomie auf Nachfrage stossen könnten.»

Waser sieht die Normgrössen beim Gemüse negativ: Durch Normgrössen seien sich Konsumenten einfach nicht mehr andere Grössen und Formen gewohnt.

Normgrössen sind ein Problem

Dies führe dazu, dass eine übergrosse Süsskartoffel bei den Konsumenten weniger gut ankomme. «Der Konsument sieht dann oft nur noch den hohen Preis und gar nicht mehr, wie viel er mit dieser Menge an Süsskartoffel alles zubereiten kann.»

Ausserdem müsse man immer im Hinterkopf behalten, dass eine Schweizer Süsskartoffel nun mal teurer sei als eine ausländische beim Discounter: «Wir als Konsumenten sind mit unserem Kaufverhalten für Foodwaste mitverantwortlich.»


(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mensch am 18.02.2019 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schleierhaft

    Ich hätte noch nie Einekartoffel nicht gekauft weil ich sie nicht schön finde. Das Ding wird gegessen und nicht zu Hause ausgestellt mir doch egal welche Form sie hat herdamit.

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  • Simba74 am 18.02.2019 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man sollte eher das Gehirn

    von den Leuten entsorgen welche so was entscheiden. Himmeltraurig Esswaren zu vernichten. Übrigens werden an allen Bahnhof/TankstellenShops etc. die noch gute Ware abends nach Ladenschluss noch geniessbar, weggeworfen.

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  • Carver am 18.02.2019 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann auch nicht genormte Gemüse etwas billiger

    Es kann schon sein das Kunden wohlgeformte Gemüse bevorzugen. Aber man könnte die anderen ja mit einem kleinen Preisabschlag versehen. Ich bin sicher dass die Kunden auch Gemüse ausserhalb der Norm kaufen. Grössere Gemüse geben zum Beispiel weniger Rüstabfall auf das gleiche Gewicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eugénie am 19.02.2019 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gross, grösstenteils, übergross

    Schlimm! Ich persönlich habe die grossen Süsskartoffeln viel lieber. Es geht besser sie zu rüsten. Man muss weniger Stk. kaufen. Und zu guter Letzt, ich begreife die Leute nicht! Oder ist es der Handel der einfach suggeriert, dass die Leute dies und das nicht akzeptieren.

  • Danydee am 19.02.2019 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Schälermeister

    Ich find die Grossen super.

  • Mariano am 19.02.2019 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Rösti

    Und ich rege mich auf wenn ich Rösti (ja geht mit Süsskartoffeln) machen will und nur so kleine Gaggini im Regal finde

  • Peter Wernli am 19.02.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstandsverblödung!

    Die Zeit wird kommen wo die Menschheit wieder lernen muss zu essen was da ist. Lange wird es nicht mehr gehen.

  • leser am 19.02.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    immer diese böse Handel

    In der Migros hatte es am Samstag auch Süsskartoffeln in Aktion. Sie wurden -unabhängig von der Grösse- auch nicht sonderlich oft gekauft. Eine Mindestabnahme-Menge wäre da sicherlich auch nicht hilfreich gewesen. Aber eines ist erreicht: kostenlose Publicity und gleichzeitig Bashing auf den bösen, bösen Handel.