Lotsen-Engpass

15. Juli 2018 17:48; Akt: 15.07.2018 17:48 Print

Darum sind so viele Flüge verspätet

Jeder fünfte Flug startet europaweit verspätet, in der Schweiz ist es sogar jeder vierte. In den kommenden Wochen dürften die Passagiere noch länger warten.

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Sommerzeit ist Reisezeit: Für die Flughäfen europaweit und in der Schweiz bedeutet das einen Rekordansturm. Allein der Flughafen Zürich dient in der Hochsaison teilweise mehr als 110'000 Passagieren als Drehkreuz, Start- oder Endpunkt ihrer Reise – und das täglich.

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Was bei vielen Flugreisenden allerdings für Verärgerung sorgt: Jeder fünfte Flug in Europa hat durchschnittlich 20 Minuten Verspätung, ab Zürich hebt sogar jeder vierte Flug mindestens eine Viertelstunde nach planmässiger Startzeit ab.

41 Staaten mischen über den Wolken mit

Laut «NZZ am Sonntag» (Abruf des Artikels ist kostenpflichtig) ist ein akuter Fluglotsen-Engpass für die meisten Verzögerungen verantwortlich.

Hinter der anspruchsvollen Planung und Kontrolle des Luftraums stecken in Europa 41 nationale Flugsicherungsdienste, unterstützt von der supranationalen Organisation Eurocontrol.

Auf schlechte Witterungsbedingungen oder Streiks sind nur etwa 25 beziehungsweise 10 Prozent der Verspätungen in Europas Luftraum zurückzuführen. «Über 60 Prozent gehen auf eine zu knappe Personaldecke bei den Flugsicherungsdiensten zurück», sagt Luftfahrtexpertin Regula Dettlin-Ott gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Nadelöhr Karlsruhe

Es seien einige wenige dieser Flugdienste, die «ihre Hausaufgaben nicht gemacht» hätten und «jetzt für den Flugverkehr in ganz Europa Verspätungen verursachen», kritisiert die Vorsitzende eines Gremiums, das die Leistungen der Flugsicherungsdienste im Auftrag der EU-Kommission prüfen soll.

Laut «NZZ am Sonntag» gelten sieben Flugkontrollzentren als Flaschenhälse. Drei davon befänden sich in Frankreich. Unangefochten an der Spitze stünde aber das deutsche Kontrollzentrum Karlsruhe.

30 bis 35 Minuten Verspätung

Die Diagnose eines Kenners der dortigen Verhältnisse: Management-Fehler – schuld am Engpass sei eine wenig vorausschauende Personalplanung. Kurzfristig Abhilfe zu schaffen, sei aufgrund der strengen Auswahlkriterien, der dreijährigen Ausbildungszeit und einer hohen Einarbeitungszeit von Fluglotsen aber unmöglich. Zwei Jahre, schätzen Experten, werde das Karlsruher Problem den Verkehr über den Wolken noch beeinträchtigen.

So lange werden sich Flugreisende also noch gedulden müssen. Nach Schätzwerten wird die durchschnittliche Flug-Verspätung in Europa in diesen Wochen auf 30 bis 35 Minuten ansteigen.


(jdr)