Zuger Regierungsrat

08. Oktober 2018 17:41; Akt: 08.10.2018 17:52 Print

Darum verzeihen CVP-Wähler Fremdgeher Villiger

von P. Michel - Nach Christophe Darbellay wurde auch der Zuger Beat Villiger trotz Affäre und unehelichem Kind gewählt. Politologe Mark Balsiger erklärt, warum.

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Herr Balsiger, nachdem bereits Ex-CVP-Präsident Darbellay ein uneheliches Kind gestehen musste, und der Walliser Nationalrat Yannick Buttet seine Ex-Geliebte stalkte, beichtete nun auch der Zuger Regierungsrat Beat Villiger ein uneheliches Kind. Haben CVP-Politiker ein Problem mit ihren moralischen Grundsätzen?
Nein, das sind zufällige Häufungen. Solche Fälle wären in jeder anderen Partei auch möglich.

Umfrage
Ist Fremdgehen bei CVP-Poltikern in Ordnung?

Warum ist die Empörung trotzdem gross?
Es ist ein Reflex der Öffentlichkeit, einer Partei, die das Wort «christlich» im Namen führt, Heuchelei zu unterstellen. Eine Partei, die christliche und konservative Werte hochhält, muss diese selber auch verkörpern. Das ist ein Spannungsfeld für die CVP.

Trotzdem legte die CVP in der Zuger Regierung einen Sitz zu, und auch Villiger wurde problemlos wiedergewählt. Ist den Wählern die Doppelmoral egal?
Der Fall Darbellay hat gezeigt, dass sogar im erzkatholischen Wallis eine Wahl in den Regierungsrat trotz Affäre und unehelichem Kind möglich ist. Der Unterschied: Darbellay liess acht Monate vor den Wahlen die Hosen runter – auf Druck des «SonntagsBlick». Villiger dagegen erst am Wahlsonntag. Ich glaube aber, Villiger wäre auch bei einer früheren Beichte wiedergewählt worden.

Warum?
Im weitgehend urbanen Kanton Zug kommen die Wählerinnen und Wähler zum Schluss: «Auch Politiker sind nur Menschen.» Zudem wird der politische Leistungsausweis offenbar höher gewichtet als die Affäre. Villiger ist seit elf Jahren Regierungsrat und er hat einen soliden Job gemacht. Die moralische Empörung bei der Wählerschaft spielt hier nicht – ganz anders im Fall von Geri Müllers Nacktselfie.

Laut Tamedia-Umfrage dürfte die CVP in den nationalen Wahlen 2019 1,7 Prozent verlieren. Was bedeutet die Affäre Villiger auf nationaler Ebene für die Partei?
Eine Partei will naturgemäss über Projekte und Erfolge reden. Die Affäre Villiger könnte sich als Bremsklotz für den Wahlkampf erweisen, genauso wie Pierre Maudet bei der FDP: Statt über die CVP-Volksinitiative für eine Kostenbremse bei den Krankenkassenprämien dominiert dieser Fall die Debatte. Deshalb hat die Partei ein Interesse daran, dass Villiger die Sache rasch klärt.

Was muss die Partei tun, um weitere Fälle zu verhindern? Braucht es Verhaltensrichtlinien seitens der Parteileitung?
Das würde nichts bringen. Denn Politiker, die etwas unter dem Deckel halten wollen, agieren oft kopflos und vertrauen sich Parteikollegen nicht an. Beat Villiger beging den grossen Fehler, eine superprovisorische Verfügung zu erwirken. Erst dadurch kam die Vermutung auf, dass hinter der Geschichte noch mehr stecken muss. Dabei ist es ja bloss die private Angelegenheit, die er unter dem Deckel halten wollte. Die Lektion für Politiker ist: Frühzeitig hinstehen und reinen Tisch machen – alles muss raus.

Villiger will in den nächsten Tagen entscheiden, ob er das Amt annimmt. Über Buttet sagten Sie damals: «Sich entschuldigen, alle Fakten auf den Tisch legen und sich Asche aufs Haupt streuen, wäre wirkungsvoll.» Kann Villiger glaubwürdig politisieren, wenn er das befolgt?
Der Wiederaufbau der Glaubwürdigkeit erfolgt schrittweise. Zuerst muss Villiger aber entscheiden, ob er das Amt annehmen will oder nicht. Falls ja, wird es für Villiger ein langer Weg. Dass er aber mit einem guten Resultat gewählt wurde, gibt ihm Sicherheit. Wenn sich die grosse Aufregung erst einmal gelegt hat, wird man seine Leistungen der letzten Jahre wieder pragmatischer abwägen.

* Mark Balsiger ist Politologe und Politikberater.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 08.10.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakter

    Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass schlechte Charaktereigenschaften, insbesondere Machtgelüste und Rücksichtslosigkeit geradezu Voraussetzung für hohe politische oder wirtschaftliche Mandate sind.

  • Der SeheR am 08.10.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konfessionslos

    Das C ist meines Erachtens das Problem. Bei allen anderen Parteien kann man über Ehebruch etc. hinwegsehen. Jedoch wer sich, wie die CVP, das Christentum und den glauben auf die Fahne schreibt, hat im Verrat des Christlichen Glaubens kein Kredit. Für mich sind das Heuchler in Reinkultur. Und an vorderster Front der Herr Darbellay der kaum überboten werden kann.

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  • murrli am 08.10.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur teilweise

    Dass Beat Villiger eine Affäre hatte und daraus ein uneheliches Kind entstand, ist seine Privatsache und geht nur ihn etwas an. Aber als Regierungsrat eine mögliche Straftat unter dem Deckel halten wollen, das geht - finde ich - nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • C.b am 08.10.2018 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kennt ihr sein Privatleben?????

    Was er Privat macht ( Gesetzlich legal ) geht mich und euch nichts an. . Mich interessiert nur die Politik die er macht. Trifft auf jeden Politiker zu. Also macht nicht so ein Drama daraus. Niemand ist perfekt. Ausserdem ist dass auch kein Weltuntergang , mit dem muss er umgehen können und nicht ich. Ausserdem gehören immer zwei dazu. Seine Privaten Hintergründe kennt niemand

  • Ruth am 08.10.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    NEU-WAHLEN IST DER RICHTIGE WEG

    Der Mann muss jetzt umgehend seinen Rücktritt bekannt geben und die Sache nicht in die Länge ziehen.

  • Atheist am 08.10.2018 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    Die CVP ist so christlich und auch so ehrlich wie die katholische Kirche. Kindsmissbrauch, Fremdgehen, stalken, etc. gehört in diesen Kreisen wohl zum guten Ton, so nach dem Motto "Sechs Tag sollst Du sündigen" und am siebten "Gott huldigen".

  • Realist am 08.10.2018 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN ZU STAATSGELD+RENTE FÜR ALIMENTE

    Auch eine Abgangs-Entschädigung und eine Lebenslange-Staats-Rente gehört gestrichen. Man kann nicht auf Staatskosten CVP-Kinder in die Welt setzen.

  • MARIO P. H. am 08.10.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FREMDGEHER VILLIGER WIEDERGEWÄHLT!

    Zug scheint ein spezielles Pflaster zu sein auch für Politiker. Wenn es u.a. um sexuelle Zuneigungen geht, obwohl liiert, oder außergewöhnliche Selfies von Hr. Müller, da kennt man keine Hemmungen. Uneheliche Kinder gibt es aber erstens, mehr als man annimmt, zweitens ÜBERALL auf der ganzen Welt und 3.tens nicht nur in politischen Kreisen. Wenn Fremdgeher Villiger seinen Job gut erledigt, wird er wieder gewählt, denn privat ist privat! Für die Angehörigen von Villiger & Co. wird es aber nicht immer einfach sein, mit dieser Situation umzugehen -- da gibt es doch zuhauf an jeder Ecke blöde Sprüche... FAZIT: Alle Leute sollen zuerst Mal vor der eigenen Tür wischen...