Klimawandel

08. März 2019 10:17; Akt: 08.03.2019 10:17 Print

Darum wollen diese Menschen keine Kinder

Würden Sie aufs Kinderkriegen verzichten, um die Umwelt zu schonen? Drei Leser erzählen, wieso sie genau das tun.

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Die Buchautorin und Lehrerin Verena Brunschweiger fordert in ihrem Buch «Kinderfrei statt kinderlos – Ein Manifest» dazu auf, bewusst aufs Kinderkriegen zu verzichten. Der Grund: «Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58,6 Tonnen im Jahr.» Zum Vergleich: Ein Jahr lang vegan zu essen, führt laut kanadischen Forschern zu C02-Einsparungen von 3,8 Tonnen. Der Verzicht aufs Kind sei damit ein besonders wirksamer Schritt, um das Klima zu schützen, schlussfolgert die Autorin.

Umfrage
Soll man aus Umweltschutzgründen aufs Kinderkriegen verzichten?

Eine Forderung, die bei Lesern auf Kritik stösst – aber auch auf Lob. Mehrere Leser verzichten seit Jahren auf Kinder, um die Umwelt zu schonen. Drei von ihnen erzählen.

Doro Fernandez (37)

«Ich liebe Kinder, habe mich aber trotzdem bewusst gegen das Kinderkriegen entschieden, um meinen ökologischen Fussabdruck zu verkleinern. Es gibt 9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Der Ressourcenverbrauch ist schlicht zu gross. Dass ich keine eigenen Kinder möchte, war mir schon früh klar, vor allem wegen der Umwelt. Der gesellschaftliche Druck, Mutter zu werden, ist aber sehr gross, die Mutterschaft wird mystifiziert. Es ist ein Rückschritt in die 50er-Jahre: Sieht der eigene Lebensentwurf keine Kinder vor, muss man sich dafür rechtfertigen.

Erklärt man sich im Umfeld, stösst man oft auf Akzeptanz, jedoch nur selten auf Verständnis. Personen mit einem Kinderwunsch sollten sich ganz bewusst für Nachwuchs entscheiden und nicht einfach dem gesellschaftlichem Druck nachgeben, «weil man es halt so macht» – auch der Umwelt zuliebe. Einen finanziellen Anreiz zu schaffen für jene, die keine Kinder kriegen, wie das die Buchautorin Brunschweiger fordert, ist ein interessanter Ansatz. Schliesslich zahlt der Staat auch Kindergeld. Kein Kind auf die Welt zu setzen, ist ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz.»

Swen Ardic (32)

«Auf Kinder verzichte ich in erster Linie für den Umweltschutz. Auf unserem Planeten gibt es nicht unendlich viel Platz. Ich habe das Gefühl, dass wir schon jetzt nahe am Kollaps sind. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich noch einmal deutlicher herauskristallisiert, dass ich nie Kinder haben will. Eine Vasektomie ist schon geplant. Aber auch als Mann muss man sich immer wieder die Frage anhören, wann man endlich Vater werde.

Wenn man dann erklärt, dass man keine Kinder will, wird man belächelt und nicht ernst genommen, weder von Kollegen noch von neuen Bekanntschaften. Meine Freundin teilt aber meine Ansichten und auch mein Vater unterstützt mich inzwischen voll und ganz. Wir in der fortschrittlichen Schweiz könnten als Vorbildfunktion für die weniger entwickelten Länder dienen. Kinder von Kollegen mag ich sehr. Aber mir selbst und der Welt tue ich das nicht an.»

Maria* (28)

«Ich bin in einer langjährigen Beziehung und Kinder sind bei mir und meinem Freund definitiv ein Thema. Er möchte unbedingt Kinder, ich bin aber nach langem Überlegen fest davon überzeugt, dass das Kinderkriegen eine der egoistischsten Handlungen überhaupt ist. Schlussendlich hat Umweltschutz auch etwas mit Bevölkerungswachstum zu tun. Und da reicht es einfach nicht, sich vegan zu ernähren oder Alu zu recyceln. Wenn man auf Kinder verzichtet, ist man einfach verantwortungsvoll in seinem Umweltschutz.

Kinder sind in erster Linie Konsumenten und werden es auch ihr ganzes späteres Leben sein. Das Beste wäre also, nicht einen weiteren Konsumenten in die Welt zu setzen. Wer ein Kind will, könnte eines adoptieren und sich damit um jene kümmern, die ohne Eltern aufwachsen. Aber eine sachliche Debatte darüber ist schwierig. Mit meinen Freunden wird es sofort emotional. Meine Eltern wissen nichts von meinen Ansichten. Aber auch wenn – ernst würden sie mich trotzdem nicht nehmen.»

*Name der Redaktion bekannt

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine Frau am 08.03.2019 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht

    Gerade wir europäischen Frauen mit der tiefsten Geburtenrate der Welt sollen auf Kinder verzichten? Sorry, aber das Problem liegt anderswo und soll auch dort gelöst werden.

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  • Mima am 08.03.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Albanerin ohne Kinder

    Ich inzwischen 36 habe mich gegen Kinder entschieden weil ich schlicht nicht den Mann gefunden habe, mit dem es sich loht Kinder zu kriegen! In meiner Kultur ist das nicht üblich das man sich dagegen entscheidet aber ich habe es geschaft und mich durchgesetzt. Muss mir aber fast jeden Tag anhören wieso ich nicht verheiratet bin und keine Kinder habe, das ist sehr verletzend!

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  • Um Welt am 08.03.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    warum ich keine Kinder will

    Ob das mit dem ökologischen Fussabdruck wirklich der Hauptgrund ist, sei dahingestellt. Ich persönlich will keine Kinder, weil ich es mir selbst und den Kindern gegen über nicht verantworten kann und will, sie auf diese Welt gestellt zu haben. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der wir Materiell genug hatten, aber emotional völlig uns selbst überlassen wurden, nach dem Motto: wir haben Kinder, weil man das eben hat, die werden schon von selbst gross. Das möchte ich keinem Kind antun und ich bin der Überzeugung, dass ich nicht das Zeug habe, eine gute Mutter zu werden. Deshalb: no kids

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ephraim Lercher am 08.03.2019 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja genau...

    Aus der Not oder fehlendem Bedürfnis eine Tugend machen, nennt man das. Der Unweltschutz als Grund ist völlig lächerlich und unglaubwürdig. Diese Leute wollen einfach keine Kinder und haben auch keinen Drang, Kinder zu haben, den sie unterdrücken müssten. Sie verzichten also auf nichts. So ist es natürlich bequem und billig, seine Tugendhaftigkeit in den Vordergrund zu stellen.

  • nabo am 08.03.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine egokinder

    ich wollte kein scheidungskind und dann alleinerziehend sein. meine kindheit hat mir gereicht. dieses ewige hin und her zwischen den eltern, wollte ich niemandem antun. zudem war meine mutter immer arbeitstätig. für mich wars einfach stress.

  • Peter Geissmann am 08.03.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen des Wachstums.....

    Verena Brunschweiger hat recht. Die "Grenzen des Wachstums" beginnen bei der Erdbevölkerung. Mit den aktuellen Hysterie um den Klimawandel kaschieren wir die etwas harte Tatsache der globalen Überbevölkerung. Ein Beispiel: Die Schweiz treibt in Richtung Infrastruktur Katastrophe. Ausbauarbeiten in -zig facher Milliarden Höhe stehen an. Alle bisherigen und künftigen Infrastrukturen müssen im 20 bez. 40 Jahr Rhythmus saniert oder neu gebaut werden. Die Staats- und Interventionsdichte wird ein unmenschliches Mass annehmen. Die Gesundheits- und Sozialkosten werden unermesslich steigen....!

  • Bio Power am 08.03.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sterilisation

    Sterilisiert wurde man früher! Heute will man es den Leuten als Umweltgewissen verkaufen!

  • arwed am 08.03.2019 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde gerne auf einem anderen Planeten leben

    Schon als Teenager ging mir die Menschheit derart auf die Nerven, dass ich mit 21 beim Urologen eine Unterbindung vornehmen liess. Ich kann die Empathielosigkeit und Dummheit der Menschen kaum ertragen, es verzehrt einen grossen Teil meiner Energie. Ich bin glücklich über diese freie Entscheidung der Vasektomie und habe sie keine Sekunde bereut, gerade wenn ich sehe was die Elite-Psychopathen zurzeit mit diesem Planeten anstellen. Dennoch glaube ich an Reinkarnation und hoffe auf ein happy end für alle Lebewesen. Die Gesellschaft sollte lernen zu akzeptieren, dass Menschen verschieden sind, gerade was leistungsfähigkeit, schlafrhythmus und lärmempfindlichkeit betrifft. Und jeder Mensch soll frei entscheiden dürfen ob er Kinder haben möchte oder nicht. Freiheit für alle ist sehr wichtig.