Vorsorgliche Massnahme

06. März 2015 11:28; Akt: 06.03.2015 11:28 Print

Das AKW Beznau erhält neue Deckel

Nächste Woche werden beim ältesten AKW der Welt die Deckel der Reaktordruckbehälter ersetzt. Die bisherigen Abdeckungen sind aber noch «vollständig intakt».

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Um die Deckel der Reaktordruckbehälters austauschen zu können, muss am jeweiligen Containment (Schutzhülle) eine temporäre Transportöffnung von fünf mal fünf Meter gemacht werden. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Die beiden Reaktoren des AKW Beznau in Döttingen AG werden in diesem Jahr nachgerüstet. Der Energiekonzern Axpo tauscht die Deckel der Reaktordruckbehälter aus. Der Reaktor 1 ist mit über 45 Jahren das älteste kommerziell betriebene AKW der Welt.

Die Planungsarbeiten und Vorbereitungen seien nahezu abgeschlossen, hiess es an einem Mediengespräch am Freitag auf dem AKW-Gelände. Die beiden Deckel der Reaktordruckbehälter seien eingetroffen.

Alte Deckel intakt

In der kommenden Woche wird der Reaktor 1 für die Jahresrevision abgeschaltet. Dabei soll der Deckel ausgetauscht werden. Der Reaktor bleibt für mehr als 100 Tage vom Netz. Der Reaktor 2 soll im August für die Revision abgeschaltet werden.

Die Kosten für die neuen Deckel betragen 100 Millionen Franken. Die bestehenden Deckel seien «vollständig intakt», sagte Stephan Döhler, Leiter Division Kernenergie bei der Axpo. Sie würden jedoch aufgrund von Erfahrungen bei baugleichen Deckeln im Ausland trotzdem ersetzt. Döhler sprach von einer «vorsorglichen Massnahme».

Schutzhülle muss geöffnet werden

Die neuen Deckel - in Japan geschmiedet und in Spanien gefertigt - sind je 52 Tonnen schwer. Der Durchmesser beträgt vier Meter und die Höhe zwei Meter. Die Deckel haben mehrere Durchlässe für Einschübe wie die Steuereinrichtungen des Reaktors.

Um die Deckel der Reaktordruckbehälters austauschen zu können, muss am jeweiligen Containment (Schutzhülle) eine temporäre Transportöffnung von fünf mal fünf Meter gemacht werden. Im Reaktorkern werden sich dann keine Brennelemente befinden, wie Urs Weidmann, Leiter Kernkraftwerk Beznau (KKB) erläuterte. Auch bestehe ein Unterdruck im Gebäude. Weltweit seien bereits hundert Mal solche Deckel ausgetauscht worden.

Die alten, radioaktiv strahlenden Deckel werden in einem Sicherheitsbehälter ins betriebseigene Zwischenlager gebracht. Bereits Ende der 1990er Jahre war das Containment gemäss Weidmann einmal geöffnet worden.

Axpo will Reaktoren lange am Netz lassen

Insgesamt investiert die AKW-Betreiberin Axpo rund 700 Millionen Franken in die sicherheitstechnische Nachrüstung der beiden Reaktoren auf der Aareinsel im unteren Aaretal. Damit betragen die Aufwendungen für Nachrüstung und Erneuerung seit Betriebsaufnahme 2,5 Milliarden Franken.

Mit den Grossprojekten sei sicherheitstechnisch die Basis für einen Betrieb «deutlich über 50 Jahre» gegeben, sagte Döhler. Die Reaktoren würden ein Sicherheitsniveau haben, das «modernsten Standards» entspreche. Dies ermögliche, die beiden Reaktoren «ohne jegliche Kompromisse bei der Sicherheit deutlich über 2020 zu betreiben».

Notfallsystem

Der Entscheid für die Investitionen wurden gemäss Döhler 2008 gefällt - also drei Jahre vor der AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima.

Zu dieser Nachrüstung gehört auch ein weiteres Notstromversorgungssystem für 500 Millionen Franken. Es soll eine autarke, erdbebensichere Stromversorgung für die Kühlung der Reaktoren im Notfall garantieren. Das System besteht aus zwei neuen Gebäuden mit je zwei Dieselaggregaten. Zudem wird derzeit das Anlage-Informationssystem nach 20 Jahren komplett erneuert.

ENSI sieht Möglichkeit für Langzeitbetrieb

Der Reaktor Beznau 1 ist seit 1. September 1969 offiziell in Betrieb. Der weitgehend baugleiche Reaktor Beznau II nahm den kommerziellen Betrieb im Dezember 1971 auf. Die Reaktoren weisen eine Nettoleistung von je 365 Megawatt (MW) auf.

AKW-Gegner forderten wiederholt die sofortige Ausserbetriebnahme der Beznauer Reaktoren. Die Anlage könne «nicht auf den aktuellen Stand der Sicherheitstechnik nachgerüstet werden».

Die Atomaufsichtsbehörde ENSI hält nach eigenen Angaben einen Betrieb der Schweizer AKW von bis zu 60 Jahren «rein technisch» für möglich. Der Betrieb einer Anlage über 40 Jahre hinaus sei an strenge Vorgaben gebunden, hielt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) im Oktober 2014 fest. Man erteile jedoch «keinen Blankocheck für Laufzeitverlängerungen».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 06.03.2015 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die AKW Gegner

    Wir ziehen allen AKW Gegner denn Stecker raus. Dann genügt der Strom den wir aus erneuerbaren Energien gewinnen. Nein jetzt im Ernst, alle AKW Gegner sollen ihre Natel, Computer, Fernseher u.s.w. verkaufen. Wir können den Strom natürlich auch teuer vom Ausland importieren, der aber meistens auch aus AKW's kommt.

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  • he ei ei am 06.03.2015 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also ; ich Weiblich

    gehe am 1.Juni 2015 von Morgens 10:00 Uhr bis 24:00 Uhr ab ZH Hauptbahnhof mit Minirock ohne Unterwäsche spazieren. Mal sehen, was passiert.

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  • Martina Mettler am 06.03.2015 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das älteste der Welt

    ach bin ich stolz ! .....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Mattli am 07.03.2015 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr wenig Wissen bei Gegnern

    Bei der Durchsicht der Kommentare stelle ich fest, dass vor allem die Gegner mit absolut unsinnigen Polemiken operieren, welche jeglichen Fakten widersprechen. Die Energiewende ist mit erneuerbaren nicht machbar. Es ist seitens des BFE kein Geheimnis, dass man Gaskraftwerke bauen muss. Dass sich diese nicht rechnen genügt ein Blick nach Deutschland. Woher das Gas kommt brauche ich ja nicht auszuführen. Die geologische Tiefenlagerung ist kein technisches Problem sondern ein gesellschaftspolitisches. Als kommt mit klaren Fakten und den wissenschaftlichen Quellen!

  • Kudi am 07.03.2015 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ökostrommix

    Da will mir einer den Stecker ziehen, obwohl ich nur den Ökostrommix ohne AKW-Strom kaufe. Was mich noch mehr stört ist, dass ich wohl für den Rückbau der Drecksmühlen über die Steuern werde bezahlen müssen.

    • Martin am 07.03.2015 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mit verantwortlich

      Du hast also seit deiner Geburt nur in Haushalten gelebt die Ökostrom haben, auch die Schule die du besucht hast und der Arbeitgeber bei dem du arbeitest haben nur Ökostrom. Im Ausgang gehst du nur an Orte die Ökostrom haben und du kaufst nur Produkte die ohne Atomstrom hergestellt wurden. Das Atomproblem geht uns alle etwas an, da kannst du dich nicht aus der Verantwortung ziehen.

    • Kudi am 07.03.2015 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Nein danke!

      Ja genau. In einem anderen Fall würde man so etwas Nötigung nennen. Ungefragt ist dieser Vertrag ungültig.

    • EN am 07.03.2015 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kudi

      wie willst du wissen, das du ökostrom beziehst wenn alle ins gleiche Netz speisen? Kannst du den Strom bei dier zu Hause sehen? Ist er etwa Bio-Grün? Erklärt mir wiedermal, dass alle zu recht mitdiskutieren aber nicht Alle die nötigen technischen Fachkentnisse besitzen.

    • Kudi am 07.03.2015 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      es ist einfach EN

      Der Strommix wird in Form von Stromzertifikaten durch Beschaffung der erforderlichen Herkunftsnachweise an der Ökostrombörse sichergestellt, aber für das ist halt für manche schon zu komplex.

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  • Dani B am 07.03.2015 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohin wenn's tätscht?

    Atomenergie war, ist und bleibt ein Verbrechen. Punkt. Sollte es wirklich zu einer Katastrophe kommen dann ist unser Land Geschichte. Ist das billiger Strom wert?

  • Marco Heinze am 07.03.2015 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manche begreifen' nie

    Ich sag's aber trotzdem noch mal: Nicht die Sicherheitstechnik bei der Herstellung des Stroms ist das Problem sondern die Entsorgung des Atommülls.

  • AarGau am 07.03.2015 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atomkraftgegner:

    Menschen, die schon vor 40 Jahren wussten, was manche jetzt noch nicht begriffen haben.