12. April 2005 11:12; Akt: 12.04.2005 21:02 Print

Das Ende der viersprachigen Schweiz?

Die Schweizer Landessprachen Deutsch und Französisch werden häufiger gesprochen - dank der Integration von Fremdsprachigen. Italienisch und vor allem Rätoromanisch verlieren an Boden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Trend geht von der Vier- zur Vielsprachigkeit.

Dies sind die Hauptergebnisse von zwei Studien, die das Bundesamt für Statistik (BFS in Auftrag gegeben hat. Sie wurden am Dienstag in Bern vorgestellt. Ausgewertet wurden die Ergebnisse der Volkszählung 2000.

Im Jahr 2000 gaben 63,7 Prozent der Bevölkerung das Deutsche und 20,4 Prozent das Französische als Hauptsprache an. 1990 hatten die Anteile 63,6 Prozent und 19,2 Prozent betragen.

Die zwei Sprachen konnten dank der ausländischen Bevölkerung zulegen: Im Jahr 2000 gab rund ein Drittel der ausländischen Befragten das Deutsche als Hauptsprache an, rund ein Fünftel das Französische.

Sprachliche Integration der Ausländer

Rund zwei Drittel der ausländischen Bevölkerung gaben im Jahr 2000 eine Landessprache als Hauptsprache an. Dies bedeutet eine Zunahme um 16,7 Prozentpunkte gegenüber 1990.

Noch weiter geht die sprachliche Integration der Secondos: In der Deutschschweiz geben über 60 Prozent von ihnen das Deutsche, in der Westschweiz rund 80 Prozent das Französische und im Tessin über 67 Prozent das Italienische als Hauptsprache an.

Die Mehrheit der ausländischen Bevölkerungsgruppen spricht eine lateinische Sprache und integriert sich deshalb leichter in der französisch- oder italienischsprachigen Schweiz.

Immer mehr Sprachen in der Familie

Verglichen mit 1990 werden die vier Landessprachen zuhause etwas weniger verwendet. Demgegenüber haben sich die Nichtlandessprachen weiter verbreitet. Die Sprachenvielfalt hat damit zugenommen.

Im Jahr 2000 sprachen 16,6 Prozent der Bevölkerung zuhause keine Landessprache, verglichen mit lediglich 13,0 Prozent zehn Jahre zuvor. Zudem ist die Mehrsprachigkeit unter der ausländischen Bevölkerung stärker verbreitet als unter der schweizerischen; Schweizerinnen und Schweizer sind sehr oft nur einsprachig.

Englisch in der Berufswelt

In der Berufswelt ist das Englische klar auf dem Vormarsch: 1990 wurde es von 15,9 Prozent in der Berufswelt verwendet, 2000 waren es 21,7 Prozent. In den städtischen Zentren wurde englisch von 24,4 Prozent der Erwerbstätigen verwendet, auf dem Lande nur von 10,8 Prozent. Aber auch die Landessprachen legen in der Berufwelt zu.

Berufstätigkeit steht zunehmend auch für Mehrsprachigkeit. In der Deutschschweiz spricht eine Person durchschnittlich 1,5 Sprachen an der Arbeit, in der Westschweiz sind es 1,4 Sprachen.

Sorgenkinder Italienisch und Rätoromanisch

Der Anteil der Personen mit Italienisch als Hauptsprache ist von 7,6 Prozent (1990) auf 6,5 Prozent (2000) gesunken. Im Tessin ist das Italienische zwar erstarkt, in den anderen Landesteilen verliert es aber an Boden, weil sich dort die Italienischsprachigen stark integriert haben.

Rätoromanisch wurde 1990 noch von 66 082 Personen gebraucht, während es im Jahr 2000 lediglich noch 60 561 Personen waren. Dies ist ein Rückgang von 8,4 Prozent.

Hauseigentümerverband weist Studie zurück

Der Hauseigentümerverband wies die Studie und die Mieterverband-Forderungen zurück. Mehr als 90 Prozent der Mieter seien mit ihrem Zins zufrieden.

(SDA/csr)