Tamedia-Umfrage

27. April 2018 06:34; Akt: 27.04.2018 06:34 Print

Das Geldspielgesetz fällt bei den Jungen durch

Während Senioren mehrheitlich für das neue Geldspielgesetz sind, hat es bei Jüngeren einen schweren Stand. Das zeigt die Tamedia-Umfrage.

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Am 10. Juni stimmt das Volk darüber ab, ob Schweizer Casinos künftig Online-Geldspiele wie Poker oder Roulette anbieten dürfen, während unbewilligte Online-Spiele ausländischer Anbieter gesperrt werden.

Rund sechs Wochen vor der Abstimmung hat das Nein-Lager die Nase vorn: Gemäss der ersten Tamedia-Umfrage zur Vorlage sagen 53 Prozent Nein. 42 Prozent der Stimmberechtigten befürworten die Vorlage. 5 Prozent machen keine Angaben zu ihren Stimmabsichten.

Skepsis von links und rechts

Mehrheitlich für das Gesetz sind die Wähler der CVP: 55 Prozent wollen ein Ja auf den Stimmzettel schreiben, 41 Prozent ein Nein. Die Vorlage stösst aber rechts und links der Mitte auf Skepsis: Die Anhänger von SVP und FDP sind mehrheitlich gegen das neue Gesetz, ebenso wie die Wähler der Grünen.

Stark gegen die umstrittenen Netzsperren engagieren sich die meisten Jungparteien. Laut der Umfrage hat das Geldspielgesetz bei der Generation Netflix tatsächlich einen schweren Stand. Bei den 18- bis 49-Jährigen spricht sich nur gut jeder Dritte für das Gesetz aus. Dagegen befürworten es 56 Prozent der über 65-Jährigen.

«Ein vernünftiges, schweizerisches Gesetz»

Laut Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, zeigt die Umfrage, dass sich das Engagement gegen das Gesetz lohnt. «Nun müssen die Jungen auch abstimmen gehen. Und wir müssen auch die Älteren davon überzeugen, dass mit dem Gesetz ein sträflicher Präzedenzfall geschaffen wird.» Auch Rentnern müsse das Gesetz missfallen, da mit dem Gesetz ein Kartell geschaffen würde. Schön sei, dass Rechte und Linke die Argumente gegen die Netzsperren teilen würden. Es gebe bessere Alternativen. Laut Silberschmidt sollen sich auch ausländische Anbieter um eine Lizenz bemühen können.

Die Befürworter des Gesetzes betonen, dass ihre Kampagne erst startet: «Jungparteien haben das Referendum ergriffen. Darum ist es nicht erstaunlich, dass die Jüngeren eher skeptisch sind. Wir müssen jetzt viel Aufklärungsarbeit leisten und ihnen die Angst vor den Zugangssperren nehmen», sagt CSP-Nationalrat Karl Vogler. Es sei ein «vernünftiges, schweizerisches Gesetz», das einzig illegales Geldspiel verhindern wolle – in der realen und virtuellen Welt. «Es kann nicht sein, dass wir illegales Geldspiel verfolgen, wenn es in einem Hinterzimmer passiert, bei Online-Casinos aber wegschauen.» Heute gingen dadurch rund 250 Millionen Franken verloren, die in gemeinnützige Projekte fliessen würden.

Relative Mehrheit gegen Vollgeld-Initiative

Bei der Vollgeld-Initiative liegen die Gegner noch vor dem Kampagnenstart in Front: 45 Prozent lehnen das Volksbegehren klar oder eher ab, während 42 Prozent klar oder eher dafür sind. 13 Prozent machen keine Angaben zu ihren Stimmabsichten. Der hohe Anteil legt nahe, dass die Meinungen in dieser Frage noch wenig gefestigt sind.

7255 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 23. bis 25. April online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 10. Juni teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,8 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen sind unter tamedia.ch/umfragen abrufbar.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matty13 am 27.04.2018 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klares Nein

    Kein Monopol für Schweizer Casinos. Und noch wichtiger, keine Netzsperren. Das wär der Anfang vom Ende. China lässt grüssen.

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  • Claudia am 27.04.2018 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So läuft das nicht...

    Da hat sich eine Branche ihr eigenes Wohlfühlgesetz zurechteschustert. Sooo läuft das nicht, liebe Casino- und Swisslos-Verantwortlichen. Ich glaube auch, dass man sich vom hohen Ross zu sicher war/ist und die Gegner und deren Argumente unterschätzte. Ich will mir (w/55j.) keine Internetsperre aufzwingen lassen. Das fängt jetzt bei den Glücksspielen an und endet am Ende wo? Ich kann und will selber bestimmen, wann ich wo wie auf welchem Weg welche Angebote nutzen will.

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  • Mannedavid am 27.04.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldspielgesetz

    Das grösste problem ist, dass damit das komplette Internet zensiert werden darf und nicht nur Online Casinos...

Die neusten Leser-Kommentare

  • maja naef am 27.04.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    kommt nicht in die Tüte

    ich spiele nie um Geld trotzdem bin ich gegen diese Netzsperre. Da höre ich auf die jungen Leute, die haben noch mehr Zukunft vor sich als ich. Freiheit für meine Nachkommen.

  • S.P. am 27.04.2018 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Börse

    Das gleiche könnte man dann auch mit Trading Seiten machen, wetten auf Aktien, Optionen, Bitcoin usw.

  • gloria derungs am 27.04.2018 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geldspielgesetz: nein

    bevormundung: nein

  • Otto am 27.04.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ex Libris muss Filialen schliessen

    Es werden immer weniger CDs in der Schweiz gekauft, die Musik wird aus dem Ausland gestreamt. Kommt danach auch eine Netzsperre für Spotify, Apple Music & Co ?

  • Frtitz seit! am 27.04.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    auf einem Auge liberal

    schön wie sich die Parteien wieder mit liberal brüsten, aber bei Parallelimporten von Medikamenten ist dann fertig luschtig!!