Selbstversuch

04. August 2015 07:39; Akt: 04.08.2015 07:39 Print

Das Handy ist weg – und fünf neue Probleme da

von J. Büchi - Seit drei Tagen lebt unsere Redaktorin ohne Handy. Nicht in allen Bereichen lief die Umstellung ganz reibungslos.

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Das Smartphone hat mich nicht mehr im Griff. (Bild: Matt Cardy/Getty Images)

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Unsanftes Erwachen: Der Radiowecker, der seit Samstag auf meinem Nachttisch steht, ist ein unattraktives, sperriges Ding. Seine giftgrünen Ziffern tauchen das Schlafzimmer in ein ungemütliches Licht. Und wenn der Alarm losgeht, ist das eher ein Rauschen als sonst etwas. Leider habe ich aber vergessen, rechtzeitig vor Beginn meines Experiments «Handyentzug» einen anständigen Ersatz zu besorgen. Ich dachte schlicht nicht daran, dass das Smartphone normalerweise auch diesen Teil meines Lebens regelt. Deshalb musste es das zehn Jahre alte Relikt aus dem Keller – ein Schnäppchen, dessen Kaufpreis sich auf knapp 20 Franken belief – richten. Immerhin: Es hat seine Aufgabe bisher tadellos erfüllt.

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Die Phantomschmerzen: In der ersten Nacht ertappte ich mich drei Mal dabei, wie ich blind nach der Stelle tastete, wo normalerweise mein Smartphone liegt. Wie spät ist es? Hat da nicht gerade etwas vibriert? Doch meine Finger trafen nur auf kaltes, abweisendes Holz. Nun gut, diese Formulierung ist jetzt möglicherweise etwas gar melodramatisch geraten. Irgendwie fühle ich mich aber tatsächlich etwas neben der Spur, seit ich mein Handy abgeschaltet und in eine Schublade gesperrt habe.

Immer diese Spontaneität:
Meine Befindlichkeit könnte auch damit zusammenhängen, dass es schwierig geworden ist, mit meinen Freunden in Kontakt zu treten. Die Lieblings-Floskeln unserer Generation («gell, wir schauen dann spontan», «schreiben wir noch wegen der Zeit?») sind auf einmal unbrauchbar geworden. Ab sofort müssen Termine ordentlich fixiert – und dann auch eingehalten werden. Sonst sitze ich am Ende alleine beim Bier.

Rufnummer unbekannt: Zum Glück gibt es noch das gute, alte Festnetz-Telefon. Wenn ich in meiner Wohnung oder im Büro bin, kann ich also fast so unbeschwert kommunizieren wie vor Beginn des Experiments. Ich rufe meine beste Freundin von meinem Telefonanschluss zuhause an, den ich nur besitze, weil er standardmässig im Internet-Package enthalten ist. Sie meldet sich mit Nachnamen – der Ton in ihrer Stimme ist ungewohnt streng, vielleicht sogar etwas misstrauisch. Sie hatte hinter der unbekannten Nummer ein Callcenter vermutet, das auf der Suche nach neuen Kunden ist. Offensichtlich hatte ich ihr meine Festnetznummer nie durchgegeben.

Auf News-Entzug: Am schwersten wiegt für mich als Medienschaffende aber natürlich das Fehlen jeglicher Nachrichten. Ob dieser Selbstversuch überhaupt mit meiner Funktion vereinbar sei, argwöhnten Arbeitskollegen, als ich ihnen von der Idee erzählte. Das müsse vereinbar sein, ich sei schliesslich nicht dazu verpflichtet, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Abruf zu sein, trötzelte ich. Wenn ich mich am Morgen auf den Arbeitsweg mache, ist da aber trotzdem ein mulmiges Gefühl: Was, wenn in der Nacht das Bundeshaus eingestürzt ist und ich es in meiner unschuldigen Offline-Welt nicht mitbekommen habe? Auf der anderen Seite: Dann hätten wir noch ganz andere Probleme. Und irgendwie fühlen sich solche Abende, ganz ohne News und Push-Nachrichten, ziemlich gut an. Fast ein bisschen wie Ferien. Dort komme ich übrigens auch ausserhalb des Experiments gut ein paar Tage ohne Smartphone aus.

Sie sind unter 30 und besitzen kein Handy? Erzählen Sie uns, wie es sich damit lebt und schreiben Sie uns unter feedback@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jelle am 04.08.2015 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser so

    Wenn Sie drei mal pro Nacht nach dem Smartphone greifen, ist es vielleicht besser, wenn Sie es für immer entsorgen.

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  • Rolf E. am 04.08.2015 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Trennung wegen Handy

    Die Handy Sucht sollte ENDLICH ernst genommen werden. Meine Frau ist übelst süchtig... und es blieb mir nur die Trennung. Es ist eine sehr sehr schlimme Sucht, welche zu einer enormen Aggressivität des betroffenen führt...

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  • Tyra am 04.08.2015 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Handy

    Ich möchte zwar auch nicht mehr auf mein Handy verzichten,aber in meiner Jugend gab es das noch gar nicht,und wir hatten es toll! Und in absolut jede Ferien bleibt unser Handy zu Hause!!!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • a s am 05.08.2015 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach

    naja, soooo schwer ist das ja nun auch wieder nicht. ich (21) hatte mal bei ner freundin in der romandie mein handy vergessen und musste dann 2 wochen ohne handy auskommen. zu beginn war das zwar ein bisschen ungewohnt, aber ich habe diese zwei wochen trotzdem sehr genossen und mache seither jeden monat eine woche lang handyferien!

  • Dave G. am 04.08.2015 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Selber kein Handy mehr seit bald 2 Jahre

    In den Ferien vor nun bald 2 Jahren wurde mir mein Handy gestohlen - zum Glück. Ich wollte auf die nächste Generation warten, und habe mich dann daran gewöhnt kein Handy mehr zu besitzen. Ich habe aber noch ein Tablet mit SIM Karte - dieses verwende ich jedoch pro Woche nur ein paar wenige Male, sicherlich nicht 80x pro Tag oder gar noch mehr, wie man es sich vom Handy her gewohnt war. Ich möchte nie wieder ein Handy besitzen.

  • Michael am 04.08.2015 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Fehlende News ? Was soll den in unser gepamperten Zeit so entscheidendes passieren, da man es unbedingt wissen muss ? Lady Gaga hat ein neues Outfit ? Nein ! Bundeshaus ist eingestürzt ? Nein ! Einzig - was aber eine höchst individuelle Ansicht ist - Fussballergebnisse..... Ansonsten würde ich dem Mädel einen Besuch bei einer Suchtberaterin empfehlen.

  • ale c. am 04.08.2015 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    süchtig

    Ich selbt nutze mein handy intensiv, aber das verhalten der redaktorin sieht ja nach einer kranken sucht aus. Warum tappt sie in der nacht 3x nach dem handy? Solange draussen die sirenen nicht heulen wirds nichts wichtiges sein ;-)

    • Bartli am 04.08.2015 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      Muss lachen

      Wenn Sie es intensiv nutzen ist ziemlich sicher auch schon Sucht, ausser es sei berufliche Notwenigkeit

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  • Denk mal selber am 04.08.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    1984 ist heute

    Absurd dass sich menschen freiwillig abhängig machen von smartphones, antisozial medias etc. das leben läuft auch ohne den ganzen bockmist weiter ob mans glaubt oder nicht.. und verpassen tut man absolut nichts wichtiges!! man sehe nur schon die themen hier z,B. ;-) sowieso dass sind nur geräte und software um uns zu manipulieren mehr nicht und dies ist fakt. Selektives marketing und die staatliche propaganda maschinerie lassen grüssen.. villeicht einfach mal noam chomskys buch propaganda lesen und das hirn anstatt das phone einschalten.