Trächtig geschlachtet

07. November 2014 09:29; Akt: 07.11.2014 10:22 Print

Das Kalb erstickt langsam im Mutterleib

von Nicole Di Natale - Viele Kühe werden geschlachtet, obwohl sie trächtig sind. Laut Tierschutz ist der Tod des Kalbs schmerzvoll. Der Bund erlässt kein Gesetz, um dies zu verhindern.

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Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 15'000 Rinder auf die Schlachtbank geführt, die ein kleines Kälbchen im Bauch tragen. Das sind sechs Prozent aller geschlachteten Kühe, wie eine Studie des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV 2012 ergab. Während die Kuh nach dem Bolzenschuss des Schlachters ausblutet, stirbt das Kälbchen qualvoll im Bauch der Mutterkuh.

Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes, ist empört: «Das Kalb erstickt langsam im Mutterleib.»

Keine gesetzliche Regelung

Weiter kritisiert er den Transport der trächtigen Kühe zum Metzger. «Das ist einfach nur unmenschlich», sagt er. Gegenüber «Saldo» bemängelt Huber, dass es in der Schweiz keine gesetzliche Regelung gebe, ob und wie die Kühe während ihrer Schwangerschaft geschlachtet werden dürfen.

Beim Bundesamt für Veterinärwesen will man aber offenbar keine gesetzliche Regelung einführen. Gemäss Mediensprecherin Sabina Helfer sei das Schlachten von trächtigen Kühen zwar «ethisch-moralisch problematisch». Dennoch erwartet man, dass die Bauern das Problem von sich aus lösen. «Tierärzte und Tierhalter werden derzeit auf die Problematik sensibilisiert, damit keine hochträchtigen Tiere im Schlachthof landen.»

«Die Bauern wissen nicht, ob die Kuh trächtig ist»

Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist da schon einen Schritt weiter und hat einen Test entwickelt, mit dem anhand der Milch festgestellt werden kann, ob die Kuh ein Kälbchen im Bauch trägt. Der Test sei bereits im Einsatz, könne aber nur bei Kühen angewendet werden, die Milch geben.

Die Schlachtung trächtiger Kühe verurteilt der SBV. Gleichzeitig werden die Bauern auch in Schutz genommen. «Meist wissen die Bauern gar nicht, ob die Kuh trächtig ist», sagt Mediensprecherin Sandra Helfenstein. Bei der Mutterkuhhaltung laufe ein Stier in der Herde mit und decke Kühe und Rinder. «Da kann es passieren, dass der Bauer das nicht mitbekommt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kann die Pseudotierschützer nicht ab am 07.11.2014 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die selbe Laier

    Würden alle die aufschreien den Preis bezahlen, den ein Bauer braucht um Tiere artgerecht und anständig heran zu ziehen, dann hätten wir das Theater nicht. Man braucht ja kein Fachmann zu sein um zu erkennen was für Mist in vielen Regalen liegt. Also lieber weniger Fleisch dafür vom Bauer des Vertrauens, als die ungeniessbare Massenware, die dann auch noch aus der ganzen Welt herangekarrt wird. Dies übrigens nur damit Kunde-Knauserig sich für ein paar Franken ein angebliches Top-Fleischerzeugnis reinhauen kann. Bevor hier also alle wieder gegen Metzger und Bauern wettern... fangt bei euch an!

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  • Barbara Gerber am 07.11.2014 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm..

    Es kommt der Tag an dem die Natur uns alles heimzahlt. Unsere Nutztiere werden ausgebeutet und wie Ware behandelt. Schlimm.

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  • xino am 07.11.2014 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Perverse Welt

    Was ist schlimmer? Das Kalb im Mutterleib ersticken, oder von der Mutter getrennt aufwachsen zu lassen? Die Nutztierhaltung heute ist einfach nur noch abartig. Schuld daran sind wir Konsumenten. Trotz Wohlstand sind wir unethische Schnäppchenjäger geworden, welche den persönlichen Profit vor die Wertschätzung und das Tierwohl setzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bergpur am 09.11.2014 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage der Ethik 

    Auf unserem Biobetrieb betreiben wir seit bald 25 Jahren Mutterkuhhaltung.Der Zuchstier läuft mit der Herde. Mein Grundsatz: Muss eine Kuh geplant oder unvorhergesehen geschlachtet werden, so wird diese vorgängig vom Tierarzt auf Trächtigkeit untersucht. Meiner Meinung nach ist das ein muss.

  • Nici am 08.11.2014 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach überlegt doch mal....

    Ich bin weiss Gott auch gegen Tierquälerei. Aber hier ist man einfach beim falschen Thema. Kein Mensch hat je einen Kaiserschnitt mitbekommen, oder wenn er wegen der Nabelschnur bei der Geburt fast erstickt ist. Genau so wenig bekommt das Kalb mit, aber es klingt halt einfach sehr brutal... und das zieht halt in den Medien, schon gibts den erwünschten Zuspruch von allen die sich von Schlagzeilen mitreissen lassen.

  • pbbkk am 08.11.2014 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bund soll sich schämen

    Mann sollte gegen den Bund Anzeige wegen erlaubter Tierquälerei erstatten

  • KaScha am 08.11.2014 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Miss Delicious Nutritious

    Aha! Und dass die Fische in der Regel in Netzen gefangen werden und langsam ersticken ist egal, ja? Oder kaufen Sie nur mit der Rute gefangene Tiere? Und die Krustentiere? Ersticken auch oder werden lebend gekocht. Darum erschrecken mich Vegetarier immer wieder ( bin selbst keiner und mir dieser Missstände wohl bewusst)

  • Weiss Nix am 07.11.2014 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die armen Bauarbeiter

    In der CH möchte ich ein Tier sein, denen geht es besser als den Menschen. Die Bauarbeiter die jetzt bei Kälte Wind und Schnee draussen arbeiten müssen. Währen das Kühe währe das ein grober verstoss gegen das Tierschutzgesetz und würde die Staatsanwaltschaft beschäftigen.