Japans zerstörte Küste

14. März 2011 12:34; Akt: 14.03.2011 18:44 Print

Das Leiden auf dem Trümmerfeld

An der Ostküste Japans zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Die Opferzahl steigt stündlich, verzweifelte Eltern suchen ihre Kinder mit blossen Händen und Stöcken.

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Eine Gruppe Freiwillige startete eine Rettungsaktion und machte sich auf den Weg in die Geisterstadt Minami Soma. Sie hatten in einer Zeitung das Foto der Shelties entdeckt, die durch die Strassen der verlassenen Stadt in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima streunten. Die Hunde gehörten einer Züchterin, die seit der Katastrophe in einer Notunterkunft lebte. Die Tierliebhaber entdeckten schliesslich die Hunde an einer Bahnstation in der Nähe des Hauses der Züchterin. Die Retter lockten die Tiere an und verfrachten sie in Autos. Insgesamt 20 Hunde konnten so gerettet werden. Die Retter selbst waren dafür zu hohen Radiationswerten. Während manche Strahlenschutzanzüge trugen, hatten andere nur einfache Regenmäntel dabei. Drei Wochen nach der todbringenden Flutwelle hat die japanische Küstenwache einen Hund von einem im Meer treibenden Hausdach gerettet. Vermutlich hatte das Tier dort seit dem 11. März ausgeharrt und überlebt. Der Hund war von einem Helikopter aus mehrere Kilometer vor der Küste der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans entdeckt und in einem Rettungsboot an Land gebracht worden. Ein paar Tage später gibts ein Happy End: Die Besitzerin meldet sich wieder. Noch leben rund 400 000 Menschen in Notunterkünften. Jetzt werden Container für sie aufgestellt. Neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben die Rettungskräfte eine 80-jährige Frau... ... und ihren 16-jährigen Enkel lebend aus den Trümmern ihres Hauses in der Stadt Ishinomaki geborgen. Die beiden waren sehr geschwächt, der Junge litt zudem an Unterkühlung. Die japanische Austauschstudentin Akiko Kosaka dachte nach dem Tsunami ihre Familie verloren zu haben. Drei Tage später erhielt sie den Link zu einem YouTube-Video, auf dem ihr Haus als einziges unter einem Berg von Schutt zu sehen war. Aus einem der Fenster winkte eine Frau und hielt ein Schild in der Hand mit der Aufschrift: «Uns geht es allen gut.» Die Frau am Fenster war Akikos Schwester Shoko. Eine Mutter aus Oshima Island, in Kesennumaist, ist nach fünf Tagen wieder mit ihren Zwillingen vereint. Rikuzentakata, im Nordosten Japans: Yoshie Murakami weint, als sie die Leiche ihrer Mutter unter den Trümmern ihres Hauses sieht. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gingen weiter - trotz den schwierigen Wetterbedingungen. Die Chancen, in der Stadt Ishimaki noch Überlebende zu finden, waren vier Tage nach dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami vom Freitag erheblich gesunken. Doch wie durch ein Wunder haben Rettungskräfte eine 70-jährige Frau lebend aus den Trümmern ihres Hauses geborgen. Sie litt unter Unterkühlung und wurde in ein Spital gebracht, befand sich aber nicht in Lebensgefahr. Ganz in der Nähe wurde zudem ein Mann aus den Trümmern gerettet. Am wurde in der Präfektur Miyagi ein vier Monate altes Baby aus den Trümmern geborgen. Der Retter schlug daraufhin vor, das Kind Kibo – Hoffnung - zu nennen. Das Baby konnte nach der Bergung mit seinem Vater vereint werden, von der Mutter fehlt jedoch noch jede Spur. Ein Mitarbeiter des japanischen Rettungsteams sucht in den Trümmern der Stadt Saito im Nordosten Japans nach Überlebenden. Auf Hilfe warten sie auch in Rikuzentakata in der Präfektur Iwate. Neben dem Notruf SOS ist auf Japanisch das Wort «Essen» geschrieben. In einem Gymnasium in Kawamata sind Menschen untergebracht, die wegen der Atom-Unfälle evakuiert wurden. Tod... ...Verwüstung... ...und ein Überlebender in der zerstörten Stadt Saito. Der Kindergarten in Natori (Präfektur Miyagi) wurde völlig verwüstet. Rettungsteams suchen in den zerstörten Küstenregionen nach Überlebenden und bergen Leichen. Hier in Saito... ...Rikuzentakata... ...Otsuchi (Iwate)... ...Miyako... ...oder Natori, (Miyagi). Ein Überlebender prüft die Listen mit Namen von Überlebenden, die in einer Notunterkunft angeschlagen wurden. In Sendai koordiniert die Armee die Suchtrupps. Bewohner in Hitachi in der Prefäktur Ibaraki stehen Schlange für einen Kanister Benzin. US-Marine-Soldaten in Okinawa stellen eine Kiste mit Esswaren, Wasser, medizinischer Versorgung und Kommunikationsmaterial für den Abflug ins Krisengebiet bereit. Otsuchi (Iwate). Bewohner tragen ihr Hab und Gut aus der Stadt Natori (Miyagi). Retter in einem zerstörten Spital in Minamisanriku. Soldaten und Feuerwehrleute in Matsushima (Miyagi). Eine Frau sucht in Soma (Fukushima) nach ihrer vermissten Familie. Ein vier Monate altes Baby nach der Rettung in Ishimaki (Miyagi). Über die notfallmässig bereit gestellten Telefone versuchen Angehörige in Natori mit ihren Verwandten in Kontakt zu treten... ...und laden die Akkus ihrer Telefongeräte.

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Das Erdbeben der Stärke 9 und der darauf folgende Tsunami haben in Japan Tod und Verwüstung hinterlassen. Auf einem rund 500 Kilometer langen Streifen wurde die Japanische Ostküste am Freitag überschwemmt. Die bis zu 10 Meter hohen Wellen reichten bis mehrere Kilometer ins Landesinnere und rissen ganze Städte mit. Die Behörden befürchten über zehntausend Todesopfer. Andere Beobachter gehen von mehreren zehntausend Opfern aus. Am Montagmorgen wurden in Miyagi noch vor dem neuen Beben 2000 weitere Leichen entdeckt. Sie seien an der Küste gefunden worden, teilte die Nachrichtenagentur Kyodo mit. Damit hat sich die Zahl der Toten mehr als verdoppelt. Inzwischen sind es 5000.

Immer noch aber werden Tausende vermisst. «Unser Haus gibt es nicht mehr», sagte eine Frau dem TV-Sender NHK. «Meine Tochter wüsste gar nicht, wohin sie gehen sollte.» Sie sucht wie Etsuko Oyama verzweifelt nach ihrem Kind. «Als der Tsunami uns traf, habe ich versucht, mich irgendwo festzuhalten», sagte Oyama dem japanischen TV-Sender. «In der anderen Hand hatte ich meine Tochter. Aber meine Kraft liess nach. Der Sog von Schutt und Wasser war zu stark.» In Evakuierungszentren haben die Behörden Satellitentelefone bereitgestellt. Der TV-Sender NHK zeigt Frauen, die darüber versuchen, Kontakt zu vermissten Angehörigen und Verwandten herzustellen. Immer wieder brechen sie nach dem Telefonat enttäuscht in Tränen aus.

Das Leid einer Mutter, die ihre Tochter seit der Katastrophe vermisst:
(Quelle: AP Video)


2250 Menschen haben keine Fluchtmöglichkeit

Der Wettlauf gegen die Zeit läuft nur langsam an. Helfer suchen derzeit mit blossen Händen und Stöcken in den Trümmern nach Überlebenden, wenn sie denn bis ins Krisengebiet vorstossen können. Viele Strassen sind völlig zerstört und zugeschüttet von Schlamm, Autos und Häusern – oder was davon übriggeblieben ist. In Futabamachi stecken 2250 Personen fest. Die Strassen sind zerstört, Fluchtmöglichkeiten haben sie nicht, schreibt der Daily Yomiuri. So geht es Tausenden an der zerstörten Ostküste. In der Stadt Iwaki gab die Polizei Decken und Reisbälle an die notleidende Bevölkerung ab.

Viele Gebiete sind nur über die Luft erreichbar, die Infrastruktur ist massiv beschädigt. Die Zentrale der Schweizer Suchhundestaffel konnte am Montagmorgen zu ihren 15 Rettern, die mit neun Suchhunden im Krisengebiet unterwegs sind, keinen Kontakt aufnehmen, sagte ein Sprecher zu 20 Minuten Online. Die deutsche Stiftung I.S.A.R hat ihr Vorausteam wieder zurückbeordert. «Wir wissen nicht, was in den nächsten Tagen passiert mit den Atomkraftwerken. Da hat die Einsatzleitung entschieden, dass Sicherheit vorgeht», sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Die Regierung hat inzwischen die Zahl der Soldaten für den Rettungseinsatz von 50 000 auf 100 000 verdoppelt. Mehr als 68 Such- und Rettungsteams aus 45 Ländern hatten Japan nach dem Beben ihre Unterstützung angeboten.

Bilder einer verwüsteten Stadt in der hart getroffenen Präfektur Iwate am Montag, 14.3.2011:
(Quelle: AP Video)


Über eine halbe Million obdachlos

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, wurden durch die Naturkatastrophen etwa 530 000 Menschen obdachlos. Weitere 80 000 mussten ihre Wohnungen verlassen, als die Behörden die Sicherheitszone um die havarierten Kernkraftwerke in der Präfektur Fukushima auf 20 Kilometer ausdehnten.

Allein in der Präfektur Miyagi warten über 20 000 Einwohner auf Hilfe, 1.4 Millionen Haushalte sind ohne Wasser, 2.5 Millionen ohne Strom. In vielen Orten werden zudem auch Benzin und Lebensmittel knapp. Nach Angaben des für Energie zuständigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Igor Seschin prüft der staatliche russische Energiekonzern Gazprom die Möglichkeit, zwei Tanker mit einer Kapazität für jeweils 100 000 Tonnen Flüssiggas nach Japan zu schicken.

Die japanische Erdbebenbehörde warnt vor weiteren Beben. Bis am Mittwoch soll mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Beben von mindestens der Stärke 7 Japan erschüttern, teilt sie auf ihrer Website mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis Samstag ein ähnlich starkes Beben eintritt, liegt bei 50 Prozent.

Die Zerstörung ist schon jetzt enorm. Die Küstenstadt Minamisanriku zählte vor dem Tsunami 19 000 Einwohner. Die Hälfte konnte sich in Zufluchtsorten in Sicherheit bringen. Von den anderen fehlt noch jede Spur. «Die Süddeutsche Zeitung» schreibt über den Ort: «Minamisanriku gibt es nicht mehr.»

(meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina Schönenberger am 14.03.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Petition gegen AKWs bitte ausfüllen - Danke

    Der einzige Ausweg heisst Atomausstieg! Bitte füllt die Petition (Bittschrift) aus. Es können sich alle eintragen, egal ob jung alt Schweizer od. Ausländer. Danke - für eine lebenswerte Zukunft.

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  • Beat Brüschwiler am 14.03.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wechsel zu Alternativenergien ist möglich !

    Traurig, was da abgeht ... Und trotzdem wollen unsere bürgerlichen Politiker neue AKW's. Wie kann man nach Tschernobyl und Japan noch zur Atomenergie stehen?? Wir haben bereits Alternativen dazu - ein Wechsel zu Alternativenergien würde tausende von neuen Arbeitsplätzen schaffen. Arbeitsplätze = Steuereinnahmen Die einzigen Parteien die für den Wechsel stehen sind Grüne Partei & SP ! Für mich sind die Hintlerwäldler der SVP, FDP & CVP gestorben.

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  • MH am 14.03.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen suchen nicht warten bis ausgeht.

    Der Mensch fängt erst an Umzudenken wenns kein Öl mehr gibt. Er isst auch kein Fisch mehr aber erst wenn es ihn nicht mehr gibt. Vorher mal Denken ist nicht möglich weil man sich dann anstrengen müsste und alternative Lösungen suchen müsste aber stattdessen sagt man immer ach nein machen wirs doch so wie bis anhin hat ja auch bis jetzt geklappt ... wie lange noch? Und wenn wir so weiterarbeiten richten wir unseren Planeten hin... Und die Argumente welche ich hier höre von wegen Einbussen und teurerem Strom. Was macht ihr wenns kein Öl/Uran usw mehr gibt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monique am 15.03.2011 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mangelde Informationen

    Leider werden wir nur so gut wie kaum informiert über den aktuellen Zustand in Japan, daher so manche Kommentare. Was ich im Internet gelesen habe (unzensuriert) ist erschkreckend, was bald auch auf uns kommt. Der nächste Erdbeben in Japan ist binnen Tagen zu erwarten. Wir sehen ja, dass Naturkatastrophen und AKWs den Supergau bedeuten. Aber skrupellose Profiteure versuchen uns zu beruhigen.

  • Tinu am 14.03.2011 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Besser?

    Ist der Strahlentod und die Produktion von Abfall, der zehntausende(!) Jahre Probleme bereitet als Alternative denn denn besser als ein paar Rappen mehr für umweltfreundlichen Strom auszugeben, Laredo?

    • Laredo am 17.03.2011 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      Falsches Spiel mit der Angst

      Wenn es nur ein paar Rappen wären, ist nichts dagegen einzuwenden. Und was soll das Spiel mit der Angst? Ich habe damals weder dem Bau solcher Kraftwerke zugestimmt, noch befürworte ich sie heute, aber wir haben sie u können nicht einfach so tun, als würde man mit der Abschaltung die Gefahr bannen. Rund die Hälfte des CH-Bedarf wird aus AKW's gedeckt, die Kompensation müsste teuer eingekauft werden, womöglich aus ausl. AKW's, wo uns weiterhin die Gefährlichkeit bedrohen würde, da Radioaktivität keine Grenzen kennt, ganz zu schweigen von unserem eigenem A-Müll!

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  • Laredo am 14.03.2011 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Gerede und?

    Der Spruch nach Alternativen regt mich langsam auf! Sicher, bin auch kein Fan von AKW's, aber leider sind diese Dinger die einzigen Energieträger, welche unseren steigenden Bedarf decken kann, alles andere ist Augenwischerei und polit. Kalkül. Wäre schön, gäbe es sinnvolle wie umweltschonende Alternativen - gibt es aber nicht, nicht zu dem Preis, der dafür zu zahlen ist, leider.

    • A.Huxley am 15.03.2011 06:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Laredo

      Dann können sie aber auch genau gleich bei Direktzahlungen an schweizer Bauern argumentieren. Uran ist nämlich ein Rohstoff, den die Schweiz nicht hat. Wir machen uns unnötig abhängig, wo wir doch die Möglichkeit haben jeder für sich Strom zu produzieren.

    • der hamburger am 15.03.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      bei sich selbst anfangen

      schon mal überlegt was man selber tun kann um dem steigenden energiebedaerf entgegenzuwirken ? geräte ausschalten statt standby, licht aus in zimmern die man nicht benötigt. alles kleine dinge, die helfen würden

    • Laredo am 15.03.2011 22:14 Report Diesen Beitrag melden

      Klasse, weiter so und dann?

      Natürlich! Tun wir schon seit Jahren, lange bevor es diesen Ökokurs gab! Wir sind glücklich über die hochgiftigen, umweltschädigende teure Sparlampen, weil sie helfen zu sparen, dass wir teuren Ökostrom aus der Steckdose grün leuchten sehen können u erfreuen uns im Urlaub an der Küste über die schönen Windräder, weil man die dreckige Nordsee nicht mehr sehen muss u fühlen uns sicher in einer AKWfreien CH, denn andere AKW liegen ja ennet der Grenze u können der CH ja nicht gefährlich werden. Oh man...., ich wünschte, es wäre anders, aber leider....

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  • Schweizer-Meinung am 14.03.2011 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbares Japan - Schicksal

    Wir Schweizer sind in Gedanken bei Euch, und wünschen für die bevorstehenden kommenden schweren Jahren viel Lebenswille und Überlebenskampf. Die Schweiz wird so gut es geht, euch beistehen und Japan nicht vergessen.

  • Tina Schönenberger am 14.03.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Petition gegen AKWs bitte ausfüllen - Danke

    Der einzige Ausweg heisst Atomausstieg! Bitte füllt die Petition (Bittschrift) aus. Es können sich alle eintragen, egal ob jung alt Schweizer od. Ausländer. Danke - für eine lebenswerte Zukunft.

    • mike zh am 15.03.2011 07:33 Report Diesen Beitrag melden

      ..

      Der einzige Ausweg heisst die Sicherheitsmassnahmen und Einrichtungen weiter zu verbessern um solche Vorfälle in Zukunft besser eindämmen zu können

    • der hamburger am 15.03.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      klingt super

      radioaktivität eindämmen - lustiger gedanke.

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