Suchtgefahr für Kinder

01. November 2013 01:35; Akt: 03.11.2013 15:07 Print

Das Tablet entwickelt sich zum «Babysitter»

Kinder verbringen immer mehr Zeit mit Tablets – bereits im Alter von weniger als zwei Jahren. Experten warnen davor, solche Geräte als «Babysitter» einzusetzen.

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Die Bedienung von Tablets ist kinderleicht – und sie werden schon von den Kleinsten genutzt. Eine diese Woche veröffentlichte repräsentative US-Studie hat ergeben, dass bereits drei Viertel der Kinder im Alter von bis zu acht Jahren Zugang zu Tablets oder anderen mobilen Geräten haben – vor zwei Jahren waren es erst die Hälfte. Der Anteil der unter Zweijährigen, die Tablets nutzen, liegt in den USA mittlerweile bei 38 Prozent – 2011 waren es erst 10 Prozent. US-Forscher berichten bereits von Kindern, die ohne Tablets körperliche Entzugserscheinungen entwickeln. Zudem kann die Nutzung der Geräte zu Haltungsschäden führen.

Corine Kibora, Sprecherin von Sucht Schweiz, beobachtet eine ähnliche Entwicklung wie in den USA auch in der Schweiz. «Das Tablet und das Smartphone sind einfache Mittel, um Kinder zu beschäftigen», sagte sie gegenüber «Le Matin». «Es handelt sich um einen Babysitter, der gratis und rund um die Uhr verfügbar ist.» Auch die Spielzeugbranche springt auf den Trend auf: So verkauft Toys'R'Us in den Schweizer Läden seit dem 31. Oktober das Samsung Galaxy für Kids – ein Tablet, das speziell für Kinder konzipiert ist und es unter anderem ermöglicht, die Nutzungsdauer zu beschränken.

Gregor Waller vom Departement Angewandte Psychologie an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften befasst sich mit der Mediennutzung durch Kinder und Jugendliche. Er würde seinem Sohn kein Kinder-Tablet kaufen: «Für viele Kinder würde es schnell den Reiz verlieren, spannender ist für sie das Gerät, das die Eltern benützen.»

Kinder beim Spiel mit Tablet beaufsichtigen

Tablets ganz von Kindern fernzuhalten, würde Waller nicht empfehlen. «Kleinkinder ab und zu altersgerechte Apps wie zum Beispiel das Memoryspiel auf einem Tablet spielen, solange man sie dabei begleitet.» Zudem empfiehlt er, die Verbindung zum Internet zu kappen, während das Kind daran spielt: «Zum einen lässt sich dadurch verhindern, dass es per Zufall auf einer nicht kindgerechten Website landet, zum anderen ist es dann nicht der Strahlung ausgesetzt.» Natürlich müssten Eltern darauf achten, dass die Tablet-Nutzung nicht überhand nehme: «Denn in erster Linie brauchen Kinder Bewegung und frische Luft.»

Wenn das Tablet das Kind zu sehr fessle, sei es sinnvoll, das Gerät für eine Weile wegzusperren. Auch Corine Kibora von Sucht Schweiz sagt: «Eltern sollten sich dafür interessieren, was ihr Kind sich auf dem Tablet ansieht. Und es darf die Kinder nicht von anderen Aktivitiäten abhalten.» Laut Oskar Jenni, Arzt am Kinderspital Zürich, kann der Umgang mit dem Tablet die Augen-Hand-Koordination bei Kindern fördern. Dies lasse sich aber auch mit einfacheren Mitteln erreichen (siehe Interview).

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MCS am 01.11.2013 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig!

    Mein Bub ist jetzt 8 Jahre. Bei uns gibt es keine Videospiele (Wii, Nintendo) etc.. Und auch kein Tablet. Er hat kein Problem damit! Er genießt es draußen mit seinen Freunden zu spielen, Fahrrad fahren, Trottinettlen etc.! Es geht auch ohne!!!

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  • nr am 01.11.2013 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne Ipad

    Hab zwei kinder 6j und 2.5j und kein Ipad das braucht keiner...

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  • Patrik Neff am 01.11.2013 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht jetzt

    Meine Kleine ist jetzt knapp zwei Jahre alt. Sie hat bis heute noch nie ein Tablet in der Hand gehabt. Das einzige Telefon dass sie benutzt ist ein Kindertelefon das spricht und Musik abspielt. Wenn ich nach Hause komme spiele ich mit meiner Maus, wir bauen Legohäuser, schauen Bilderbücher an oder gehen nach draussen. Es würde mir nie in den Sinn kommen, ihr jetzt schon ein Tablet anzutun. Damit kann ich gut und gerne noch 1-2 Jahre warten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni am 02.11.2013 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Wunschliste v. Gotti+Götti verbieten

    Wenn schon sollen Eltern diesen Mist selber kaufen - die heutigen Wunschdenken gehen einfach zu weit. Schlussendlich wächst das Geld auch nicht mehr auf den Bäumen. Die Finanz- und Wirtschafts-Krise lassen grüssen.

  • Andre Lindemann am 01.11.2013 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Integration von neuen Technologien

    Unser Kleiner fand mit 9 Monaten die Apps in seinem Ordner und konnte den Ipad bereits bedienen. Er lernte Tiernamen, Geräusche, Farben und nun auch Zahlen mit dem Ipad. Da er viersprachig aufwächst, finden wir das Gerät eine grosse Hilfte... Aber jedem das Seine, es gibt sicher auch andere Methoden!

  • S. P. am 01.11.2013 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Gegenständen spielen lassen

    Wir ziehen es vor, unsere Kids wirklich spielen zu lassen, damit sie ihre Umwelt in allen Dimensionen mit all ihren Sinnen ertasten, erfahren und schliesslich begreifen können. Auf das virtuelle Glatteis können sie sich mit gesunden kognitiven Fähigkeiten später einmal immer noch begeben.

  • M.B. am 01.11.2013 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schon die Kleinen abhängig machen?

    Zuerst mit all dem strahlenden Kram das grosse Geschäft machen und mögliche Langzeitfolgen (u.U. Augen-, Haltungsschäden, Verhaltensstörungen etc.) ausblenden oder verharmlosen. Das Aufarbeiten und mögliche Haftungsforderungen werden wie gewohnt auf die Zeitachse geschoben und Kostenfolgen der Allgemeinheit überlassen.

  • typisch am 01.11.2013 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    egoistische Eltern

    Passt zur heutigen Zeit. Kinder kriegen, um finanziell abgesichert zu sein (Kindergeld, Alimente, generelles Druckmittel gegen den Vater) und/oder sich eine Lebensaufgabe zu schaffen (Projekt Kind), aber sich dann nicht um diese kümmern wollen, weil sie einen dummerweise daran hindern, sich selbst zu verwirklichen. Egoismus pur!