Sprachpolizei

09. Juni 2016 09:38; Akt: 09.06.2016 09:38 Print

Das Wort «invalid» soll auf die schwarze Liste

Der Begriff «invalid» sei diskriminierend, sagt eine Politikerin. Sie fordert, dass der Bund in seinen Publikation auf das Wort verzichtet – und die Invalidenversicherung umtauft.

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«Kaum jemand bezeichnet heute noch Menschen mit Behinderung spontan mit diskriminierenden oder verfälschten Ausdrücken wie ‹Mongoloide› oder ‹Krüppel›», sagt EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller. Dagegen sei das Wort «invalid» nach wie vor salonfähig, obwohl dieses ebenfalls diskriminierend und nicht mehr zeitgemäss sei.

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Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeute «invalid» «ohne Wert» oder «unvermögend», abgeleitet aus dem negierten Wortstamm «valere» («stark», «gesund», «wert sein», «gelten»), schreibt die Politikerin in einem Vorstoss. Sie verlangt, dass der Bundesrat die gesetzlichen Grundlagen schafft, um den Begriff in amtlichen Publikationen zu ersetzen. Unterzeichnet haben die Motion Parlamentarier von links bis rechts.

VMB statt IV?

Bei kommenden IV-Revisionen müsse der Ausdruck «Invalidität» sukzessive verschwinden, sagt Streiff-Feller. Dies sei auch ein Anliegen der Betroffenen. «Wenn man Integration vor Rente postuliert, sollten Menschen mit Behinderung auch als wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft bezeichnet werden.» Bereits weiter seien hier die Kantone, die in ihren Behindertenkonzepten die Terminologie «Menschen mit Behinderung» verwendeten.

Einen neuen Namen bräuchte auch die 1960 eingeführte Invalidenversicherung (IV). Für Streiff-Feller kein Problem. Ihr Vorschlag: Die IV könnte zum Beispiel VMB heissen – Versicherung für Menschen mit Beeinträchtigung.

«Nicht besser als ‹Krüppel›»

Behindertenorganisationen begrüssen den Vorstoss. Der Dachverband Agile.ch hat kürzlich einen Leitfaden für politisch korrekte Sprache herausgegeben. «Nur weil ein Ausdruck gängig ist, heisst dies nicht, dass er auch korrekt ist. Sprache ist verräterisch», sagt Zentralsekretärin Suzanne Auer. Könne jemand Latein, schwinge immer die negative Bedeutung mit.

Auer fordert einen sensibleren Umgang nicht nur in der Bundesverwaltung, sondern auch im Alltag: «Das Wort ‹Invalider› ist nicht besser als ‹Krüppel›.» Auch Wendungen wie «an den Rollstuhl gefesselt sein» oder in der Jugendsprache gängige Ausdrücke wie «Spasti» oder «Möngi» seien höchst verletzend.

«Wir haben weiss Gott andere Probleme!»

Nicht für den Vorstoss erwärmen kann sich SVP-Nationalrat Mauro Tuena: «Wir haben weiss Gott andere Probleme in diesem Land.» Wörtlich übersetzt möge der Begriff zwar diese negative Bedeutung tragen – allerdings sei diese längst vergessen.

«Letztlich zählt, ob ein Begriff diskriminierend gemeint ist. Und wenn man die Leute auf der Strasse fragen würde: Niemand verwendet das Wort in abschätziger Art und Weise.» Dafür ein Gesetz zu machen, sei «etwas weit hergeholt», so der Zürcher.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Olaf Rustle am 09.06.2016 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Diese ganze Gefühlspolitik muss endlich aufhören. Es ist nicht die Aufgabe des Staates zu schauen, dass jedes Mimösli nicht in seinen Gefühlen verletzt wird. Mit jeder solchen Regelung, wird eine Kluft geschaffen zwischen den "potentiell diskriminierten" und den normalen Menschen. Das ist nicht förderlich. Anstatt sollte man Kurse anbieten "Wie kann ich aufhören wegen allem immer beleidigt zu sein"

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  • Wladimir Putin am 09.06.2016 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Haben duese Politiker echt nichts besseres zu tun ?

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  • AB62 am 09.06.2016 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Invalidität

    Man kann es auch übertreiben. Was an diesem Wort aus zu setzen ist, verstehe ich immernoch nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • basrouge am 09.06.2016 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann wird die Sprache ganz verboten?

    Haben wir wirklich keine Probleme????? Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, welche Wörter ich verwende.

  • xTuri am 09.06.2016 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Hab ich eine seltsame Wahrnehmung? "Behindert" ist für mich eher ein abschätzigerer und beleidigenderer Begriff als "invalide".

  • XD am 09.06.2016 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig unnötig...

    Und am zum Schluss darf man einen Vegetarier nicht mehr Vegetarier nennen, sondern "Person mit Gemüse orientierter Lebensweise" :). Das geht doch alles viel zu weit...

  • Bettina am 09.06.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unser Sprachraum

    Wieso kommt niemand mit dem Duden? Invalid = durch Unfall dienst- , arbeitsunfähig, das sind Fakten für die Schweiz, weder Latein noch Englisch sind für uns maßgebend, Multikulti hin oder her.

  • K. A. M. am 09.06.2016 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relation

    Unnötig, da das Wort "Invalid" zu 99% als Menschen mit Behinderung, Beeinträchtigung weltweit interpretiert wird und nicht als Wertlos. Falls dies für die Betroffenen dermassen unerträglich ist und ihnen diese Bezeichnung psychische Schmerzen verursacht ist, sollte es geändert werden.