Christian Kast

28. Juli 2015 18:36; Akt: 30.07.2015 15:42 Print

Das erwartet seine Kinder auf den Philippinen

von Qendresa Llugiqi - Christian Kast half seiner Frau, mit den Kindern auf die Philippinen zu fliehen. Was sie dort erwartet, haben Philippinen-Kenner 20 Minuten verraten.

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«Jedes einzelne Familienmitglied kümmert sich auf den Philippinen um die Erziehung der Kinder», sagt Ruth Kellenberger, Vizepräsidentin vom Hilfswerk Island Kids Philippines. «Der Familienzusammenhalt ist sehr stark.» Dadurch hoffe sie, dass die Töchter von Christian Kast dort behütet aufwachsen könnten.

Der im aargauischen Sisseln wohnhafte 46-Jährige hat am Samstag seine Töchter nicht mehr ins Heim zurückgebracht. Im Interview mit 20 Minuten gab Kast am Montag an, dass diese mit seiner Frau auf den Philippinen seien.

Auch Kast ist überzeugt:«Die Familie meiner Frau wird sich fürsorglich um die Kinder kümmern. Ich muss mir keine Sorgen machen.»

«Kinder sind heilig»

Anny Hefti-Misa, Mitglied des europäischen Netzwerks für Philippinerinnen im Ausland und Vorstand des philippinischen Vereins Samahang Pilipina in Bern, weiss, welche Position Kinder in der philippinischen Gesellschaft geniessen. «Kinder sind dort heilig – deren Wohlbefinden steht über allem, sagt die Psychologin, die selbst Philippinerin ist. Und: Die Verwandtschaft halte zusammen – egal in welcher Situation.

Auch sieht sie die Vorteile, die ein Schweizer Lohn bringen kann: «Die Familie kann allgemein besser leben und die Kinder können beispielsweise in guten Schulen untergebracht werden.» Mit genügend Mitteln lasse es sich auf den Philippinen gut leben. Ohne die Unterstützung des Vaters könne es für die Familie aber heikel werden, sagt Hefti-Misa.

Drogen, Kriminalität & Prostitution

Bedenken hat auch Pater Antonio Enerio, der selber Philippiner ist: «Zwar wird es ihnen wahrscheinlich finanziell gut gehen, da der Vater Geld schickt.» Die Situation sei trotzdem schwierig: «Wenn ein Elternteil nicht da ist, wird den Kindern immer etwas fehlen.» Die Chance, abzurutschen, sei auf den Philippinen hoch: «Sie lassen sich mit den falschen Freunden ein, greifen eher zu Drogen oder versinken in Kriminalität und Prostitution», sagt Enerio.

Der Mutter Zeit lassen

Pater Enerio und Hefti-Misa betonen deshalb die Wichtigkeit einer stabilen Beziehung zwischen Vater und Mutter. Dabei gehe es aber nicht nur um die finanzielle Seite. Hefti-Misa sagt: «Die Kinder sollten sehen, dass der Vater trotzdem für sie da ist, auch wenn er nicht physisch präsent ist.» So könne der Zusammenhalt in der Familie beibehalten werden.

Und: Der Umzug tue nicht nur den Kindern gut, sondern auch der Mutter. «Im Kreise ihrer Familie kann sie sich beruhigen und klarer über ihre Situation nachdenken», sagt Hefti-Misa. «Es ist wichtig, ihr Zeit zu geben.» Dadurch sei es möglich, dass sie wieder aus eigenem Willen zurückreist – mit den Kindern.