Riskanter Drogenschmuggel

23. August 2011 08:50; Akt: 23.08.2011 09:38 Print

Das grosse Geschäft auf dem Schlucker-WC

von J. Wedl, SDA - Die Polizei zieht am Flughafen Zürich immer mehr so genannte Bodypacker aus dem Verkehr. Die Kuriere schmuggeln Drogen in ihrem Körper. Für wenige tausend Franken riskieren sie ihr Leben.

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Am hat die australische Polizei in Sydney zwei Männer verhaftet, die beschuldigt werden, in einer Ladung Tiefkühlfisch Heroin und Meth im Wert von 63 Millionen Franken geschmuggelt zu haben. Am hat die spanische Polizei einen 29-jährigen Kolumbianer an einem Busbahnhof im Ferienort Benidorm an der Costa Brava festgenommen. Der Mann war den Beamten aufgrund seines Proviantbeutels aufgefallen. Tatsächlich fand sich darin ein überbackenes Käse-Schinken-Sandwich, das ausserdem mit über 100 Gramm Kokain «gewürzt» war. Am nahm die kolumbianische Polizei eine kanadische Schmugglerin am Flughafen Bogota fest. In ihrem falschen Babybauch versteckte sie 2 Kilogramm Kokain. Ein Transvestit hat am Flughafen von Viracopos in einer Gefäss-Prothese 1,7 Kilogramm Kokain schmuggeln wollen. Doe der schön runde Po fiel den Zöllnern auf, der Drogenkurier wurde gefasst. Priscilla Pena und Michelle Blassingale aus der Bronx wurden am bei der Einreise am New Yorker Flughafen verhaftet. Sie trugen sechs Kilo Kokain auf sich, verpackt in Alufolien und als Windel am Körper gebunden. Die Drogenhunde schlugen jedoch Alarm. Am Flughafen Zürich haben am Zöllner einen Schmuggel mit 3,9 Kilogramm Heroin aufgedeckt. Ein Reisender hatte mit Heroin gefüllte Pakete in Manschetten versteckt und diese um seine Unterschenkel gebunden. Der Mann war mit dem Flugzeug von Dubai in die Schweiz gereist. An versuchten ganz Schlaue, Marihuana und Kokain in Weihnachtskarten zu verschicken. Am Zoll in Dubai wurden sie abgefangen. 2 Kilo Kokain versteckte ein Italiener unter einem zweiten Boden seines Koffers. versuchte ein 37-jähriger Rumäne am Flughafen Zürich 5 Kilo Kokain in der Seitenwand dieses Koffers zu schmuggeln. Eine schlechte Idee, wie sich herausstellte. Der am Flughafen Zürich sichergestellte Holzvorhang sieht unspektakulär aus, hat es aber in sich. Die einzelnen Stäbchen waren randvoll mit illegalem Pulver. Eine 33-jährige Holländerin und ein 29-jähriger Mann aus Sierra Leone sind am bei der Einreise in die Schweiz in Thayngen SH mit rund einem Kilo Kokain erwischt worden. Die Frau hatte einen Teil des Rauschgifts in den Jackentaschen ihrer zwei- und siebenjährigen Söhne versteckt. Grenzwächter in Genf erwischten am vier Drogenkuriere. Einer der Schmuggler hatte dabei allein 1,7 Kilogramm der Droge in 123 Fingerlingen geschluckt. Am wurden an Bord eines Fluges der Edelweiss Air von Punta Cana (Dominikanische Republik) Richtung Zürich 32 Kilogramm Kokain entdeckt - in Tetrapackungen. stellte die mexikanische Marine etwa eine Tonne Kokain sicher, das portionenweise in gefrorenen Haifischen versteckt war. Am ist eine Amerikanerin mit einem Kilogramm Kokain in der Perücke bei der Einreise in Australien erwischt worden. Der Stoff war in die Locken genäht. (Bild: Australian Customs Service) wurden in New York neun Personen festgenommen: Sie versuchten, vier Kilogramm Kokain aus Puerto Rico in die USA zu schmuggeln. Versteckt war der Stoff in Legoboxen. Die italienische Polizei entdeckte am einen Bunker der Mafiaorganisation N'Drangheta: Hier sollen Tonnen von Kokain versteckt worden sein, die aus den USA, Mexiko und Guatemala geschmuggelt wurden. Sieben Tonnen Kokain waren in diesem U-Boot versteckt. Am wurde es auf der Route zwischen Guatemala und San Diego von der US-Marine beschlagnahmt. Hinter den Tausenden von Maiskolben, die im Bild am Boden liegen, transportierte dieser Lastwagen eine Ladung von 1000 Kilo Kokain durch Guatemala. In diesen Dosen wurden keine Lebensmittel nach Australien importiert, sondern 4,4 Tonnen Ecstasy-Pillen. In diesen Plastikherzen wurde im versucht, 30 Kilogramm Kokain von Südamerika nach Frankfurt zu schmuggeln. Die Droge wurde in einem langwierigen Prozess in Plastik aufgelöst und vermischt. In dieser Ladung Computermonitore aus Kanada fand die australische Polizei im 120 000 Ecstasy-Pillen. Immer wieder kommt es vor, dass US-Zöllner Tunnels zum Drogenschmuggel an der mexikanischen Grenze finden. Diesen Beutel mit Heroin fand die texanische Polizei im im Öltank eines Autos, das für einen Pizza-Service im Einsatz war. Diese Säckchen mit Ballonen enthielten Heroin. Sie wurden von Drogenfahndern im US-Bundesstaat South Carolina im August 2006 beschlagnahmt. nahm die Polizei von Fort Lauderdale ein 15-jähriges Mädchen fest, das aus Haiti 2,7 Kilogramm Kokain in den Absätzen seiner Schuhe zu schmuggeln versuchte.

Ungewöhnliche Drogenverstecke.

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Der Drogenschmuggel nimmt zu. Allein in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres gingen am Flughafen Zürich 24 Bodypacker ins Netz. Das sind fast so viele, wie 2010 während 12 Monaten verhaftet wurden (26). Vor zwei Jahren wurden nur 9 Kuriere festgenommen, 2008 waren es 18. «Wir gehen weiterhin von einer Zunahme aus», sagt der Chef Flughafenpolizei- Spezialabteilung der Kantonspolizei Zürich, Stefan Aepli, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Die Bodypacker schmuggeln meistens Kokain und transportieren das Rauschgift in Fingerlingen verpackt in ihrem Körper. Die Mehrheit der Kuriere schlucke die Droge. «Es gibt auch Einzelne, welche die Fingerlinge anal oder vaginal einführen.»

Ein Fingerling ist gemäss Aepli durchschnittlich mit 12 Gramm gefüllt. Bodypacker transportieren insgesamt meist «nur» rund ein Kilo Kokain. Deshalb erhöhe sich die beschlagnahmte Drogen-Menge trotz vermehrter Festnahmen nicht zwingend.

Die Kuriere stopfen aber schon mal ihren Magen mit den Fingerlingen voll: Aepli erzählt von einem Nigerianer, der dieses Jahr mit 94 Fingerlingen reiste. Darin befanden sich insgesamt etwa 1,7 Kilo Kokain. Am meisten schluckte ein Mann vor sechs Jahren: 140 kleine Pakete waren in seinem Körper.

Missionar «vergisst» die Bibel

Oft landen die Bodypacker in Flugzeugen aus Südamerika, wo viel Kokain angebaut wird. Den «typischen» Kurier gebe es nicht, sagt der 37-jährige Aepli. Die Kuriere seien aber mehrheitlich männlich, zwischen 25 und 50 Jahren alt und verhielten sich auffällig oder nervös.

Hinweise auf einen möglichen Schmuggler liefern polizeiinterne Quellen. «Wir arbeiten auch sehr eng mit dem Zoll zusammen.» Viele Polizisten verfügten über eine «Fahndernase» und stellen den Reisenden spezifische Fragen. Diesen Mai entpuppte sich etwa ein angeblicher Baptisten-Missionar als Kurier: Der Geistliche hatte seine Bibel «vergessen» und musste mit auf den Polizeiposten.

Dort führen die Beamten zuerst einen Urintest durch. Ist dieser positiv, beantragt die Polizei bei der Staatsanwaltschaft einen Untersuchungsbefehl. Dann erstellt ein Arzt ein Röntgenbild. Sind darauf Fingerlinge erkennbar, kommt der Kurier in eine Spezialzelle ohne Toilette.

Um ihr Geschäft zu verrichten, müssen die Schmuggler auf das spezielle «Schlucker-WC». Von diesem führt ein Rohr in eine Box, die in einem zweiten Raum steht. Fahnder waschen die ausgeschiedenen Fingerlinge dort aus und beschlagnahmen sie. In den 1980er Jahren landeten die Drogen in einem einfachen Salatsieb, wie ein Polizist ausführt.

Maximal 5000 Franken für lebensgefährlichen Transport

Die Nacht verbringen die Drogenkuriere nicht am Flughafen, sondern in einem Polizeigefängnis in der Stadt Zürich. Die Staatsanwaltschaft muss innert 48 Stunden nach Festnahme entscheiden, ob sie für einen Verhafteten beim Gericht Untersuchungshaft beantragt. Bei erstmaligem Vergehen müsse ein Kurier mit einer Freiheitsstrafe von zwei bis drei Jahren rechnen, sagt Jurist Aepli.

Neben der juristischen Strafe kann der Transport auch medizinische Folgen haben: Platzt ein Fingerling, stirbt der Kurier höchstwahrscheinlich. «Die Schmuggler setzen ihr Leben aus finanziellen Gründen aufs Spiel. Sie verdienen für einen Transport zwischen 3000 und 5000 Franken.» Todesfälle seien aber extrem selten. Aepli erinnert sich in den letzten zwei Jahren einzig an einen verstorbenen Kurier.

Von persönlichen Schicksalen dürfe sich ein Fahnder nicht beeinflussen lassen, sagt der Polizeioffizier. «Die Befragungen brauchen aber schon viel Fingerspitzengefühl, weil wir an die Hintermänner kommen wollen.» Die Kuriere seien nämlich nur die kleinen Fische.

Dennoch tragen auch diese dazu bei, dass am Flughafen Zürich so viel Rauschgift beschlagnahmt wird wie sonst nirgends im ganzen Kanton Zürich: 2009 waren es 287 von 352 Kilogramm Kokain, 2010 107 von 157 Kilogramm.