Unwetter

25. Juni 2016 12:32; Akt: 26.06.2016 16:21 Print

Das harte Aufräumen nach der Flut

Blitze, Hagel und Regenschauer über der Schweiz: Besonders grosse Schäden richtete das Hochwasser im Kanton Basel-Landschaft an.

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Der diesjährige Juni war nasser und bewölkter als normal: Ein Velofahrer in Ermatingen TG am Bodensee. (19. Juni 2016) Am letzten Juniwochenende zogen nochmals heftige Gewitter über die Schweiz. Wie hier in Trasadingen SH standen vielerorts die Strassen unter Wasser. Diese Apotheke in Muttenz BL trafen die Überschwemmungen zum zweiten Mal. Auch das Brauthaus Plüss von Thomas Borer und Caroline Borer-Plüss in Muttenz stand bereits zum zweiten Mal unter Wasser. (25. Juni 2016) Aufräumarbeiten in einer Garage in Muttenz BL. Bach statt Strasse: Auch Zunzgen BL stand unter Wasser. In Gebieten am Rhein und am Bodensee standen im Juni Strassen, Quais und Hafenanlagen unter Wasser: Enten schwimmen im Bodensee, wo Fussgänger normalerweise gehen. (25. Juni 2016) «In Neuheim wird die Strasse zum Bach», schreibt ein Leser-Reporter. Vom Platzregen überrascht: Eine Migros-Verkäuferin vom Do it + Garden in Reinach BL muss zu unkonventionellen Mitteln greifen. (25. Juni 2016) Heller Himmel: Mehr als 100'000 Blitze waren innerhalb von drei Tagen registriert worden. 70'000 davon schlugen ein: Blitz in Winterthur. Aus dem Auto gespült: Einsatzkräfte suchen in der Muota nach einem vermissten Mann. Eine grosse Gewitterzelle über Zürich am 24. Juni 2016. In Unterterzen SG trat der Tobelbach über das Ufer... ...und hinterliess eine Spur der Verwüstung: Schlamm, Steine und Geröll. Das Ausmass der Zerstörung sieht man erst nach dem Unwetter: Aufgerissener Weg in Plasselb FR. Am 20. Juni lag der Pegel des Bodensees nur fünf Zentimeter unter der höchsten Gefahrenstufe 5 des Bundes für Hochwasser: Hafen von Romanshorn. Auch die Westschweiz blieb nicht verschont: Ein überfluteter Keller in Crissier im VS. Ein Leserreporter spricht von «Horror». Unterterzen sei komplett unter Wasser. Aus Einsiedeln stammt dieses Bild einer überfluteten Strasse.

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Über die Schweiz sind in der Nacht auf Samstag schwere Unwetter hinweggefegt. Im Muotathal SZ wird ein Mann weiterhin vermisst. Zum Teil wurden Strassen verschüttet, vielerorts gab es Starkregen und auch Hagel. In der Nacht auf Sonntag beruhigte sich die Lage dann.

Das Fahrzeug des 67-jährigen vermissten Lenkers war am Freitagabend zwischen Stalden und dem Dorf Muotathal von dem über die Ufer getretenen Fluss Muota mitgerissen worden. Der Mann wurde von den Wassermassen aus dem Auto gespült. Das Auto konnte aus der Muota geborgen werden, vom Vermissten fehlte aber bis am Sonntagnachmittag jede Spur. Die Suche wird unverändert fortgesetzt.

Über 100'000 Blitze und viel Regen

Seit Freitagnachmittag wurden über 100'000 Blitze registriert, davon schlugen über 70'000 ein. Laut einer Mitteilung von SRF Meteo fielen von der Ost- über die Zentralschweiz bis in den Kanton Freiburg grosse Regenmengen: In Interlaken wurden 66 Millimeter Niederschlag gemessen – fast die Hälfte des durchschnittlichen Juniregens zusammen. In Schaffhausen waren es mit 56 Millimeter gar 60 Prozent des ganzen Juniniederschlags.

Schwer von Unwettern getroffen wurde Unterterzen am Walensee. Nach heftigen Niederschlägen im St. Galler Oberland trat der Chammenbach über die Ufer, spülte Geröll ins Tal und überfluteten das Dorf Unterterzen, wie die St. Galler Kantonspolizei am Freitagabend mitteilte. Zudem kam es zu mehreren Erdrutschen, Personen kamen keine zu Schaden.

Auf dem Gemeindegebiet von Quarten schwollen sechs Bäche an. Die Einsatzkräfte waren am Samstag mit über 100 Personen daran, Schäden zu beheben. Am Freitagabend war erstmalig auch der Regionale Führungsstab Walensee einberufen worden. Der Bahnverkehr zwischen Mols und Murg SG musste wegen Überflutung des Bahntrasses eingestellt werden. Ebenso wurden die Strassen zwischen Mols und Murg, sowie die Zufahrtsstrasse von Unterterzen nach Oberterzen für den Verkehr gesperrt.

140 Schadenmeldungen im Kanton Bern

Im Kanton Bern erhielt die Kantonspolizei bis am Samstagmorgen rund 140 Schadenmeldungen. Betroffen war insbesondere das Seeland, vorab mit Wassereinbrüchen in Gebäude. Aber auch Strassen wurden mit Geröll und Schlamm bedeckt. Die Hauptstrasse Interlaken-Thun mussten zwischen Beatenbucht und Unterseen bis gegen 08.30 Uhr gesperrt werden. In Rüschegg und Sumiswald schlugen Blitze in Gebäude ein, ohne dass es jedoch zu Bränden kam.

Stromausfälle in der Region Bern-West störten am Samstag auch den Betrieb des Erlebnisbades Bernaqua. Weil die Wasserpumpen ausfielen, konnten die Rutschen nicht mehr mit Wasser versorgt werden. Darauf entschied die Leitung des Bernaqua um 14 Uhr, das Bad zu evakuieren.

Im Kanton Basel-Landschaft hielten am Samstagnachmittag starke Gewitter Polizei und Feuerwehren ebenfalls auf Trab. Bei den Einsatzkräften gingen zwischen 13.30 und 17 Uhr mehrere hundert Notrufe ein. Die 29 Feuerwehren und der Zivilschutz stehen seither im Dauereinsatz. Die Einsätze dürften noch mehrere Stunden anhalten, wie die Baselbieter Polizei am Abend mitteilte. Alleine in Muttenz, wo bis 19 Uhr 80 Schadenmeldungen eingingen, standen 130 Helfer im Einsatz.

Umgestürzte Bäume und führerlose Schiffe

Bei der Kantonspolizei Schwyz waren neben dem Vermisstenfall aus dem Muotathal über 50 Meldungen aufgrund von über die Ufer tretenden Bächen sowie überfluteten Strassen und Kellern eingegangen.

Im Kanton Luzern wurden mehrere Strassen verschüttet. Die Polizei verzeichnete in der Nacht innerhalb von zwei Stunden 37 Unwettermeldungen. In Uffikon, Dagmersellen und im Lutherntal kam es zu Hangrutschen und Strassensperrungen. Zudem mussten diverse Keller ausgepumpt erden. Auf dem Gemeindegebiet von Küssnacht SZ und Meggen LU fiel für zwei Stunden teilweise der Strom aus. Betroffen waren 2400 Kunden der Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW).

Im Kanton Zürich verzeichnete die Polizei rund ein Dutzend Meldungen über umgestürzte Bäume oder Bauabschrankungen, die zu Verkehrsbehinderungen führten. Vier Autos und ein Gebäude wurden beschädigt. Auf dem Zürichsee rissen sich drei Schiffe los und trieben führerlos auf dem See oder strandeten. Teilweise wurde auch Geröll auf Strassen gespült oder Unterführungen überflutet.

Festival abgesagt

Auch Baden-Württemberg war erneut von schweren Niederschlägen betroffen. Beim «Southside Festival» im Kreis Tuttlingen mit Zehntausenden Musikfans gab es am Freitagabend 25 Verletzte. Die Feiernden flüchteten vor Blitz, Donner und Starkregen. «Fünf von ihnen kamen ins Spital», sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Veranstaltung wurde daraufhin abgesagt. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. In Pfullingen, in der Nähe von Stuttgart, traten zwei kleine Bäche über die Ufer und trieben die hilflosen Bewohner in die Enge. In Rheinland-Pfalz nahe Bacharach entgleiste am Samstagmorgen ein Regionalzug bei einem Unwetter. Es gab einen Verletzten. Ursache war auf die Gleise gerutschtes Geröll.

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrNiceGuy am 24.06.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hellseher

    Eine Unwetterwarnung nachdem das Unwetter vorbei ist. Good job.

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  • Pippo Brandenberger am 24.06.2016 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Winterthur

    Albani Fest Winterthur es Blitz und Donnert :-(

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  • Sebastian am 24.06.2016 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sporttag

    Wieso hatte es nicht am Sporttag geregnet:(

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mjdys am 28.06.2016 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Southside

    War am Southside ... noch nie so etwas erlebt. Die Gewitter bei uns sind ein Witz dagegen. Es wäre eigentlich noch hell gewesen, doch durch die brandschwarze Wolke war es stockdunkel. 4 Stunden durch den überfluteten Parkplatz gelaufen, völlig durchnässt, auf der Suche nach unserem Auto. "Weltuntergangsstimmung" trifft es genau. Dabei hatte es so toll angefangen... und die ganzen Bands :'-( Das war ein Line-Up der extra Klasse, so etwas kann man in der Schweiz dieses Jahr lange suchen. Traurig, traurig https://

  • Meteorologie am 26.06.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rache der Natur

    Noch mehr Zuwanderung erfordert noch mehr Zubetonierung. Diese Zubetonierung ergibt eine andere Thermik. Die wiederum treibt Regenwolken in Hänge, wo diese sich punktuell entladen.

  • Schreier Barbara am 26.06.2016 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwettern in der Schweiz und Ausland

    Allen Einsatzkräften die irgendwo aufgeräumt und geretteten und beschädigten trauernden haben viel Kraft das geschehen zu verarbeiten!

  • Psychonaut1934 am 26.06.2016 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Ein herzliches Dankeschön an die Feuerwehr, Zivilschutz und freiwillige Helfer!

  • Tina am 26.06.2016 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neuer Kanton?

    Es ist tragisch, was das Unwetter angerichtet hat und mir tun alle betroffenen leid. Ein unglaubliches Ereignis geht aber in dieser Meldung unter: das viele Wasser hat uns einen neuen Kanton beschert - nämlich den Kanton Basel-Landschaft (smile)