Bundesamt für Polizei

25. April 2019 18:53; Akt: 26.04.2019 15:26 Print

Das ist der typische Schweizer Jihad-Reisende

Bisher ging der Bund sehr zurückhaltend mit Informationen über Schweizer Jihad-Reisende um. Im Jahresbericht des Fedpol werden genauere Infos über die Personen bekannt.

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Männlich, 32 Jahre alt, wenig Schulbildung, wohnhaft in städtischen Gebieten, dem Islam seit Geburt angehörig – ein Viertel ist konvertiert – und ohne feste Arbeit: So sieht laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) der typische Schweizer Jihad-Reisende aus. Seit 2001 wurden insgesamt 93 Jihad-Reisende vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) erfasst. Details zu den Personen gab der NDB bisher keine.

Das Fedpol hat am Donnerstag seinen Jahresbericht 2018 veröffentlicht. Darin wird vertieft auf den Amoklauf am Weihnachtsmarkt in Strassburg im letzten Dezember eingegangen. Der Täter war der Schweizer Polizei als Kleinkrimineller bekannt gewesen. Das Fedpol fragt nun: Wie kann man radikalisierte Personen erkennen und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, eindämmen? Dazu wurden alle Personen analysiert, gegen die zwischen Mai 2012 und Dezember 2018 im Zusammenhang mit Jihadismus ermittelt wurde.

Strafgesetz soll angepasst werden

Längst nicht jeder Jihad-Reisende ist vor seiner Radikalisierung als Kleinkrimineller aufgefallen. Gemäss dem Fedpol ist mindestens ein Drittel der analysierten Personen polizeilich bekannt – die Delikte reichen von Gewaltverbrechen im familiären Rahmen bis hin zu Einbrüchen und Raubüberfällen. Ungefähr die Hälfte der Jihad-Reisenden hatte vor der Radikalisierung eine prägende Phase durchlebt, etwa schwere gesundheitliche oder familiäre Probleme. 60 Prozent sind im Ausland geboren, wobei die Fedpol vorliegenden Informationen darauf hindeuten, dass die Radikalisierung erst in der Schweiz stattfand.

Das Bundesamt für Polizei verweist zusätzlich zur Analyse auf gesetzliche Anpassungen, die noch dieses Jahr erfolgen sollen, um gezielter gegen Extremisten vorgehen zu können. So will der Bundesrat das Strafrecht wie folgt anpassen: Das Anwerben, die Ausbildung und das Reisen für terroristische Zwecke sollen unter Strafe gestellt werden. Zudem soll mehr in die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Terrorismusbekämpfung investiert werden.

(jk)