Religion

27. Januar 2015 11:34; Akt: 28.01.2015 13:52 Print

Das lernen Gefängnis-Mitarbeiter über den Islam

von D. Pomper - In Schweizer Gefängnissen sitzen bis zu 50 Prozent Muslime. Droht dort eine Radikalisierung? Nein – auch dank Islam-Kursen für Gefängnismitarbeiter, sagt ein Experte.

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Thomas Noll, Direktor des Schweizerischen Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal SAZ, ist überzeugt: «Eine Radikalisierung muslimischer Insassen in Schweizer Gefängnissen ist kein akutes Problem.» Denn im Gegensatz zu ausländischen Gefängnissen gäbe es in der Schweiz eine viel engmaschigere Überwachung und mehr Personal pro Insasse. (Bild: Keystone/Jean-christophe Bott)

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Die Attentäter von Paris wurden im Gefängnis radikalisiert, wo sie einen gewaltbereiten Islamisten kennengelernt hatten. Auch die Attentäter von 9/11 und Madrid 2004 wurden hinter Gittern radikalisiert. «Die Gefängnisse sind Brutstätten einer massiven Radikalisierung», sagte Gilles de Kerchove, der Anti-Terror-Koordinator der Europäischen Union.

Ein Blick in die Schweizer Gefängnisse zeigt: In der Strafanstalt Zug und in der Genfer Anstalt Champ-Dollon sind 50 Prozent der Insassen muslimischen Glaubens. In der interkantonalen Strafanstalt Bostadel bilden Muslime mit 39 Prozent die grösste Religionsgruppe, in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf sind 133 von 426 Häftlingen Muslime. Die Anzahl von Insassen aus muslimischen Ländern wie Tunesien, Algerien, Marokko oder dem Kosovo und Albanien nimmt seit 2003 laufend zu.

Islam-Kurse für Gefängnismitarbeiter

Thomas Noll, Direktor des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal SAZ, ist dennoch überzeugt: «Eine Radikalisierung muslimischer Insassen in Schweizer Gefängnissen ist kein akutes Problem.» Denn im Gegensatz zu ausländischen Gefängnissen gebe es in der Schweiz mehr Personal pro Insasse und damit eine viel engamschigere Überwachung. Das führe zu einer erhöhter Sicherheit und trage zur Resozialisierung bei, sagt Noll. «In Schweizer Gefängnissen macht der Aufseher nicht einfach nur die Zellen auf und zu. Stattdessen werden regelmässig Gespräche mit den Häftlingen geführt.» So könnten Radikalisierungstendenzen frühzeitig entdeckt und eingedämmt werden.

Auch würde das Gefängnispersonal gezielt auf den Umgang mit muslimischen Insassen ausgebildet. «In diesen Kursen lernt man mit Mentalitätsunterschieden umzugehen.» Das betreffe etwa die Auffassung von Ehre und Schande, spezielle Essgewohnheiten oder religiöse Praktiken wie den Ramadan. Ein spezielles Augenmerk legt man auch auf Fundamentalismus und Islamismus. Diese präventiven Massnahmen zahlten sich aus, sagt Noll.

Nicht-Muslime sollen den Koran nicht berühren

Mallory Schneuwly Purdie von der Universität Lausanne, die in der Romandie Gefängnispersonal im Umgang mit muslimischen Gefangenen ausbildet, ist dagegen skeptischer: «In letzter Zeit stelle ich fest, dass gewisse Probleme mit sehr wörtlichen Interpretationen des Islam durch Gefangene bestehen», sagte sie gegenüber der «NZZ». Etwa die Idee, dass Nicht-Muslime den Koran nicht berühren dürften, oder die Forderung, pünktlich beten zu dürfen. Von einem Problem mit radikalen Muslimen in Schweizer Gefängnissen spricht aber auch Schneuwly Purdie nicht.

Alex Kuprecht (SVP), Präsident der ständerätlichen Sicherheitskommission, beobachtet die Entwicklung mit Sorge: «Wir müssen prüfen, ob wir die Häftlinge nicht gleich ausschaffen und in ihren Herkunftsländern inhaftieren können.» So würden auch Schweizer Gefängnisse entlastet. Kritisch ist Kuprecht auch gegenüber Gefängnis-Imamen: «Hier stellt sich die Frage, wie diese überprüft werden können.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Garstiger am 27.01.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    ich lach mich tot

    5.8% Anteil an der Beölkerung und 50% Anteil im Knast. Das ist doch Futter für Pegida und Co.

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  • Ex JVA am 27.01.2015 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so........

    Über zwei Jahre arbeitete ich in einer JVA. Nie mehr. Die Häftlinge haben alle rechte. Und jetzt müssen sich die Angestellten noch Weiterbilden, damit der Service auch noch Glaubensgerecht angeboten werden kann.

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  • Danimos am 27.01.2015 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    warum so viele?

    Kann mir mal jemand erklären, wieso 50% der Insassen Muslime sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 28.01.2015 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschaffungsiniative umsetzen

    Es liegt da in Bern noch eine Ausschaffungsiniative unerledigt herum. Diese endlich so wie abgestimmt wurde umsetzen . Da würden die Wiederholungstäter wegfallen.

  • Ibrahim am 28.01.2015 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von

    Von 99% glaube ich nur 000000001%

  • Muslima am 28.01.2015 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt und toleranz für alle religionen

    Wir müssen schauen das hier in der schweiz zusammen leben funktioniert und nich was in arabien passiert. Jeder hat religionsfreiheit, man sollte jede religion respektieren. Und nicht alle in einem topf werfen. Es ist klar das man die schweiz nicht in islamisches land umwandel, dass verlangt man nicht. Man verlangt toleranz und respekt gegenüber unsere religion! Wir verlangen nicht mehr. Ja minarettverot hat jeden muslim schwer getroffen, aber wenigsten haben wir es versucht für minarett.

    • Mike R am 28.01.2015 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Glaubt für euch

      Ich respektiere keine Religion. Aber ich respektiere den Glauben eines jeden Menschen. Aber Wieso muss man diesen in der Öffentlichkeit ausleben und den andersgläubigen auf die Nase binden? Kann man den Glauben nicht für sich selbst leben? Wer wirklich glaubt braucht kein Minarett, keine Bibel und keinen Koran. Warum wollen das so viele nicht verstehen?

    • Lotrone Lorenzo am 28.01.2015 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Keinen Respekt und keine Toleranz

      Ich habe keinen Respekt für keine Religion. Sobald jemand etwas mit seinen "religiösen Gefühlen" begründet oder gar verlangt, man solle sich "mehr mit dem Islam beschäftigen", rede ich klartext: Nein, ich werde mich nicht mit eurem Zeug beschäftigen. Religion hat hier keinen Platz, es gibt genug religiös geprägte Staaten.

    • Visionär am 28.01.2015 15:48 Report Diesen Beitrag melden

      es ist eigentlich schon zu spät....

      Gemäss dem Koran soll anhand von über 180 Fersen mit Brutalität und Gewalt bis hin zur Tötung gegen Kafire (Ungläubige) vorgegangen werden (selber im Koran gelesen). Also, bevor jemand hier von einem friedlichen Glauben erzählt, sollte er mal dieses 1500 Jahre alte Buch (gemäss dem viele Millionen Musleme leben und zu dem Inhalt stehen) einmal genauer/kritischer lesen. Es ist halt nicht nur eine Religion - es ist eine Kultur, die in Europa nur Probleme bringt und von unserer Toleranz profitiert. Multi-Kulti und Integration haben hier keine Chance (s. die immer grösseren Parallelgesellschaften)

    • einfach leben am 28.01.2015 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      bitte nicht immer verlangen

      besser wäre, ihr hört auf immer "zu verlangen" genau das ist es ja was euch immer wieder Ärger verursacht. Bitte lebt doch einfach und seit zufrieden. So wie viele andere Kulturen es in der Schweiz es ja auch können.

    • sega am 28.01.2015 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      @muslima

      gibt auch etwas anderes, was ihr könnt, als immer nur fordern und fordern!? und habt ihr eure religion auch schon mal hinterfragt?! ich hab genug!!

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  • saekular am 28.01.2015 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei wichtige Bemerkungen

    1. Es hat nichts mit dem Islam zu tun! 2. Es handelt sich um Einzelfälle! Nur damit keine falschen Vorurteile aufkommen ;-)

  • Patriotischer Europäer für die Befriedun am 27.01.2015 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Futter für Pegida oder gelebte Pegida...

    Die wirklich intressante frage ist doch: Werden Muslime tatsächlich häuffiger straffällig, oder werden sie einfach eher festgenommen und eher härter bestraft wegen ihrer Herkunft und ihrem Glauben?