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12. Oktober 2019 13:49; Akt: 12.10.2019 13:49 Print

So halten Neonazis den Konzertort geheim

Am Samstag soll im Kanton Wallis ein Neonazi-Konzert stattfinden. Szenekenner Hans Stutz erklärt die Hintergründe.

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Am Samstag ist im Kanton Wallis ein Neonazi-Konzert geplant. Wo genau, ist aber noch nicht bekannt. Wieso die Geheimnistuerei?
Die Organisatoren solcher Konzerte sind sich durchaus bewusst, wie umstritten diese in der Öffentlichkeit sind. Sie wollen kurzzeitigen Kündigungen von Saal-Vermietern wie Protestaktionen zuvorkommen.

Am Tag des Konzerts erhalten die angemeldeten Gäste zuerst nur einen Treffpunkt – beispielsweise eine Autobahnraststätte – zu dem sie hingehen sollen. Nur jene Personen, die an diesem Schleusungspunkt von den Organisatoren als vertrauenswürdig eingestuft werden, erhalten genauere Angaben zum Veranstaltungsort.

Auf dem Flyer wurde betont, keine Fotos davon auf Whatsapp oder Social Media zu teilen. Warum?
Mittlerweile weiss man in der Szene um die Gefahren der neuen Technologien. Schon nach einigen Naziskin-Konzerten haben Veranstalter blöd aus der Wäsche geguckt, nachdem Besucher - manchmal Journalisten, manchmal Szeneangehörige - Aufnahmen verbreiteten, die zu Strafverfahren führten.

Ist das auch ein Grund, wieso keine Ton- oder Bildaufnahmen am Konzert erlaubt sind?
Ja, das ist ein Grund. Es ist aber auch ein Hinweis, dass es mutmasslich Übertretungen gegen die Rassismusstrafnorm geben wird. Nur, wenn die Polizei ausreichende Beweise für einen solchen Verstoss hat, leitet sie die Informationen an die Staatsanwaltschaft weiter, die ein Verfahren einleitet. Fakt ist: Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wurden nie Sanktionen gegen die auftretenden Bands oder Organisatoren verhängt.

Das heisst, wenn die Polizei nicht weiss, was am Konzert gesungen oder gesagt wird, passiert nichts?
Genau.

In einigen Songtexten der angekündigten Bands wird das Dritte Reich glorifiziert und zu zum Teil rassistisch motivierter Gewalt gegen Ausländer und Minderheiten aufgerufen.
Damit meinen Sie wohl die Songtexte der Band Kraftschlag?

Die Band wurde ja bereits 1989 gegründete, die 'härtesten' Texte hat die Band in ihren Anfangsjahren verbreitet.
Solche Texte sind vor allem in älteren Texten verbreitet der 1989 gegründeten Band verbreitet. Ich denke, dass der Verfolgungsdruck - einerseits Strafverfahren wegen Volksverhetzung, andererseits Indizierung von Tonträgern - die Bands hat zurückhaltender werden lassen.

Tut die Polizei also zu wenig, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen?
Rechtsextremismus ist in erster Linie ein gesellschaftliches und ein politisches Problem, dem man sowohl zivilgesellschaftlich wie politisch entgegentreten muss. Besonderen Eifer haben die Polizeikorps allerdings auch noch nie gezeigt. Sie erklärten dann, sie hätten nichts Widerrechtliches festgestellt, dabei jedoch nur vor dem Veranstaltungsort Kontrollen gemacht. Drinnen ging jedoch die rassistische Post ab, nebst dem, dass Naziliteratur und Tonträger angeboten wurden.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 12.10.2019 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rechte für Rechte

    Es mag ja für viele komisch klingen, aber auch Rechtsextreme haben (Grund)Rechte wie z.B. die Versammlungsfreiheit. Erst wenn rassistisches Gedankengut öffentlich verbreitet wird, muss eingeschritten werden. Aber in einem privaten, geschlossenen Rahmen ist solches Tun legal. Mich würde es schon interessieren wieso man bei Linksextremen Treffen nicht die gleichen Anforderungen stellt!

  • Justus100 am 12.10.2019 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Erst kürzlich 2016. klar

  • Lukas am 12.10.2019 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    In einer freien Demokratie

    Muss man auch mit den Extremisten von Links und Rechts, auskommen. Sobald man eine Gruppe verfolgt, ist die Freiheit aller gefährdet. Stichwort: Gedankenpolizei, Diktaturen. Wenn die unter sich sind und tanzen, wem tun die denn weh? Linksextreme z.B fakeln Autos ab, zerstechen Reifen, schlagen Schaufensterscheiben ein und greifen Polizisten mit Steinen an verüben Anschläge mit Buttersäure.

Die neusten Leser-Kommentare

  • garry g. gonzalez am 12.10.2019 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle gegen alle

    Leben und leben lassen. Wir haben definitiv grössere Probleme auf der Welt, als so ein Konzert. Rassismus finden wir überall in jeder Geselschaftsschicht, in jedem Land. Wenn wir Rechtsextreme Menschen wegen ihrem politischen Gedankengut verurteilen, wäre dies Rassismus, dies wird nie den Dialog fördern. Liebe für Alle, ist eine Haltung die vieles Verändern könnte. Viel Spass beim weiter Streiten.

  • ... am 12.10.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzkontrolle?

    Wieso können diese braunen Gesellen überhaupt aus dem EU-Raum einreisen? Ohne Band kein Konzert - wäre ja so einfach, liebe Behörden.

  • Re. A List am 12.10.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja die Polizei dein Freund und Helfer

    Braunes Gedankengut unter Gleichgesinnten hinter verschlossenen Türen schreien kann nicht belangt werden. Ja aber Hauptsache Bussen verteilen wenn ein Anwohner bei der Polize anrufen weil ein paar Autofahrer die gesperrte Quartierstrasse benützen und nicht einen 5 Km langen Umweg fahren wollen!

  • Lukas am 12.10.2019 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    In einer freien Demokratie

    Muss man auch mit den Extremisten von Links und Rechts, auskommen. Sobald man eine Gruppe verfolgt, ist die Freiheit aller gefährdet. Stichwort: Gedankenpolizei, Diktaturen. Wenn die unter sich sind und tanzen, wem tun die denn weh? Linksextreme z.B fakeln Autos ab, zerstechen Reifen, schlagen Schaufensterscheiben ein und greifen Polizisten mit Steinen an verüben Anschläge mit Buttersäure.

  • Jonenbach am 12.10.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konzert

    Mit Emotionen lassen sich viele Leute manipulieren, zu viele! Ob Links oder Rechts, jeder Mensch ist ein Produkt seiner Umgebung und Erziehung. Ich habe grössere Bedenken was die Internat. Politik anstellt. Den Eindruck , dass Kriminelle Elemente in führende Positionen geschafft haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Zudem getarnt mit einem religiösen Deckmäntelchen.