Wenn der Roboter alles macht

31. August 2014 19:52; Akt: 31.08.2014 19:53 Print

Das sind die Jobs der Zukunft

von Pascal Michel - Vom Offline-Therapeuten bis zum Privatsphäre-Manager: In diesen Jobs könnten wir in fünf Jahren arbeiten.

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Buchhalter, Finanzanalysten, Supermarkt-Kassierer: Geht es nach dem Zukunftsforscher Gerd Leonhard, wird es diese Jobs in 20 Jahren nicht mehr geben. «Alle Arbeiten, die auch ein Computer übernehmen kann, werden wir an diese abtreten», sagt er. Doch der rasche digitale Wandel sorge auch dafür, dass neue Jobs entstehen. Das sind die Berufe der Zukunft:

Privatsphäre-Manager

«In unserer totalvernetzten Gesellschaft benötigen wir jemanden, der uns entnetzt», sagt Leonhard. Die meisten hätten die Kontrolle über ihre Daten verloren. Der Privatsphäre-Manager könne persönliche Daten aufspüren und aus dem Internet entfernen. «Damit sorgt er dafür, dass der Kunde seine Datenhoheit weder zurückgewinnt.»

Offline-Therapeut

Seitdem Breaking News, Mails und Social-Media die Menschen in Beschlag nehmen, brauche es einen Offline-Therapeuten, der uns die Grenzen unseres Medienkonsums aufzeigt, sagt Leonhard. «Online-Sein hat etwas von einer Droge. Es macht abhängig und ist dazu erst noch gratis.» Der Offline-Therapeut sorge dafür, dass die Balance zwischen On- und Offline wieder stimmt, sagt der Zukunftsforscher. Das sei bereits heute in Firmen Realität: «Sie merken, dass es nicht gesund ist, wenn Mitarbeiter rund um die Uhr erreichbar sind, darum sorgen sie nun dafür, dass beispielsweise E-Mails nach Feierabend nicht mehr eingesehen werden können.»

Supervisor für künstliche Intelligenz

«Denkende Assistenten und lernende Roboter werden uns das Leben erleichtern, sie können aber auch eine erhebliche Macht auf uns ausüben», sagt Leonhard. Die Gefahr: Technologie hat keine Ethik. Darum brauche es in Zukunft Personen, die unsere Geräte überwachen.«Nötigenfalls stellen sie diese auch richtig ein und sorgen dafür, dass uns die Maschinen nicht früher oder später gänzlich abschaffen wollen.»

Feel-Good-Manager

Ein Job, den es bereits gibt und der vorwiegend von hippen Start-ups ausgeschrieben wird, ist jener des Feel-Good-Managers. Dieser soll für eine möglichst ungezwungene Arbeitsatmosphäre sorgen. Er organisiert vom Kita-Platz bis zum Weihnachtsessen alles, um die Mitarbeiter bei Laune zu halten.

Skeptisch gegenüber den Jobs der Zukunft äussert sich Zukunftsforscher Georges T. Roos. In fünf Jahren werde sich nicht wahnsinnig viel verändern, man müsse schon zwanzig Jahre in die Zukunft schauen. Er sagt: «Es wird immer einfache Dienstleistungen wie etwa in der Reinigung brauchen, die Frage ist, ob man in Zukunft damit seinen Lebensunterhalt noch bestreiten kann.»

Einen Job suchen, den kein Roboter machen kann

Um die neuen Anforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu erfüllen, müsse das Bildungssystem umgekrempelt werden, sagt Leonhard. Fähigkeiten wie Kreativität, Unternehmergeist und das kritische Denken müssten gefördert werden. Seinen Kindern rät er, Berufe wie Handwerker, Künstler oder Tech-Experte zu ergreifen: «Diese Berufe haben grosses Potenzial, denn sie sind nur schwer durch Roboter zu ersetzen.» Doch der technische Wandel macht auch hier nicht halt: Bereits heute können Textprogramme Geschäftsberichte zusammenfassen oder Sportberichte erstellen.

George Sheldon, Professor für Arbeitsmarktökonomie an der Universität Basel, zweifelt an der Job-Prognose: «Was die Jobs der Zukunft sind, weiss leider niemand. Wenn man wüsste, in welcher Branche neue Jobs entstehen, könnte man an der Börse investieren und würde so reich.»

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