Waffen-Umfrage

15. März 2019 05:52; Akt: 18.03.2019 08:12 Print

Das sind die Waffenfreaks unter den Politikern

Sturmgewehre, Schrotflinten, Karabiner: Im Parlament schiesst die SVP laut einer 20-Minuten-Umfrage am schärfsten. Die Partei lehnt auch das verschärfte Waffenrecht ab.

SP-Nationalrat Adrian Wüthrich spricht über seine Pistole, Jean-Luc Addor (SVP) schweigt sich über seine Waffensammlung aus. (Video: 20 Minuten)
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Die Verschärfung des Schweizer Waffenrechts kommt im Mai vors Volk. Die SVP ist als einzige grössere Partei gegen die Revision, die im Gleichschritt mit der EU halbautomatische Waffen mit grossen Magazinen verbieten will.

Wie eine Umfrage von 20 Minuten zeigt, besitzt aber nur eine Minderheit der Parlamentarier selbst eine Waffe. 114 von 246 antworteten auf eine entsprechende Frage von 20 Minuten und legten Details zu ihrem Waffenbesitz offen.

SPler sind in der Regel unbewaffnet

Verpönt ist der Waffenbesitz im linken Lager. SP-Nationalrat Cédric Wermuth gibt etwa nur die Wasserpistolen seiner Töchter an. Einzig Gewerkschafter Adrian Wüthrich hat eine Pistole. Als Offizier ist er aber noch aktiver Armeeangehöriger. Je rechter ein Politiker steht, desto schärfer wird geschossen. Knapp die Hälfte der antwortenden SVP-Politiker hat mindestens eine Waffe zu Hause: von der antiken Waffe bis zum Jagdgewehr.

Jäger und Waffensammler

Die grössten Waffenfreunde im Parlament sind Jean-Luc Addor, Interimspräsident der Waffenlobby ProTell, sowie Werner Salzmann, Präsident des Berner Schiessverbandes. Ersterer sagt, er besitze als ehemaliger Armeeangehöriger und bescheidener Sammler mehrere Waffen. Darunter dürften sich auch halbautomatische Schusswaffen mit grossen Magazinen befinden, da ihn nach eigenen Angaben die Verschärfung des Waffengesetzes treffen würde.


Erich Hess mag Waffen. (Bild: zvg)

Einige Parlamentarier besitzen auch Erbstücke: Michaël Buffat etwa nennt vier alte Karabiner sein Eigen. Und natürlich haben einige ihre Ordonnanzwaffe übernommen, darunter SVP-Präsident Albert Rösti. Nationalrat Erich Hess gibt an, gleich mehrere Sturmgewehre zu besitzen. Auch Frauen besitzen in der SVP Waffen. So hat Yvette Estermann eine Pistole, die sie fürs Feldschiessen braucht und «sogar putzen kann».


Estermann ist Schützin. (Bild: Estermann-aktuell.ch)

Selbst bei der SVP haben aber längst nicht mehr alle eine Waffe zu Hause. So gibt etwa Jacques Nicolet an, seine Waffe nach Dienstende ins Zeughaus gebracht zu haben. Und SVP-Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt sagt: «Ich habe zwei Waffen: meinen Intellekt und meinen Charme.»

«Ein Soldat ohne Waffe ist kein Soldat»

Der Walliser Jean-Luc Addor sagt, es sei Privatsache, wie viele Waffen er besitze. «Das Sammeln von Waffen ist ein Hobby wie jedes andere auch. Es ist kein Problem für die Sicherheit.» Seine Lieblingswaffe sei aber sein Sturmgewehr. «Ein Soldat ohne Waffe ist kein Soldat. Ein Milizsoldat ist ein Soldat mit einer Waffe, das ist unsere Tradition.» Das Ziel der Linken sei es, die Bürger zu entwaffnen.

Für Addor erhöht ein liberales Waffenrecht die Sicherheit. Er hatte in der Vergangenheit verlangt, dass auch gewöhnliche Bürger in der Schweiz Waffen tragen dürfen, wenn sie von einem Schiessverein geschult würden. Bewaffnete Bürger trügen zur Sicherheit bei, weil sie etwa im Falle eines Terroranschlags sofort eingreifen könnten. Die Verschärfung des Waffenrechts lehnt er ab, da sie alle Bürger kriminalisiere, während Terroristen kaum je legal erworbene Waffen benützen würden.

«Für Armeeangehörige ändert sich nichts»

Dieser Aussage widerspricht SP-Nationalrat Adrian Wüthrich. «Mehr Waffen bedeuten nicht mehr Sicherheit. Es gibt Studien, die zeigen, dass in Ländern mit vielen Waffen die Selbstmordrate höher ist.» Wichtig sei der korrekte Umgang damit. In der Armee sei er nicht wegen des Schiessens, sagt der Hauptmann: «Es war ein Bubentraum von mir, Lastwagenfahrer zu werden.» Er habe dann die Offiziersschule gemacht und auch eine Transportkompanie geführt. Ob er die Waffe mit 42 Jahren abgebe, wisse er noch nicht. «Fakt ist, dass sich für Armeeangehörige mit dem neuen Waffenrecht nichts ändert. Sie können ihre Waffe wie heute weiterhin übernehmen.»

Seine Ordonnanzpistole nicht abgegeben hat FDP-Nationalrat Kurt Fluri. «Es ist ein Souvenir.» Ab und zu gehe er noch schiessen. «Nach der Pension vielleicht wieder etwas mehr.» Auch als Liberaler unterstütze er die Revision des Waffenrechts: «Es geht darum, dass wir die Beteiligung am europäischen Sicherheitsraum Schengen/Dublin nicht aufs Spiel setzen.» Die Bedenken der Gegner, dass die Verschärfung der Anfang der Entwaffnung des Volkes sei, teile er nicht.

(daw)