Bundesratswahl

04. Dezember 2018 19:29; Akt: 05.12.2018 05:52 Print

Das sind die Wahlchancen der Kandidaten

Showdown im Bundeshaus: Heute wählt die Bundesversammlung zwei neue Bundesräte. Die Ausgangslage.

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Die Schweiz hat zwei neue Bundesrätinnen: Viola Amherd (CVP, links) und Karin Keller-Sutter (FDP) wurden am 5. Dezember je im ersten Wahlgang gewählt. Karin Keller-Sutter, Ständerätin aus dem Kanton St. Gallen und frühere Regierungsrätin, erhielt 154 Stimmen und tritt damit die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann an. Die CVP-Frau Viola Amherd wurde eher überraschend ebenfalls bereits im ersten Wahlgang mit 148 Stimmen gewählt. Sie folgt auf Doris Leuthard. Die beiden Frauen setzten sich gegen die parteiinterne Konkurrenz von Hans Wicki (FDP) und Heidi Z'graggen (CVP) durch. Bei der FDP galt die 54-jährige Karin Keller-Sutter schon zuvor als Favoritin. Die Wilerin ist gelernte Konferenzdolmetscherin und Berufsmittelschullehrerin. Heute ist sie Berufspolitikerin. 2010 hatte die Ständeratspräsidentin Keller-Sutter gegen Schneider-Ammann noch verloren. Vor acht Jahren fuhr sie in St. Gallen eine strenge Linie gegen Hooligans und Asylbewerber. Die Berufspolitikerin hat einen 15-jährigen, gehörlosen Jack Russell Terrier namens Picasso, der ein Glasauge trägt. Keller-Sutter steht auf Punk-Musik, ihr politisches Vorbild ist Margaret Thatcher, die ehemalige Premierministerin Grossbritanniens. Im Schatten von Keller-Sutter stand Hans Wicki. Der 54-jährige Nidwaldner Ständerat sass sechs Jahre lang in der Nidwaldner Regierung, bevor er 2015 in den Ständerat gewählt wurde. Er ist Unternehmer und hat in Zürich Wirtschaft studiert. Wicki wäre der erste Nidwaldner gewesen, der es in den Bundesrat geschafft hätte. Wie Keller-Sutter sitzt er in verschiedenen Verwaltungsräten. Er ist der einzige der vier Kandidaten, der Kinder hat. Seine 20-jährige Tochter und sein 19-jähriger Sohn seien mit der Kandidatur einverstanden gewesen, sonst hätte er sich nicht zur Wahl aufstellen lassen, so Wicki. Er gehört wie Karin Keller-Sutter zu den linientreuen FDP-Parlamentariern und gilt als wirtschaftsliberal. Er befürwortet beispielsweise eher die automatische Organspende, lehnt aber eher das Adopotionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare ab. Bei der CVP war die Sache weniger klar, aber die 56-jährige Walliser Nationalrätin Viola Amherd galt von Anfang an als Favoritin, weil sie als ehemalige Stadtpräsidentin von Brig bereits Regierungserfahrung vorweisen konnte. Die als Anwältin und Notarin tätige Walliserin erhielt in den letzten Woche viel Medienpräsenz. Dabei gnig es vor allem um diverse zweifelhafte Geldgeschäfte. Amherd lebt allein, aber in der gleichen Überbauung wie ihre 14 Jahre ältere Schwester und deren Tochter. New York ist laut eigenen Angaben die Lieblingsstadt der CVP-Politikerin. Mit einem ehemaligen Schulkollegen sei sie schon sehr oft dort gewesen. Die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen verfügte als einzige der möglichen CVP-Kandidaten über kein Mandat im Bundeshaus. Sie unterlag Amherd bereits im ersten Wahlgang. Die 52-jährige Justizdirektorin arbeitete zuerst mehrere Jahre als Primarlehrerin, danach an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie ist mit einem ehemaligen Zürcher SVP-Kantonsrat liiert. An einer Podiumsdiskussion soll Z'graggen Folgendes über einen Fragesteller gesagt haben: «Dä isch en Depp.» Sie bestreitet die Äusserung vehement, es habe sich um ein akustisches Missverständnis gehandelt.

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Die Parlamentarier entscheiden am Mittwochmorgen über die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP). Am Vortag mussten die offiziellen Kandidaten von CVP und FDP zu den letzten Hearings antreten.

Während kaum mehr jemand an der Wahl von Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP) zweifelt, ist das Rennen um den CVP-Sitz offener – im ersten Wahlgang könnte gar Parteipräsident Gerhard Pfister einige Stimmen holen. SP-Präsident Christian Levrat sagt zum Duell zwischen der Walliser Nationalrätin Viola Amherd und der Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen: «Man sollte die Gipfeli für Amherd nicht zu früh bereitstellen.»

Die Favoritin

Karin Keller-Sutter (55): Die Strahlefrau der FDP machte in den letzten Wochen keine Fehler. Auch in den Hearings bei den Parteien überzeugte sie. Die grosse SVP-Fraktion stellt sich mehrheitlich hinter die Ostschweizerin, die für eine restriktive Migrationspolitik einsteht. Sie darf zudem auf den Frauen-Bonus zählen und wird auch von Links-Grün unterstützt. «Sie ist sehr rechts, aber man kann mit mit ihr an Kompromissen arbeiten», sagte SP-Fraktionschef Roger Nordmann gestern. In Bern ist man sich einig: Die Dolmetscherin ist fast schon gewählt.
Wahlchancen: 95 Prozent

Der Aussenseiter

Hans Wicki (54): Obwohl er als Ex-Regierungsrat über Exekutiverfahrung und auch über Führungserfahrung in der Privatwirtschaft verfügt, konnte er seiner Konkurrentin Karin Keller-Sutter nie gefährlich werden - keine Fraktion hat sich mehrheitlich für ihn ausgesprochen. Zu reden gaben vielmehr die bescheidenen Französischkenntnisse des zweifachen Familienvaters: Nach den Hearings weigerte sich der Nidwaldner, Fragen auf Französisch zu beantworten.
Wahlchancen: 5 Prozent

Die Vernetzte

Viola Amherd (56): Sie gilt als stille Schafferin, die anders als ihre Kontrahentin Heidi Z'graggen im Bundeshaus bestens vernetzt ist. Auch wenn ihre Wahl in der Wandelhalle kaum grosse Begeisterunsgsstürme auslösen würde, könnte die Juristin den freien CVP-Sitz dank des Heimvorteils ins Wallis holen. Während die Single-Frau von der SVP nur wenige Stimmen bekommen wird, konnte sich die SP am Abend vor der Wahl nicht zwischen Amherd und Z’graggen entscheiden. Sicher für Amherd stimmen werden die kleineren Mitteparteien und viele Grüne.
Wahlchancen: 60 Prozent

Die Herausforderin

Heidi Z’graggen (52): Vor ein paar Wochen kannte die Urner CVP-Regierungsrätin noch niemand. Dank ihrer Kandidatur konnte sie ihre Bekanntheit massiv steigern und den favorisierten Ständerat Peter Hegglin aus dem Feld schlagen. Unglücklich kommunizierte die Frau mit der Zahnlücke, als sie bei einem CVP-Anlass einen Fragesteller aus dem Publikum als «Depp» bezeichnete und es als «akustisches Missverständnis» abtat. Trotzdem haben sich offiziell nur die kleinen Mitteparteien BDP und GLP gegen sie ausgesprochen. Ihre Wahl wäre eine Überraschung, ist aber nicht mehr ausgeschlossen.
Wahlchancen: 40 Prozent

(daw)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Celine C. am 05.12.2018 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    wer gewählt wird spielt keine Rolle

    Das Einzige was wir aus Bern zu erwarten haben, sind noch mehr Gesetze und Verordnungen, um dem einfachen, arbeitenden Bürger in die Tasche zu greifen.

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  • Wähler am 05.12.2018 06:33 Report Diesen Beitrag melden

    Keine grauen Mäuse

    Amherd und Zgraggen sind für mich nicht wählbar. Es fehlt schlicht an Fähigkeiten, Austrahlung und Charisma. Wir benötigen Führungspersönlichkeiten im Bundesrat, die etwas bewegen wollen und können, Schlaftabletten wie Maurer und Parmelin haben wir bereits genug.

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  • Mike Zac am 05.12.2018 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BR-Wahlen sind langweillig

    als ob es in der Schweiz einen Unterschied macht wer BR wird. Die Politik bleibt immer dieselbe: antischweizerisch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna Noncicredo am 05.12.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Meine Güte, echt jetzt? Hier wurd aber auf hohem Niveau gejammert. Wenn Ihr wissen wollt, was « es geht mirwirklicj schlecht » heisst, geht mal in ein veliebiges Nachbarland oder, noch besser, in ein Land das zur dritten Welt gehört (was wir hier indirekt unterstützen). Wenn es Dir schlecht geht, dann wegen deinen eigenen, negativen Gedanken! All die guten Ratschläge und Kritik, die Du dem Bundesrat gibst: Gib sie mal Dir selber und geh mit gutem Beispiel voran! Das mach ich jetzt selber auch ;-)

  • Wie recht am 05.12.2018 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Fr Bundesrätin Leuthard

    doch hat: Diskutiert, debattiert miteinander - aber immer mit Respekt, riet sie der Bundesversammlung bei ihrer Abschiedsrede. Dieser Rat ist berechtigt, ist wichtig. Denn die teilweise abschätzigen, respektlosen Kommentare, die Vorurteile versprechen wenig gutes.

  • Gladiator am 05.12.2018 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Wahl

    Amherd CVP ist GEGEN einen Kündigungsschutz von über 55 jährigen Arbeitgebern. Ich hoffe sie wird nicht gewählt!

  • Not naivo am 05.12.2018 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Absprachen über Absprachen

    Wer glaubt, dass hier wirklich eine (Aus)Wahl besteht, täuscht sich gewaltig. Im Vorfeld wird eine Mehrzahl an Personen vorgestellt und es wird tagelang darüber berichtet. Bis alle das Gefühl haben, dass die Bundesversammlung zwischen verschiedenen Kandidaten entscheiden muss. Es ist von Anfang an klar, wer gewählt wird. Macht euch doch nichts vor.

    • S.Sch. am 05.12.2018 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Hand wäscht die Andere.....

      Genau das denke ich auch. Frau Zgraggen hatte keine Chancen weil sie im Bundeshaus zuwenig vernetzt und somit noch niemandem verpflichtet ist.

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  • Don Höfi am 05.12.2018 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue BR

    Die werden schon wissen welche zwei Personen in ihr Konzept passen um das Volk weiter auszupressen.