Abstimmung vom 23. Sept.

23. Juli 2018 05:40; Akt: 23.07.2018 07:56 Print

Macht «Fair-Food» alles viel teurer?

In zwei Monaten stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Fair-Food-Initiative der Grünen ab. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur Initiative.

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Worum geht es genau am 23. September?
Die Fair-Food-Initiative verlangt, dass der Bund das Angebot an naturnahen, tierfreundlichen und fair produzierten Lebensmitteln fördert. Dazu soll er für die Schweizer Produktion Vorgaben machen. Diese Standards sollen grundsätzlich auch für importierte Lebensmittel gelten. Die Einhaltung müsste überprüft werden. Zudem verlangt die Initiative, dass der Bund Massnahmen gegen Lebensmittelverschwendung trifft, Deklarationsvorschriften erlässt und die Auswirkungen des Transports auf die Umwelt reduziert.

Umfrage
Wie denken Sie über die Fair-Food-Initiative?

Wer steht hinter der Initiative?
Lanciert wurde die Fair-Food-Initiative im Jahr 2014 von den Grünen. Die Initiative wird von verschiedensten Organisationen aus Landwirtschaft, Konsumentenschutz, Entwicklungszusammenarbeit und Tierschutz unterstützt. Dagegen sind Bundesrat, Parlament, Economiesuisse sowie die grossen bürgerlichen Parteien. Der Bauernverband hat Stimmfreigabe beschlossen.

Was würde sich für den Konsumenten ändern?
Die Meinungen gehen bei dieser Frage weit auseinander. Die Initianten versprechen den Konsumenten höhere Lebensmittelqualität und eine gesunde Ernährung: Eier aus Massentierhaltung, Billig-Poulet aus Brasilien oder unter massivem Pestizideinsatz gewachsene Erdbeeren sollen nicht mehr in den Regalen landen – dafür mehr saisonale und regionale Produkte.

Für die Gegner ist der Konsument in erster Linie Verlierer: Seine Wahlfreiheit werde eingeschränkt und die Preise würden explodieren, der Einkaufstourismus noch stärker. «Wenn wir ihnen Schweizer Normen aufzwingen, werden viele ausländische Produzenten nicht mehr in die Schweiz exportieren wollen», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni.

Welche Argumente führen die Befürworter ins Feld?
In Spanien beispielsweise gibt es laut den Initianten riesige Treibhausplantagen, in denen hauptsächlich Migranten als Tagelöhner arbeiten – zu einem Hungerlohn von 2,50 Euro pro Stunde. Hier stehe auch die Schweiz in der Verantwortung. Mit der Initiative würden entlang der ganzen Lebensmittelkette faire Arbeitsbedingungen angestrebt. Die Vorlage bringe überdies mehr Transparenz bei der Produktedeklaration und verringere die Lebensmittelverschwendung. Heute landeten 30 Prozent der Lebensmittel im Müll. Dies entspreche der Ladung von 140’000 Lastwagen. «Wir wollen nicht mehr Regeln, sondern bessere Regeln, die Nachhaltigkeit und Qualität gezielt fördern», sagt Regula Tschanz, Generalsekretärin der Grünen Schweiz.

Welche Argumente führen die Gegner ins Feld?
Laut den Gegnern lässt sich die Initiative nicht umsetzen. So müsste im Ausland überprüft werden, ob die hiesigen Produktionsrichtlinien im Ausland eingehalten werden, was mit hohen Kosten verbunden sei. Laut FDP-Ständerat Andrea Caroni wäre «eine Armee von staatlichen Kontrolleuren» nötig, was die Produktpreise in die Höhe treibe. Economiesuisse befürchtet, dass die entstehenden Kontroll-Kosten vorwiegend durch den Steuerzahler übernommen werden müssten. Auch sei die Initiative nicht mit den Freihandelsabkommen vereinbar, die die Schweiz abgeschlossen hat.

Bekäme die Schweiz bei einer Umsetzung der Initiative Ärger mit der Welthandelsorganisation (WTO) oder der EU?
Ja, sagen der Bundesrat und Economiesuisse. Diverse internationale Abkommen würden verletzt, etwa das Freihandelsabkommen GATT im Rahmen der WTO, das gewisse Handelshemmnisse nicht zulässt. Das WTO-Recht basiert auf dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung. Produktionsbedingungen sind kein Rechtfertigungsgrund, den Import von bestimmten Waren zu behindern. Tomaten, die die international festgelegte Höchstmenge an Pestizidrückständen nicht überschreiten, müssen in jedem Fall zum Import zugelassen werden, selbst wenn die beteiligten Arbeiter ausbeuterische Löhne erhalten würden. Die Befürworter bestreiten dies. Die Initiative könne problemlos WTO-konform umgesetzt werden.

Partei-Parolen:
Ja: Grüne, SP, EVP
Nein: SVP, FDP, CVP
Ausstehend: GLP, BDP

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 23.07.2018 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair? Was ist fair?

    Was ist schon fair. Wie wäre es wenn wir einfach Geburtenkontrollen einführen würden. Dann hätten wir vielleicht die Überbevölkerung bald mal im Griff und das Ausbeuten unserer Ressourcen.

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  • Sehnsucht 6 7 am 23.07.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ofen?

    Und dafür braucht es eine Initiative? Wenn jeder nachhaltig einkauft und somit auswählt was er zu essen möchte bräuchte es diese Initiative nicht. Das ein Einfluss auf die Produktion im Ausland hat wage ich zu bezweifeln den genau das ist nicht kontrollierbar. Jeder Konsument ist kann etwas dafür tun. Solange es dem Konsumenten egal ist von wo die Lebensmittel kommen ( Einkauf im Nahen Ausland) ist die Initiative ein Schuss in den Ofen.

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  • Michel am 23.07.2018 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr...

    Eimal mehr....der Bund soll fördern und kosten darf es nix.....immer schön die Verantwortung abgeben anstatt bei sich selber anzufangen. Das Grundstein unserer westlichen Gesellschaft besteht nämlich aus der Wirtschaft und dass möglichst ein grosser Profit herausschauen soll....Fair, umweltfreundlich, human etc. sind nur Floskeln ohne Wert weil kein Profit auf dem Bankkonto erkennbar ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiri am 23.07.2018 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    ... ist die Initiative unrealistisch und nicht umsetzbar, kommt sie ja von den Grünen.

  • woabil am 23.07.2018 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Alle wollen Bio , artgerechte Tierhatung ohne Medizin. Obst ohne Pestiziede und ander Gifte. Schonende Landwirtschaft natürlich auch. Und dann, ja dann gehen SIE ins Auland einkaufen. Weil es BILLIGER ist.

  • Alexander Uster am 23.07.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair und Nachhaltig?

    jeden Abend frisch für den zNacht einkaufen und die Reste am nächsten Tag zum zMittag mitnehmen. Bio statt Billig. ABER eben: ein Wocheneinkauf und dann 1/3 wegschmeissen, Erdbeeren an Ostern, täglich Fleisch, alles in Plastik verpackt, etc. Da nützt die Initiative rein gar nichts...

  • max62 am 23.07.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung.

    Ich hoffe das wird angenommen, vielleicht werden dann mal ein paar wach. Und ich muss garnicht mehr darüber nachdenken ob es lohnt im Ausland einzukaufen.

  • Roger am 23.07.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deklaration

    Früchte und Gemüse und im Prinzip alle Lebensmittel sollten im Laden klar getrennt in inländische und ausländische Produktion aufgeteilt sein,somit würde auch jedem klar sein für was man den Preis zahlt!