HSBC-Informatiker

13. August 2015 17:43; Akt: 13.08.2015 18:22 Print

Datendieb Falciani kommt im Oktober vor Gericht

Dem ehemaligen HSBC-Informatiker wird unter anderem wirtschaftlicher Nachrichtendienst vorgeworfen. Unklar ist, ob Falciani tatsächlich vor Gericht auftaucht.

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Hat angekündigt, vor Gericht zu erscheinen: Hervé Falciani bei seiner Anhörung zur möglichen Auslieferung in Spanien. (15. April 2013)

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Der flüchtige mutmassliche Bankdatendieb Hervé Falciani muss sich nach Informationen der «Neuen Zürcher Zeitung» ab dem 12. Oktober vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten.

Dem ehemaligen Informatiker bei der Schweizer Tochter der Bank HSBC in Genf wird wirtschaftlicher Nachrichtendienst vorgeworfen. Zudem werden Falciani die Verletzung des Geschäftsgeheimnisses, Bankgeheimnisverletzung sowie unbefugte Datenbeschaffung zur Last gelegt.

Daten kopiert

Laut der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft (BA) soll Falciani bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Daten kopiert und sie privaten Unternehmen und den Behörden anderer Staaten weitergegeben haben, darunter etwa an die französische Steuerbehörde.

Der französisch-italienische Doppelbürger soll die Daten ab Oktober 2006 bis zu seiner Befragung im Dezember 2008 auf eigene Datenträger kopiert haben. Falciani hat laut der BA auf diese Art persönliche und finanzielle Informationen über Bankkunden zusammengetragen.

Im Ausland ein Held

Der Fall, der international für Aufsehen sorgte, kam mit einem Hinweis ins Rollen, wonach ein Mann und eine Frau versucht hatten, Bankdaten im Libanon zu verkaufen. Die BA eröffnete im Mai 2008 ein Strafverfahren.

Erst im Dezember 2008 wurde im Zuge von Hausdurchsuchungen in Genf die Identität des mutmasslichen Datendiebs gelüftet. Falciani floh nach einer Befragung ins Ausland und wurde dort vielerorts als Held gefeiert.

Spanien liefert ihn nicht aus

2009 wurde Falciani international zur Verhaftung ausgeschrieben. Im Sommer 2012 wurde er in Barcelona verhaftet. Nach wenigen Monaten in Auslieferungshaft wurde Falciani wieder entlassen. Im Mai 2013 entschied der spanische Gerichtshof, den Mann nicht an die Schweiz auszuliefern.

Die französischen Steuerbehörden nutzten Falcianis Daten, um gegen französische Steuerflüchtlinge vorzugehen. Als dies bekannt wurde, führte dies zu einer Krise zwischen Bern und Paris.

Der Streit wurde aber beigelegt. Frankreich willigte ein, die Daten zurückzugeben. Im Februar 2012 entschied die französische Justiz, dass die gestohlenen Daten nicht als Beweis gegen Steuersünder verwendet werden dürfen.

Urteil in Abwesenheit?

Der Prozess gegen Falciani soll bis am 20. Oktober dauern, wie das Bundesstrafgericht mitteilte. Der ehemalige Informatiker hatte nach der Anklageerhebung über verschiedene Medien angekündigt, vor Gericht erscheinen zu wollen. Es gehe ihm darum zu zeigen, dass die Schweizer Gesetze die Interessen ein paar weniger Financiers schützten und nicht jene der Schweizer Bürger, hatte er dies begründet.

Ob Falciani tatsächlich zu den Terminen erscheinen wird, ist aber unklar. Bleibt der Angeschuldigte fern, wird zunächst eine neue Verhandlung angesetzt. Sollte Falciani auch dann nicht erscheinen, wird er im Abwesenheitsverfahren beurteilt.

(rar/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dr. med. data am 13.08.2015 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    daten zurueckgeben..

    ...etwa per Mail? Pardon, als Download auf Dropbox...

  • Vespasian am 14.08.2015 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Non olet

    Wenn Zeugen in einem Mordprozess "umfallen", wird ein Bandenmitglied, der gemordet hat, nicht verurteilt, es ist illegal, weil die Zeugenaussage vor dem Gericht fehlt. Wenn die Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss einbricht und Beweise findet, duerfen diese nicht vor Gericht verwendet werden. Nur beim Steuergeld hoert die Rechtsstaatlichkeit auf. Rechtsstaatlichkeit ist umgekehrt proportional zur Geldsumme, um die es geht.

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  • Clever-Smart am 13.08.2015 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Verbrecher

    2012 entschied die französische Justiz, dass die gestohlenen Daten nicht als Beweis gegen Steuersünder verwendet werden dürfen. Alles klar. Die Richter, Staatsanwälte usw. haben ihr Schwarzgeld auch nicht so gut versteckt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nervensäge am 14.08.2015 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum muss man aus allem

    Ein Geheimnis machen. Dan seit ihr ja auch selber schuld wenn ihr Kontrolliert, bestohlen u.s.w. werdet. Wenn ihr nicht lehrnt offen zu Reden statt alles nur zu verstecken gäbe es viel weniger Probleme auf der Welt. Das ist keine Politik sondern eine riesen Frechheit. Gauner lehrnen von Gaunern und dass wird zu eurer Achilles Verse werden ändert ihr das nicht promt.

  • Juan Bumerang am 14.08.2015 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenmassnahmen

    Wenn Spanien internationale Haftbefehle der Schweiz ignoriert, dann ignorieren wir halt die Personenfreizügigkeit. Die Spanier finden sicher einen guten Job zu Hause!

    • Deliziosa am 14.08.2015 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      Informier dich doch

      Das liegt daran, dass er spanischer Bürger ist! Kein Land der Welt liefert Landsleute aus... Aber bevor man sich informiert lieber mal gegen die PFZ wettern! So kennen wir das ja..

    • Fr-It am 14.08.2015 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Deliziosa

      Dass der feine Herr auch noch die spanische Staatsbürgerschaft hat bezweifle ich... Gem. Artikel ist er französischer und italienischer Staatsbürger! Und ganz abgesehen davon wirst Du alle male ausgeliefert, wenn Du eine Straftat im Ausland begangen hast (ev. mit ein paar wenigen Ausnahmen, wo die Rechtsstaatlichkeit nicht gegeben ist)! Von dem her ist das Verhalten von Spanien inakzeptabel.

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  • Didier am 14.08.2015 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Diebe?

    Wer ist hier kriminell? Die Franzosen sind ja die absolut Besten und die Schweiz macht Dienst nach Vorschrift. Waren das nun Steuersünder oder nicht? Ein Bauernopfer wird gesucht aber was ist nun mit den Steuersündern? Ah, wir hatten ein Bankgeheimnis, wie lange eigentlich?

  • Tell am 14.08.2015 03:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    billiges Theater

    Die Schweiz hat alles verschlafen und möchte jetzt den kleinen Angestellten grillen.

    • Auge u. Auge am 15.08.2015 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja genau

      Alles okay wenn in Ihrem Haus eingebrochen wird, Wertsachen gestohlen werden und die Wohnung demoliert wird. Und der Widersacher kann ungestraft die Sonne im Süden geniessn.

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  • Vespasian am 14.08.2015 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Non olet

    Wenn Zeugen in einem Mordprozess "umfallen", wird ein Bandenmitglied, der gemordet hat, nicht verurteilt, es ist illegal, weil die Zeugenaussage vor dem Gericht fehlt. Wenn die Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss einbricht und Beweise findet, duerfen diese nicht vor Gericht verwendet werden. Nur beim Steuergeld hoert die Rechtsstaatlichkeit auf. Rechtsstaatlichkeit ist umgekehrt proportional zur Geldsumme, um die es geht.

    • Deliziosa am 14.08.2015 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas genauer

      Was meinst du mit umfallen? Wenn die Anklage nur auf einer Aussage aufgebaut ist, ist sie eh nichts wert! Sonst nennt mans Indizienprozess.. Meist gibts aber schon paar Beweise, denn trotz Aussage (da wahrscheinlich eine Gegenaussage besteht) gilt in dubio pro reo.. Die Polizei darf niemals ohne Durchsuchungsbefehl in eine Wohnung!! Macht sie in der CH übrigens auch nicht.. Wie du schon selbst schreibst, wäre es Einbruch!

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