Somalische Mädchen

07. Juni 2013 15:46; Akt: 07.06.2013 16:13 Print

Debatte über Kopftücher geht in die nächste Runde

Zwei Primarschülerinnen aus Somalia werden nach Hause geschickt, weil sie in der Schule Kopftücher tragen. Die Massnahme der Schulleitung Au-Heerbrugg SG hat die Kopftuch-Diskussion wieder entflammt.

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Ob Kinder im Unterricht Kopftücher tragen dürfen, wird meist den Schulen selbst überlassen. Das kann zu schwierigen Entscheidungen für die Leitung führen. (Bild: Keystone)

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Im St. Galler Rheintal hat die Leitung der Primarschule Au-Heerbrugg eine drastische Entscheidung getroffen. Silvia Maag von der Fachstelle Integration findet ihn nicht legitim. Zwei somalische Mädchen nach Hause zu schicken, weil sie in der Schule ein Kopftuch tragen, sei untragbar. Die Schule beruft sich auf ihre Schulordnung, die das Tragen von Kopfbedeckungen generell verbietet.

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Für Maag kein Argument: «Diese Kinder sind erst seit ein paar Monaten in der Schweiz, stammen aus einem Land, in dem es so etwas wie allgemeine Schulpflicht nicht gibt, sie wurden unterdrückt, waren rechtlos, flohen mit ihrer Familie vor Krieg und Zerstörung.» Dass man ausgerechnet solchen Mädchen das Recht auf Bildung nehmen wolle, sei vor dem Hintergrund des in der Verfassung festgeschriebenen Grundschulobligatoriums unerträglich. «Die zwei hatten noch keine Zeit gehabt, sich hier in der Schweiz einzuleben, aus diesem Grund ist ein Ausschluss von der Schule in diesem Fall nicht verhältnismässig.»

Maag war selbst Lehrerin: «Mir war es immer egal, ob Schüler Kopftücher oder Kappen trugen, wichtig war nur, dass ich Blickkontakt zu ihnen haben konnte.» Wir seien eine vielfältige Gesellschaft, diese widerspiegle sich auch in der Kleidung. «Dass sich alle an die Gesetze, an Recht und Ordnung halten, ist wichtig, aber eine komplette Assimilation kann man nicht erwarten», sagt sie.

Recht auf Bildung gegen Schulordnung

Auch Tilla Jacomet von der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende des Hilfswerks Heks spricht von Unverhältnismässigkeit: «Diese zwei Mädchen müssen zuerst ankommen, hier sollte Zeit, Geduld und Dialog im Vordergrund stehen.» Ausserdem stünden hier etliche von der Bundesverfassung geschützte Rechte, wie das Recht auf Bildung, die Religionsfreiheit, das Erziehungsrecht der Eltern und die freie Kleiderwahl einer Schulordnung gegenüber. «Pauschal zu sagen: Regel ist Regel, auf Teufel komm raus, wird der besonderen Situation der beiden Mädchen nicht gerecht.»

Ihrer Erfahrung nach brauchten Schüler, die erst seit kurzem in der Schweiz sind, Kontakt zu Gleichaltrigen, dies sei sowohl für die sprachliche als auch für die kulturelle Integration wichtig. «So wird den zwei vielleicht auch bewusst, dass ihnen das Kopftuch gar nicht so wichtig ist», sagt Jacomet. Eine schweizweite Regelung im Bezug auf das Kopftuchtragen hält Jacomet aber für unnötig. «So viele Fälle gibt es nicht, dass wir ein Gesetz brauchen.» Ihrer Meinung nach finden die meisten Schulen pragmatische Lösungen für solche Fälle.


«Gesamtschweizerischer Entscheid wäre super»

Der Schulpräsident der Primarschule Au-Heerbrugg, Walter Portmann, sieht das anders: «Ein gesamtschweizerischer Entscheid wäre super», sagt er. Die Diskussion über Kopftücher komme immer wieder auf, mit einer solchen Regelung wäre diese ein für alle mal vom Tisch. Auch eine kantonale Grundlage würde er gutheissen. «Aber der Kanton St. Gallen scheut sich in diesem Punkt eine Entscheidung zu treffen.»

Somit bleibe die Verantwortung bei der Schule und das könne zu unverhältnismässigen Reaktionen führen, wie jener an seiner Schule. «Es stimmt, wir hätten den Mädchen mehr Zeit geben müssen», sagt er. Es sei noch zu früh gewesen, die Schulordnung durchzusetzen zu wollen. «Ich möchte aber klar stellen, die Mädchen wurden nicht von der Schule ausgeschlossen. Sie besuchen am Morgen in einer Kleinklasse den Deutschunterricht und dürfen ihr Kopftuch tragen, nur im Regelunterricht am Nachmittag wollten wir, dass sie ihre Kopfbedeckung abnehmen.»

Ähnlicher Fall derzeit beim Bundesgericht

Am Freitag hat sich nun auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) zum Fall in St. Gallen geäussert. Die Haltung der Rheintaler Schule sei «islamophob und verfassungswidrig.» In seiner Mitteilung erinnert der IZRS an einen anderen Kopftuch-Fall in der Ostschweiz, der zurzeit beim Bundesgericht hängig ist.

In Bürglen TG wurde 2011 zwei albanischen Mädchen das Tragen eines Kopftuchs verboten. Deren Familien wehrten sich gegen den Entscheid der Schule und bekamen vom Thurgauer Verwaltungsgericht Recht. Mit dem Weiterzug vor das Bundesgericht will die Thurgauer Schule nun genau einen solchen Grundsatzentscheid erwirken, den sich Schulpräsident Portmann wünscht.

(tab/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Müller am 09.06.2013 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Maag hat unrecht!

    Ich teile die Auffassung von Frau Maag nicht, denn niemand will diesen Kindern den Unterricht verbieten. Wir sprechen hier ja nicht über ein Unterrichtsverbot sondern über ein Kopftuchverbot.

  • M.Sensendengler am 09.06.2013 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Volksentscheid

    Lasst das Volk entscheiden, dann ist die Sache klar. Wie bei den Minaretten.

  • Rolli Anderegg am 09.06.2013 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Religion ist Privatsache

    Für die Richtigkeit des Islams gibt es aber auch keinen Beweis. Religion ist Privatsache, darum hat man ja Kruzifixe aus den Schulen verbannt, damit der Staat eben zu privaten Belangen kein Statement abgibt. Konsequenterweise lässt das dann auch den Umkehrschluss zu, dass man als Muslima auch nicht staatlichen Raum für private Zwecke ( islamisches Kopftuch) missbrauchen darf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Sensendengler am 09.06.2013 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Volksentscheid

    Lasst das Volk entscheiden, dann ist die Sache klar. Wie bei den Minaretten.

  • L. Minko am 09.06.2013 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Staat und Religion (auch Schule)

    Sollten getrennt sein! Jedoch hat das Mädchen ein Kopftuch an und nicht die Schule! Ich meine damit könnte ich doch sagen dass die Schüler keine Kreuze mehr tragen dürfen, oder? Nein, das Kreuz am Hals bleibt Privatsache (ich weiss viele tragen dies aus modischen Zwecken, aber trotzdem), genau das gleiche kann man über das Kopftuch sagen, es ist privatsache und das Mädchen sollte es im Untericht tragen dürfen!

    • Tommy am 09.06.2013 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      geht gar nicht um Religion

      Der ursprüngliche Entscheid der Schule hatte gar nichts mit Religion zu tun! Eigentlich geht es ja darum, dass Kopfbedeckungen im Unterricht in dieser Schule ganz klar verboten sind. Und dazu gehören Kopftücher genau so wie Caps, Wintermützen oder Zylinder auch! Die Schule machte nichts anderes als alle Schüler nach den gleichen Regeln zu behandeln!!! Die ganze Diskussion um Trennung von Staat und Religion, Islamophobie etc. fing erst an als die Medien den Fall aufgegriffen haben.

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  • Atheist am 09.06.2013 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Haben wir jetzt schon Angst vor Kopftüchern? Wie soll denn die Integration aussehen? Sollen alle zum Katholismus konvertieren und ein Kreuz tragen? Integration beinhaltet gegenseitige Akzeptanz!

    • Tommy am 09.06.2013 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      Katholizismus?

      Nur etwa 40% der Bevölkerung sind auf dem Papier überhaupt Katholiken, und davon ist wohl nicht einmal die Hälfte praktizierend. Integration heisst hier einfach, dass man aufhört sich um Religion zu scheren! Die grosse Mehrheit der Schweizer ist einfach auf dem Papier christlich und glaubt wohl auch an Gott, geht aber nur für Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen etc. in die Kirche und praktiziert die Religion sonst nicht. Wenn sie das genau so handhaben würden, wäre das viel integrierter, als wenn sie praktizierende Christen würden.

    • Eduardo am 09.06.2013 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja

      Somalien ist auch nicht die Schweiz. Die Schweiz möchte ein freies Land.

    • kral dadas am 09.06.2013 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja auch

      ist das eure Demokratie?

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  • Rolli Anderegg am 09.06.2013 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Religion ist Privatsache

    Für die Richtigkeit des Islams gibt es aber auch keinen Beweis. Religion ist Privatsache, darum hat man ja Kruzifixe aus den Schulen verbannt, damit der Staat eben zu privaten Belangen kein Statement abgibt. Konsequenterweise lässt das dann auch den Umkehrschluss zu, dass man als Muslima auch nicht staatlichen Raum für private Zwecke ( islamisches Kopftuch) missbrauchen darf.

    • Muslim am 09.06.2013 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Islam ist Frieden

      Doch natürlich: Der Urknall ist wohl eher der entscheidenste Beweis im Koran... Ich könnte weitere aufzählen, aber es ist ja Tabu den Islam zu presen, vielmehr ist es doch "Gut und Schön", den Islam als Falsch, Verlogen zu bezeichnen. Ich nenne das Hetze, die Presse nennt das "Islamkritik"...

    • Tommy am 09.06.2013 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Muslim

      Ich nenne das Meinungsfreiheit! Und wie du auf die Idee kommst, der Urknall sei ein Beweis für den Islam ist mir schleierhaft. Aber du kannst den Islam preisen so viel du willst, wir sind ja in einem freien Land. Deshalb darf ich den Islam (und all die anderen mittelalterlichen Religionen) auch kritisieren so viel ich will!

    • Walt am 10.06.2013 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      Islam ist Frieden? Ich meine: Nein!

      @Muslim Kanns Du das mal mit Fakten begründen? Was hat der Islam z.B. in den letzten 5 Jahren für den Frieden getan?

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  • A. Müller am 09.06.2013 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Maag hat unrecht!

    Ich teile die Auffassung von Frau Maag nicht, denn niemand will diesen Kindern den Unterricht verbieten. Wir sprechen hier ja nicht über ein Unterrichtsverbot sondern über ein Kopftuchverbot.