Nationalratskommission

10. Mai 2012 22:01; Akt: 10.05.2012 22:11 Print

Delfine dürfen nicht mehr importiert werden

Der Tod von zwei Delfinen im Connyland hat die Diskussion angeheizt. Jetzt stellt sich die Nationalratskommission hinter den ständerätlichen Entscheid, den Import von Delfinen zu verbieten.

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Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

Das Delfindrama im Connyland in Bildern.

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Delfine sollen in der Schweiz weiterhin gehalten werden dürfen. Die Tiere sollen aber künftig nicht mehr importiert werden. Für diese Version hat sich nach dem Ständerat auch die vorberatende Kommission des Nationalrates ausgesprochen.

Der Nationalrat hatte sich ursprünglich dafür ausgesprochen, die Haltung von Delfinen gänzlich zu verbieten. Damit hätte das Connyland im Kanton Thurgau seine verbliebenen Delfine nicht behalten können. Der Ständerat entschied sich dann für das Importverbot.

Er forderte die vorberatende Nationalratskommission auf, die Frage nochmals vertieft zu prüfen. Die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) hat dies getan - und sich dem Ständerat angeschlossen, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Keine artgerechte Haltung möglich

Die Mehrheit sei weiterhin überzeugt, dass Delfinarien und Zoos dem grossen Bewegungsbedürfnis der Delfine und Wale sowie den Ansprüchen dieser Tiere an einen artgerechten Lebensraum nicht entsprechen könnten, schreibt die Kommission. Daher halte sie ein Importverbot für sinnvoll.

Die Kommission prüfte auch eine weitere Version. Demnach sollte eine Bewilligung für die Haltung von Walen und Delfinen nur dann erteilt werden, wenn ein Gutachten einer vom Bundesamt für Veterinärwesen bestimmten Fachperson nachgewiesen hätte, dass die Einrichtung eine tiergerechte Haltung ermöglichen würde. Dies lehnte die Kommission jedoch mit 12 zu 9 Stimmen bei 2 Enthaltungen ab.

Anliegen erfüllt

Weiter empfiehlt sie dem Nationalrat, einer Petition von Ocean Care und weiteren Organisationen keine Folge zu geben. Die Organisationen verlangen ein Verbot des Handels mit Delfinen und Walen sowie des Neubaus von Delfinarien. Mit dem Importverbot sei das Anliegen weitgehend erfüllt, schreibt die Kommission. Der Nationalrat wird in der Sommersession darüber befinden.

Der Bundesrat hatte sich gegen ein Import- oder Haltungsverbot gestellt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann warnte vor einer «Lex Connyland». Ein Verbot laufe der Konzeption der Gesetzgebung zuwider. Im Tierschutzgesetz würden Anforderungen an die Haltung der Tiere beschrieben.

In der Schweiz hält zurzeit einzig der Freizeitpark Connyland in Lipperswil TG drei Delfine. Im vergangenen Herbst waren innerhalb einer Woche zwei Delfine gestorben. Dies rief die Politik auf den Plan. Letztmals wurden 1989 und 1992 Grosse Tümmler in die Schweiz eingeführt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli der Pächter am 11.05.2012 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Räte hätten Wichtigeres zu tun!

    Unsere Räte dürfen sich nicht von Tagesaktualitäten und von emotionalen Fanatikern leiten und missbrauchen lassen. Sie sollten besonnen beraten. Ein solcher Beschluss nützt jetzt keinem der Delfine was. Die Menschheit hat grössere Probleme und die Delfinbevölkerung diverser Welt auch.

  • Pitt am 10.05.2012 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!!

    Endlich ein Schritt in die richtige Richtung! Hoffentlich geht dies noch einen Schritt weiter und verbietet die Haltung dieser Tiere bald gänzlich. Es freut mich, dass endlich erkannt wird, dass diese sensiblen Tiere extrem leiden in solch einer Tierhaltung. Wer schon einmal Delfine in freier Wildbahn beobachtet hat realisiert das erst richtig. ...Übrigens gilt das nicht nur für Delfine, wer möchte schon gerne eingesperrt sein...?

    einklappen einklappen
  • Evelyn am 11.05.2012 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gefangenschaft

    Gut, dann schliesst sämtliche Zoos und ähnliche Einrichtungen. Eine artgerechte Haltung ist für KEIN Tier gewährleistet, solange es in Gefangenschaft gehalten wird!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Evelyn am 11.05.2012 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gefangenschaft

    Gut, dann schliesst sämtliche Zoos und ähnliche Einrichtungen. Eine artgerechte Haltung ist für KEIN Tier gewährleistet, solange es in Gefangenschaft gehalten wird!!!

  • Ueli der Pächter am 11.05.2012 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Räte hätten Wichtigeres zu tun!

    Unsere Räte dürfen sich nicht von Tagesaktualitäten und von emotionalen Fanatikern leiten und missbrauchen lassen. Sie sollten besonnen beraten. Ein solcher Beschluss nützt jetzt keinem der Delfine was. Die Menschheit hat grössere Probleme und die Delfinbevölkerung diverser Welt auch.

  • Pitt am 10.05.2012 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!!

    Endlich ein Schritt in die richtige Richtung! Hoffentlich geht dies noch einen Schritt weiter und verbietet die Haltung dieser Tiere bald gänzlich. Es freut mich, dass endlich erkannt wird, dass diese sensiblen Tiere extrem leiden in solch einer Tierhaltung. Wer schon einmal Delfine in freier Wildbahn beobachtet hat realisiert das erst richtig. ...Übrigens gilt das nicht nur für Delfine, wer möchte schon gerne eingesperrt sein...?

    • Robo Bono am 11.05.2012 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Pitt

      Gilt das auch für Shrimps?

    einklappen einklappen
  • Gina am 10.05.2012 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Delfine

    Diese Tiere gehören nicht in Gefangenschaft. Es ist schon traurig genug, dass sie auf so grausame Art vorwiegend von den Japaner gejagt und getötet werden.