Hamburg

19. Oktober 2019 16:43; Akt: 19.10.2019 17:12 Print

«Im Idealfall wird das Quäl-Labor geschlossen»

von B. Zanni - Die brutalen Tierversuche des Labors LPT lockten zahlreiche Menschen in Hamburg auf die Strasse. Mit dabei war auch eine Schweizerin.

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Das Labor LPT in Mienenbüttel nahe Hamburg behandelt seine Versuchstiere mit grösster Brutalität, wie eine Undervocer-Recherche der Organisationen Soko Tierschutz und der Gruppe Cruelty Free International kürzlich zeigte. Nun wollen Tierschützer der Firma, zu deren Auftraggeber auch die Schweizer Inthera Bioscience AG gehört, das Handwerk legen.

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Video: Soko Tierschutz

An einem Protest mit dem Titel «Grossdemo gegen das Todeslabor LPT» am Samstagnachmittag in Hamburg forderte die Soko Tierschutz die Abschaffung von Tierversuchen und die Schliessung des LPT. Das Magazin «Deine Tierwelt» twitterte: «Es wird vermutlich die grösste Tierschutz-Demo aller Zeiten».

«Dass Labor aus Spass quält, ist unhaltbar»

Vor Ort war auch die Bündnerin Melanie Schumacher. «Soweit ich es einschätzen kann, laufen mehrere hundert Demonstranten mit», sagte sie zu Demonstrationsbeginn um 14 Uhr. Die 29-Jährige war am Freitagabend extra für die Demonstration nach Hamburg gereist. «Ich bin da, um den Tieren meine Stimme zu geben, die selber nichts dazu sagen können.»

Tierversuche an sich seien schon brutal genug, sagt Schumacher. «Dass dieses Labor die Tiere aus Spass noch mehr quält, ist unhaltbar.» Die Demonstration sei nötig gewesen, damit die Quälereien eine wirkliche Aufmerksamkeit erhielten. Es brauche andere Lösungen, um Medikamente zu testen. Als erster Schritt müsse man sicherstellen, dass in Versuchslaboren keine Tiere mehr gequält würden.

«Dieses Labor muss geschlossen werden»

«Die Tiere müssen in unserer heutigen Gesellschaft einen Stellenwert als fühlende und liebende Wesen bekommen», fordert die Demonstrantin. Im Idealfall werde das Labor nach der Demo geschlossen. Mit marschierte sie mit einem Plakat, auf dem steht: «Fortschritt durch Tierversuche ist wie Frieden durch Atombomben!»

Auch Patricia Mönch aus Hannover nahm an der Demo teil. «Dieses Labor muss geschlossen werden. Was dort vorgeht, ist unter aller Menschenwürde», sagt die Hundetrainerin. Dieses Labor solle endlich schliessen, fordert sie. «Wir hoffen, dass wir mit unseren Stimmen die Leute zur Vernunft bringen und alle Menschen aufwachen», so die 35-Jährige.

Patricia Mönch erhebt ihre Stimme:

«System Tierversuch kennt keine Individuen»

Die Demonstranten waren bunt durchmischt. «Ich habe Leute jeden Alters gesehen – von fünf- bis zu Achtzigjährigen», sagt Mönch. Mit Verweis auf die Hamburger Polizei berichteten deutsche Medien von 2500 Demo-Teilnehmern. Am späteren Nachmittag wuchs die Zahl auf 7300 Demonstrierende an.

Ein Mitglied der Soko Tierschutz hielt an der Demo eine Rede. «Das System Tierversuch kennt keine Individuen. Es ignoriert die Bedürfnisse von Tieren systematisch. Es zählen nur ihr Körper, ihre Organe, ihr Blut – ihr Material.» Am Ende der Rede skandierte sie mit den Teilnehmern: «Tierversuche gehören abgeschafft!»

Sehen Sie das Video der Rede hier:

Die Demonstranten fordern, dass das Labor geschlossen wird:

Die «Hamburger Morgenpost» berichtet von einer friedlichen Demonstration. Um 17 Uhr endet der Protest. Anschliessend ist ab 19 Uhr direkt vor den Türen des Versuchslabors eine Mahnwache geplant.