Suchen und verhandeln

24. Dezember 2011 10:42; Akt: 24.12.2011 10:52 Print

Den Kantonen fehlt der Platz für Flüchtlinge

Kantone und Gemeinden versuchen intensiv, Platz für Asylsuchende zu schaffen. Hotels, Zivilschutzanlagen und selbst Abbruchhäuser werden inzwischen als Unterkünfte genutzt – nicht immer reicht das.

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Bis Ende November wurden in der Schweiz 20'016 Asylgesuche eingereicht: Asylbewerber in der Unterkunft Coteau-Fleuri. (Bild: Keystone)

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Viele Kantone und Gemeinden in der Schweiz suchen derzeit Unterkünfte für Asylsuchende. Obwohl um die 2000 Plätze in den vergangenen Monaten neu eingerichtet wurden, ist der Bedarf nicht überall gedeckt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur SDA bei den Kantonen zeigt.

Die Zahl der Asylgesuche steigt. Nicht nur beim Bund, sondern auch in mehreren Kantonen gibt es zu wenig Unterkünfte für Flüchtlinge. Doch weggeschickt werde niemand, hiess es überall. Die meisten Kantone geben an, nach zusätzlichen Plätzen zu suchen. Widerstand gibt es zwar gegen Projekte, aber längst nicht überall.

Vollständige Zahlen waren nicht in allen Kantonen erhältlich. Insgesamt haben Kantone und Gemeinden mehr als 24 000 Plätze zur Verfügung, neben den 1600 bis 1800 Plätzen in den Empfangszentren des Bundes. Bis Ende November wurden landesweit 20 016 Asylgesuche eingereicht; im ganzen 2010 waren es 15 567 gewesen.

Suchen und zusammenrücken

Suchen und verhandeln lautet die Devise für die Schaffung neuer Asylunterkünfte. Gruppenunterkünfte, Hotels, Zivilschutzanlagen, Wohnungen und selbst Abbruchhäuser werden genutzt. Mancherorts werden in bestehenden Unterkünften zusätzliche Betten aufgestellt.

Bern zum Beispiel hat seit Juli 484 neue Plätze eingerichtet, wie es beim Kantonalen Amt für Migration hiess. Die Problematik um Plätze spitze sich zu. Der Migrationsdienst arbeite mit «lösungsorientierten Gemeindevertretern zusammen», damit im ersten Quartal 2012 weitere Plätze angeboten werden könnten.

In Basel-Stadt reiche das Platzangebot nicht, sagte Renata Gäumann, zuständig für die Koordination des Asyl- und Flüchtlingswesens. Die 90 zusätzlichen Plätze in einer Zivilschutzanlage seien nur eine Notlösung. Die von der SVP zur Diskussion gestellte Asylunterkunft in einem Hotelschiff auf dem Rhein lehnte der Grosse Rat ab.

Der Stadtkanton bräuchte laut Gäumann 80 bis 100 weitere Plätze. Vor der Realisierung steht ein Projekt mit 50 Plätzen. Keine Engpässe hat Basel-Landschaft. Zürich hat ehemalige Unterkünfte für Asylsuchende wieder eröffnet und dort 200 Plätze eingerichtet. Ob der absehbare Bedarf gedeckt ist, konnte der Kanton nicht sagen.

St. Gallen: Früher in die Gemeinden

St. Gallen hat in einer Jugendherberge 58 befristete Plätze neu geschaffen. Wegen Platznot könnten Asylsuchende in den fünf kantonalen Zentren weniger lang bleiben als die vorgesehenen sechs Monate. Sie würden früher auf die Gemeinden verteilt, sagte Roger Hochreutener, Geschäftsführer der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten.

Von Schwierigkeiten berichten die Sozialen Dienste im Kanton Zug: Wegen der enormen Bautätigkeit im Kanton gebe es fast keine Abbruchliegenschaften mehr. Asylsuchende beziehen in Zug meist solche Gebäude, bevor diese niedergerissen werden.

Widerstand gegen Projekte

Obwalden hat seine Gemeinden beauftragt, Standorte für Notunterkünfte respektive Wohncontainer zu suchen. Auch Zivilschutzanlagen werden geprüft. Auf solche Anlagen greifen auch mehrere Westschweizer Kantone zurück. In der Waadt wurden einige Menschen wegen Platzmangels in Hotelzimmern einquartiert.

In Luzern, wo die seit Anfang Jahr 186 neu geschaffenen Plätze für den absehbaren Bedarf nicht ausreichen, sind weitere Objekte in Abklärung. Sobald die betroffenen Gemeinden begrüsst würden, gebe es Widerstand, hiess es bei der zuständigen Stelle des Kantons.

Politischen Widerstand gibt es im Kanton Wallis. Im November unterstützte das Kantonsparlament eine Motion der Freisinnigen für eine Totalrevision des Asyl- und Ausländergesetzes. Die SVP und ihre regionalen Sektionen haben Unterschriften gesammelt gegen geplante Unterkünfte in mehreren Gemeinden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remo am 24.12.2011 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein platz = ausgebucht?

    hm, ist das nicht so, dass wenn es kein platz mehr hat, dass wir genug asylsuchende bereits beherbergen...???

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  • Vedia am 24.12.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Medien schüren Angst v. Asylbewerbern

    Weil die Medien die Angst vor Ausländern schüren mit ihren ständigen Berichten über Kriminelle, steigt der Widerstand. Warum bringen dieselben Medien aus Gründen der Balance nicht wenigstens gleich viele Berichte über dankbare und anständige Asylbwerber? Wo es doch davon VIEL MEHR als Kriminelle gibt? Zu wenig reisserisch? Medien interessieren sich nicht für Menschenrechte oder Gerechtigkeit, nur für den eigenen Marktwert. Mindestens in der Schweiz tragen sie massgeblich zur Vermehrung von Hass und Angst im Umgang mit Hilfesuchenden bei.

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  • R. M am 25.12.2011 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Notunterkünfte

    Wo bleiben die NotUnterkünfte für die Schweizer Steuerzahler? Wenn das Jahrhundert Erdbeben in Basel kommt, wo gehen dann wir hin?

Die neusten Leser-Kommentare

  • A. am 27.12.2011 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox:

    Hier schreibt man von armen wirtschafts Flüchtlingen und Asylanten und ein paar Tage vorher schreibt man von betrunkenen und randalierenden Asylanten und Drogen, Handy und Geldfunden in Asylantenheimen. Was geht eigentlich ab hier? Schickt die doch wieder zurück! Die auf dem Bild haben die neuesten Kleider an, besten Schuhe und wenn sie randalieren, dann können sie gegen die Betonwände hauen. Wieso muss die Schweiz immer so viel Rücksicht nehmen, auf deren Wohlbefinden? Sie nehmen ja auch keines auf unseres?

  • atrix am 27.12.2011 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Reklamation.... ???

    Auch in unserer Zivilschutzanlage konnte man ein paar Flüchtlinge unterbringen. Als Dankeschön habe diese Reklamiert da unsere Zivilschutzanlage unter der Erde liegt. Ob das eine gerechtfertigte Anfrage ist?

  • Danny am 25.12.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Rückblick

    In den damaligen Ostblockstaaten (kommunistisch/sozialistisch) konnte die Regierungen, wärend der Wohnungsknappheit, Wohnungssuchende per Regierungs-Dekret einfach bei irgend jemandem zu Hause einquartieren. Ein Fremder wohnte plötzlich bei einem. Immerhin war es ein Mitbürger gleicher Kultur/Sprache. Mal sehen wie unsere "Humanisten" reagieren, wenn sie plötzlich einen Araber oder Afrikaner ins eigene traute Heim "gepflanzt" bekommen. Jemanden den man weder kennt, noch versteht. Es ist nicht auszuschliessen, dass sowas bei uns auch kommt. Was dann? Wird sicher interessant.

  • Jacqueline Moser am 25.12.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbarkeit

    Jede Zivilschutz- oder Militärunterkunft ist 100-mal besser als dort wo die Asylanten herkommen. Sollen aufhören zu jammern und froh sein dass sie bei uns ein Dach über dem Kopf und Essen haben. Wo ist da die Dankbarkeit? Ansonsten retour woher sie kommen.

  • Kirchensteuerzahler am 25.12.2011 01:48 Report Diesen Beitrag melden

    Christliche Hilfe

    In den Kirchen oder Kirchgemeindehäuser hätte es gegnügend Platz. Toiletten und Küchen sind vorhanden. Unter dem Schutz der Kirche wären sie gut aufgehoben und könnten dadurch die wahre christliche Hilfe erfahren!Auf ihr Pfärrer, handelt wie ihr predigt!