Gesundheitspolitik

26. Juni 2019 16:10; Akt: 26.06.2019 16:55 Print

Psychisch Kranke sollen schneller Hilfe bekommen

Eine Psychotherapie übernimmt die Krankenkasse nur, wenn sie von einem Arzt überwacht wird. Dies will der Bundesrat ändern.

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Schätzungen zufolge ist jeder dritte Schweizer im Laufe eines Jahres von psychischen Problemen betroffen, knapp jeder Zehnte ist depressiv. Vielen Betroffenen kann eine Psychotherapie helfen, doch der Zugang zu dieser ist nicht immer leicht. Das will der Bundesrat nun ändern. Am Mittwoch hat er deshalb eine Neuregelung der psychologischen Psycho­therapie in die Vernehmlassung geschickt.

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Seit zwanzig Jahren gibt es in der Schweiz das sogenannte Delegationsmodell. Psychotherapien werden nur dann von der Grundversicherung übernommen, wenn sie von einem Arzt, meist einem Psychiater, delegiert und beaufsichtigt sowie in dessen Räumlichkeiten durchgeführt werden. Ist dies nicht der Fall, muss der Patient die Kosten selbst tragen oder eine Zusatzversicherung abschliessen, die dafür aufkommt.

«Psychologen sind ebenso gut ausgebildet»

An besagtem Modell wird zunehmend Kritik geübt, auch von politischer Seite. Es sei veraltet, da der Beruf des Psychologen seit 2013 geschützt sei – so ein Vorwurf. Tatsächlich gibt das Gesetz heute vor: Psychologe darf sich nur nennen, wer erfolgreich eine entsprechende Ausbildung auf Master-Stufe abgeschlossen hat.

Im März hat die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) dem Bundesrat die Petition «Hürden abbauen – Behandlung psychischer Krankheiten sicherstellen» übergeben. In der Medienmitteilung wurde Christoph Adrian Schneider, Präsident des Schweizerischen Berufsverbands für angewandte Psychologie (SBAP), wie folgt zitiert: «Psychologische Psychotherapeuten sind in der Psychotherapie genauso gut ausgebildet wie Psychiater.»

Bundesrat rechnet mit 100 Millionen

Nun also hat der Bundesrat reagiert. Neu sollen psychologische Psychotherapeuten ohne ärztliche Aufsicht tätig sein können. Psychisch Angeschlagene können sich an einen Hausarzt wenden, der sie dann an einen Psychotherapeuten vermittelt. Diese ärztliche Anordnung ist ausreichend, damit die Grundversicherung für die Therapie aufkommt.

Mit dem neuen Modell könne sichergestellt werden, dass psychische Erkrankungen schneller behandelt werden, so der Bundesrat. In Notsituationen würde eine vorgängige Abklärung durch einen Psychiater hinfällig. Zudem könnte das einem drohenden Psychiater-Engpass entgegenwirken.

Laut Medienmitteilung geht der Bundesrat davon aus, dass neu Therapiekosten im Wert von rund 100 Millionen Franken von der Grundversicherung übernommen werden würden. Um diese Kosten zu kontrollieren, sollten die Hausärzte in einer ersten Anordnung nicht mehr als 15 Psychotherapie-Sitzungen verschreiben können.

Psychiater warnen vor sinkender Behandlungsqualität

Gegner der vom Bundesrat geplanten Änderung warnen unter anderem vor diesen steigenden Gesundheitskosten. In der NZZ schrieb Erich Seifritz, Präsident der Schweizerischen Vereinigung Psychiatrischer Chefärztinnen und Chefärzte SVPC, die Aufhebung des Delegationsmodells führe zu einer starken Trennung zwischen Psychiater und Psychotherapeuten sowie zu einer unkoordinierten Versorgung von Patienten. Um sämtlichen Betroffenen angemessen und wirkungsvoll zu helfen, sei die Zusammenarbeit zwischen den beiden Berufsgruppen unerlässlich. Die sinkende Behandlungsqualität würde den Patienten alles andere als zugutekommen.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pewte am 26.06.2019 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War zu erwarten

    Kein Wunder bei dieser Gesellschaft sowie bei dem Ungang mit mitarbeitenden..

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  • Patient am 26.06.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfällige Änderung

    Ich war gut ein Jahr in Trauma-Behandlung bei einem Psychologen. Immer wieder musste ich pro forma zum Psychiater, damit die Behandlung von der Kasse bezahlt wird. Das ist nichts als Geldverschwendung. Ausserdem ist es viel günstiger für die Allgemeinheit, psychische Probleme beim Auftreten zu bekämpfen anstatt jahrelange Folgeschäden. Deshalb müssen die Hürden tief sein.

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  • jb am 26.06.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine ahnung..

    leute die noch nie in psychischer behandlung waren, sollten am besten nichts zu diesem thema melden. ihr wisst ja gar nicht wie das ganze ab läuft, wie hilfreich diese ärzte sind und und. viele würden ohne diese hilfe, nicht mehr hier sein. würden ohne diese hilfe nicht mehr arbeiten können oder ein ,,normales,, leben führen. aber die jenigen, die es noch nie erlebt haben... es ist immer leicht zu reden, wenn man es selber noch nie erlebt hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ms.Mum am 29.06.2019 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe mein Leben. Darum bin nie psychische kra

    Leute die Liebeskummer hat, oder Herz gebrochen. Du musst immer denken, es gibt noch mehrere Frauen in diesem Welt, und nicht nur deine ex-Freundin / ex-Freund. Es kann sein Du bekommst eine Frau / ein Mann im Leben, die bessere, als deine ex-Freundin / ex-Freund, so muss in deinem Gedanken speichern, das Du deine Ex vergessen kann. Ich selber, bin sehr vorsichtig für eine neue Beziehung. Ich bin nicht Einsam oder traurig, weil ich kein Mann zu Hause. Ich habe mit mein Mann eine saubere Ehe. So ich will auch eine saubere Beziehung. Langsame Beziehung aufbauen ist besser, als schnell.

  • Ms.Mum am 29.06.2019 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir Menschen machen selbst Probleme

    Meine Grossmutter, hat immer gesagt. Probleme müssen wir kämpfen. Dein Problem darf nicht gewinnen. Wir verlieren viel im Leben, wenn du nicht kämpfen. Wenn du nur immer deine alten Sachen denken musst, wie deine Scheidung viel gekostet hat, oder Dein Herz gebrochen ist, Du stehst in Boden ohne Fassade. Probleme kommt nicht selber, sonder Probleme haben wir selbst gemacht. Heisst, wenn Du richtige gemacht in deinem Ehe oder in deine Beziehung, Probleme tritt nicht ein. Das ist gleich, wenn Du keine Schulden aufgenommen, dann hast sicher kein Problem. Problem hoch ist, kannst nich verarbeitet

  • Ms. Treu am 29.06.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe deine Leben. Das du gesund bleibt

    Ich lebe in der Schweiz mehrere Jahre. Viele Leute in der Schweiz, sind mit Probleme sehr schwach. Zum Beispiel: Scheidung, Mann / Frau Affäre, Beziehung die immer bricht, oder Beziehung die abgebrochen ist. Dies alles meisten Frauen und Männer, hat Schwierigkeiten die Sache zu verarbeiten. Solche Probleme muss du selbst beschützen, das Du nicht Psychische Krankheit bekommen. Psychische Krankheit, Belastung nicht nur Gedanken und Seele, sondern auch unsere Körper, dein Hobby, deine Arbeit und dann verlierst du deine Freunde. Im Leben muss man immer positiv denken.

  • Ms.Engel am 29.06.2019 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Leben muss stark sein.Unsere leben lieben

    Als mein Mann gestorben ist. Ich habe sehr grossen Probleme gehabt, weil meine beiden Stiefsöhne, hat mit mir Streit gemacht. Dafür meine beiden Stiefsohn sind sehr reche Mann, als ich. Beide hat ein eigenes Haus, viel Geld und Luxus Auto. Ich und meine Tochter, Miete nur Wohnung, haben wir nicht sehr viel Geld, das wir ein Eigentumswohnung kaufen können, Auto haben wir auch nicht. Meine beiden Söhne möchte mehr von mir. Beide will vielleicht gern, das ich und meine Tochter landete in Sozialamt. Dies alles bin stark geblieben, das ich nicht Krank werden.

  • Opfer vom System am 29.06.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts, zu Toxisch für unser Land

    Die Psychiater sind zuviel.