Rechtsextremismus

10. September 2018 05:42; Akt: 10.09.2018 16:57 Print

Schweizer Ex-Lehrer begeistert Neonazis

von D. Krähenbühl - Der Rechtsextreme Bernhard Schaub lebt in Deutschland und ruft von dort zum Sturz des Systems auf. Er sei in der Szene bestens vernetzt, sagen Experten.

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«Man muss nicht die Illusion haben, man könne mit demokratischen Mitteln das beseitigen, was Demokratie ist», sagt der Neonazi und Holocaust-Leugner Bernhard Schaub in einem Youtube-Video, das schon über 40'000-mal angeschaut wurde. Der Mitgründer und ideologische Vordenker der Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) und der mittlerweile aufgelösten «Europäischen Aktion» (EA) gibt im Video klar zu verstehen, warum er für die «deutsche Sache» und das «Deutschtum» kämpft: «Dass die Deutschschweizer auch Deutsche sind, ist das bestgehütete Geheimnis der Schweiz.»

Im Internet hetzt er in einem Text gegen «Mischlinge». Schaub tritt auch als Redner an Protestaktionen auf, etwa am 11. Februar 2017. Laut der «NZZ am Sonntag» wurde er vom Amtsgericht Dresden wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt. Er habe «das systematische Völkerrechtsverbrechen der Nationalsozialisten an den Juden» in Abrede gestellt, so ein Richter. Schaub hat das Urteil angefochten.

Knotenpunkt in der rechtsextremen Szene

Sei 19 Jahren hat Schaub nach eigenen Angaben keinen bezahlten Job mehr. Bei einer Rudolf-Steiner-Schule im Kanton Zürich, wo er arbeitete, wurde er entlassen. Offenbar benötigt der ehemalige Lehrer nun Geld. «Wer für einen guten Zweck spenden möchte, dem möchte ich ans Herz legen, Kamerad Schaub eine kleine Unterstützung zukommen zu lassen», schreibt Baldur Landogart, Mitglied im Parteivorstand der NPD bei einem Besuch Schaubs am 24. Juli 2018. Auf dem Facebook-Foto abgebildet sind zwei Julleuchter, Kerzenhalter aus Ton, die in der Zeit des Nationalsozialismus an SS-Soldaten verschenkt wurden.

«Schaub ist extrem gut in der Rechtsextremen-Szene vernetzt», sagt André Aden, Mitarbeiter des Projekts Recherche Nord und Kenner der rechtsextremen Szene Deutschlands. Schaubs Reden über den Umbruch der Gesellschaft, den Sturz des Systems und den Endsieg kämen bei seinen Zuhörern gut an. «Er ist einer der wichtigsten Personen in der Schweizer Rechtsextremen-Szene», sagt Aden. «In Deutschland und der Schweiz kennen ihn alle – und genau das macht ihn auch so gefährlich.» Die von ihm gegründete EA stand jahrelang auf dem Radar des deutschen Verfassungsschutzes.

Vorstellung eines «Endkriegs»

Sein Ziel sei der Sturz des Systems und ein «rassistisches, diktatorisch regiertes Europa», sagt auch der Journalist Hans Stutz, ein Kenner der rechtsextremen Szene. «Schaub ist ein Hardcore-Neonazi und hat innerhalb der intellektuellen Elite der Rechtsextremen eine führende Rolle inne.» Zwar sei nicht bekannt, wo er momentan wohne – auf seinem Hof in Mecklenburg-Vorpommern oder in Kreuzlingen, wo ein Briefkasten seinen Namen trage. Die Liegenschaftsverwalterin Bodensee Technologie & Trade Center AG, bei der der Briefkasten domiziliert ist, verweigert mit Hinweis auf den Datenschutz weitere Informationen.

Sicher sei, dass Schaub fordert, dass Personen aussereuropäischer Herkunft und Juden Europa verlassen müssen, sagt Stutz. «Die Vorstellung eines kommenden Kriegs um die Existenz Europas, um die Existenz des Europäers ist eine vorherrschende Vorstellung bei Rechtsextremen.»

«Rechtsextreme Bewegungen wurden unterschätzt»

Laut SP-Nationalrat Cédric Wermuth haben die Schweizer Behörden die Gefahr von rechtsextremen Bewegungen bis jetzt deutlich unterschätzt. «Nicht nur bei Schaub wurde sie unterschätzt, bei anderen Gruppen genauso», sagt Wermuth.

Auch einen Neonazi wie Schaub könne man in einer Demokratie, wo Meinungsäusserungsfreiheit gelte, nicht einfach wegsperren. Die beste Waffe gegen Extremismus sei daher Bildungsarbeit im Volksschulunterricht. «Eine liberale Gesellschaft muss aber damit leben können, dass man sie in Frage stellt», sagt Wermuth. Schaub war für 20 Minuten für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.