Folge des Hitzesommers

02. Oktober 2015 10:59; Akt: 02.10.2015 10:59 Print

Der Borkenkäfer frisst sich durchs Mittelland

Der Borkenkäfer profitierte von einem warmen Sommer und macht derzeit Waldbesitzern das Leben schwer. Vor allem die Kantone Aargau und Zürich sind davon betroffen.

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Der Borkenkäfer frisst sich derzeit durch die Wälder – am schlimmsten wütet er im Mittelland. «Bei Bedingungen wie in diesem Sommer sind wir praktisch machtlos», sagt Oliver Frey, Präsident des Aargauischen Försterverbands, zur «Aargauer Zeitung». Laut Förstern erlebt der Aargau gerade die stärkste Borkenkäferplage seit dem Hitzesommer 2003.

Grund dafür ist der heisse Sommer: Die Fichten, die der Borkenkäfer zum Fressen gern hat, sind durch die anhaltende Trockenheit geschwächt und können nicht genug Harz produzieren, um die Plagegeister fernzuhalten. Und hat sich der Borkenkäfer einmal in die Rinde gegraben, ist der Baum verloren: Er muss möglichst rasch gefällt und entrindet werden, um die Ausbreitung des Käfers zu vermeiden.

Zwei statt drei Generationen

In Zürich ist die Lage nicht so dramatisch wie im Aargau, dennoch sind derzeit so viele Bäume von Borkenkäfern befallen wie in den letzten fünf Jahren nicht mehr, sagt der Forstschutzbeauftragte des Kantons, Beat Kamm. Dabei gebe es grosse regionale Unterschiede. «Einige Förster sind derzeit stark damit beschäftigt, gegen den Borkenkäfer vorzugehen – bei anderen ist es ruhiger.»

Dank des nassen Mais gebe es dieses Jahr nicht drei Generationen Borkenkäfer, sondern nur deren zwei. Das entschärfe die Situation etwas, sagt Kamm. Mit 2003 ist die Situation nicht vergleichbar, da das Sturmholz von «Lothar» im Wald damals die Vermehrung der Borkenkäfer begünstigt habe.

Stark betroffen: die Region Surselva

Im Kanton Bern sagt der Waldschutzbeauftragte Walter Beer: «Der Borkenkäferbefall ist im Kanton Bern nicht so schlimm ausgefallen, wie wir erwartet haben.» Derzeit seien 8000 Kubikmeter Holz befallen. Beer: «Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hatten wir 600'000 Kubikmeter befallenes Holz.»

Auch der Kanton Graubünden blieb dieses Jahr von starken Borkenkäferbefall verschont. Einziger Ausreisser: «Gegenwärtig wird vor allem in der Region Surselva starker Borkenkäferbefall festgestellt», sagt Ueli Bühler vom Amt für Wald und Naturgefahren.

Endgültige Resultate erst im Frühjahr

Die gesamtschweizerische Situation erhebt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL jedes Jahr in einer Umfrage bei den Kantonen. Die Resultate liegen aber erst im Januar oder Februar vor. Beat Forster vom WSL: «Generell kann man sagen, dass im Mittelland und in Teilen des Juras der Käferbefall 2015 deutlich zugenommen hat, quantifizieren können wir diese Zunahme aber noch nicht.»

Ob der diesjährige Befall Langzeitschäden verursacht, ist laut Forster schwierig einzuschätzen und wird weitgehend von der Frühlings- und Sommerwitterung 2016 sowie von der Bekämpfungsstrategie der Kantone abhängen. Doch Forster glaubt nicht an eine Plage: «Einen so starken Befall wie 2003 erwarten wir in den nächsten Jahren nicht, da damals auch noch der Sturm ‹Lothar› günstige Bedingungen für die Käfervermehrung geschaffen hatte.»

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Forst Wart am 02.10.2015 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt sicher nicht

    ... das behaupten die Waldbesitzer seit 30 Jahren schon. Als ich die Forstwartlehre damals machen durfte, hiess es gar 2010. sei der Wald hierzulande weg, zumindesdie Fichtenarten ... da sieht man wie unnötig ein Forststudium eigentlich ist, wenn Erfahrung fehlt oder Besserwisserei aus den Plenarsäälen statt Feldarbeit wirken

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  • Walter Spahni am 02.10.2015 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Biologische Sensation!

    "Der Borkenkäfer frisst sich durchs Mittelland". Ich dachte, der Borkenkäfer frisst sich durch Holz?

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  • Martin Meier am 02.10.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig...

    Die Einträge hier sind schon witzig zu lesen. Von "Man muss halt aufräumen!" bis zu "Das alles stimmt gar nicht!" und "Natur einfach sein lassen!" Die Schweiz, das Land der 8 Mio Waldexperten. Nur das 95% noch nie eine Motorsäge in der Hand hatten oder eine Tanne nicht von einer Fichte unterscheiden können...

Die neusten Leser-Kommentare

  • HIS Schweiz am 03.10.2015 03:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Holz

    Ich komme aus der Holzindustrie und arbeite als Sager. Der Borkenkäfer ist ein Problem das lässt sich nicht schön reden. Viele die hier einen Kommentar abgeben verstehen von der Materie Holz wohl nicht soviel. Die Schweiz hat im Verhältnis zur Landesgrösse viel Wald, auf den können wir stolz sein und sollten dem entsprechend auch dazu schauen. Eine Schweiz ohne Wald wäre unvorstellbar! Und an alle die hier ihr Unwissen verbreiten; wenn man von etwas keine Ahnung hat, sollte man auch keinen Kommentar verbreiten mit Falschinfos.

  • Markus Rhinow am 02.10.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Waldsterben !!!

    Wie es schon vor 30 Jahren Franz Hohler verkündet hat: " Zuerst stirbt der Wald und dann der Mensch ". Die Leute in der Schweiz haben so wie es aussieht das Waldsterben vergessen, und nun kommt es hoffentlich wieder zurück, und gibt den Grünen noch ein paar zusätzliche Stimmen !

    • Helvetier am 03.10.2015 00:55 Report Diesen Beitrag melden

      Der Wald lebt.

      Vor dreissig Jahren wurde schon von der grünen Partei Prophezeit, dass 2010 die Bäume kahl sind. Alles nur Verschwörungstheorien. Durch solche Aktionen werdet ihr bestimmt keine stimmen bekommen.

    • Bart am 03.10.2015 01:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus Rhinow

      Schon vor 30 Jahren hiess es,der Käfer würde alles zerstören. War nicht so.Beim grünen Geschwätz könnte es diesmal klappen...erst die Käfer totquatschen,dann die Bäume.

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  • Dietrich Michael Weidmann am 02.10.2015 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Viecher nicht essen?

    Die Veganer werden wohl nicht begeistert sein, aber vielleicht könnte die Lösung darin bestehen, dass man die Borkenkäfer zu einer Paste verarbeitet und als Bortaufstrich verwendet ... - richtig gewürzt könnte das durchaus schmecken und wenn man den Leuten nicht sagt, was drin ist ...

    • Borkächäfer Schmatzschmatz... am 03.10.2015 01:04 Report Diesen Beitrag melden

      Käfer statt Vinyl!

      Oder wieder mehr Schallplatten pressen. Schellackplatten früher bestanden ja quasi auch aus gepressten Käfern. Wers nicht glaubt soll googeln!

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  • O. Stich am 02.10.2015 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DIE bewährte Lösung

    100kmh auf Autobahnen und Strassenverkehrssteuer anheben. Und ruckzuck verschwindet der Borki. (Vorsicht, dieser Kommentar kann Satire enthalten...)

    • Markus Rhinow am 02.10.2015 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      Die bewährte Lösung CO2 Abgabe !!

      Es wird endlich Zeit, dass auch unsere Bundesrätin Doris Leuthardt endlich aufwacht, und die CO2 Abgabe einführt, und zwar auf Benzin wie auf Kerosin. Die Verursacher des Waldsterbens und der Klimaerwärmung sollten endlich zur Kasse gebeten werden.

    • Eis Kool am 03.10.2015 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geld?

      Ach so, Geld rettet den Wald...

    • Organix am 03.10.2015 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus Rhinow

      Und auf alles was über Kerosin oder Benzinbetriebene Trandportmittel bei Ihnen auf dem Teller landet.

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  • SG am 02.10.2015 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Vielleicht wäre es gut, wieder vermehrt Mischwälder zu pflanzen.Die Monokultur ist sehr anfällig auf Parasiten und Krankheiten. Die Experten sollten lieber beim Sepp Holzer nachfragen, der kennt die Zusammenhänge.

    • walterli am 02.10.2015 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SG

      Das ist genau die Lösung ! Natürlicher Wald statt diese Tannen Rekrutenschulen

    • Markus Rhinow am 02.10.2015 22:54 Report Diesen Beitrag melden

      Mischwälder sind gut, aber nicht nur !!

      Ihr Vorschlag wieder vermehrt Mischwälder anzupflanzen ist eine gute Idee, aber hilft nur bedingt. Denn der Borkenkäfer geht nur in kranke Bäume, und daher wird es endlich Zeit, dass was gegen die Luftverschmutzung unternommen wird.

    • Reiner Luft am 03.10.2015 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus Rhinow

      Zur Beruhigung. Die Luft IST x mal sauberer als noch vor 20-40 Jahren. Zum Glück. Und CO2 ist keine Luftverschmutzung für den Wald, denn der profitiert davon, ist ja seine Nahrung, sprich lebensnotwenig.

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