Arbeitsgruppe eingesetzt

18. März 2011 17:51; Akt: 18.03.2011 17:52 Print

Der Bund plant die Ausbilung von Imamen

von Lukas Mäder - In der Schweiz ausgebildete Imame könnten Extremismus vorbeugen. Im Auftrag des Bundes nimmt sich eine Arbeitsgruppe der Imamausbildung in der Schweiz an.

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Der Imam Jelassi Radovan-Samir spricht im Oktober 2009 in einer Luganeser Moschee. (Bild: Keystone)

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Nach langem Hin und Her kommt Bewegung in die Planung einer Imamausbildung in der Schweiz. Ende März trifft sich erstmals eine Arbeitsgruppe, in der Imame, Professoren und Vertreter des Bundes vereinigt sind, um sich des Themas anzunehmen. Das bestätigt der Basler Rektor und Leiter der Arbeitsgruppe, Antonio Loprieno, gegenüber 20 Minuten Online. «Es geht darum, eine erste Auslegeordnung zu machen und die verschiedenen Erwartungen zu erfahren.» Bis im Sommer hofft Loprieno zu wissen, in welche Richtung die Arbeiten laufen werden.

Die Arbeitsgruppe hat ein Mandat des Staatssekretariats für Bildung und Forschung (SBF). Eine terminliche Vorgabe gibt es nicht. «Aber es gibt eine gewisse Erwartung, dass wir speditiv arbeiten», sagt Loprieno. Tatsächlich beschäftigen sich bereits seit Monaten verschiedene Stellen mit dem Thema. Ende 2009 wollte der Bundesrat das Thema an die Universitäten delegieren, was diese jedoch ablehnten. Daraufhin hat sich das SBF engagiert. An einem Treffen auf Einladung des Staatssekretärs Mauro Dell'Ambrogio im Oktober 2010 wurde schliesslich die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen. Es habe lange gedauert, um die richtige Formel für die Arbeiten zu finden, sagt Loprieno. Denn niemand sei wirklich zuständig für das Thema.

Bedürfnis nach Ausbildung besteht

Die Ausbildung von Imamen in der Schweiz könnte ein Beitrag zur Integration von Muslimen sein. Denn derzeit kommen die meisten Imame aus muslimischen Ländern. Dass sie oft die hiesigen Verhältnisse nicht kennen und keine ausreichenden Deutschkenntnisse haben, kann zu Konflikten führen. Eine Studie ergab im Sommer 2009, dass ein Bedürfnis nach einer lokalen Imamausbildung besteht. Die Frage ist, wer ein solches Angebot schaffen könnte: «Die Universitäten werden keine klassische Imamausbildung anbieten können», sagt Loprieno. Die Hochschulen seien nicht für die Berufsausbildung zuständig. Allerdings könnte laut Loprieno die islamische Theologie ein akademisches Thema sein.

Für Berufsbildung in der Schweiz sind die Fachhochschulen zuständig. Diese haben jedoch keinen offiziellen Vertreter in der Arbeitsgruppe. «Es ist vorstellbar, dass wird später Leute der Fachhochschulen hinzuziehen», sagt Loprieno. Da einer der Imame Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist, fliesse das Know-how bereits jetzt mit ein. Loprieno will die Kompetenzen der Fachhochschulen beispielsweise bei der Religionspädagogik nutzen - ebenso wie deren Erfahrungen aus bestehenden Angeboten. So führt die ZHAW derzeit zum zweiten Mal den Lehrgang Religiöse Begleitung im interkulturellen Kontext durch, an dem auch vier Imame teilnehmen. Loprieno anerkennt diese Pionierrolle: «Das Endprodukt wird vermutlich eine Mischung aus Kursen verschiedener Anbieter sein.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Nachforschee am 18.03.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht

    Warum sollte das Studium nicht erlaubt werden. Wer sich mal gründlich mit dem Islam, ich meine wirklich gründlich damit auseinander gesezt hat, merkt dass dieses projezierte feindbild nicht der wahrheit entspricht. Praktizierende Muslime ja, Radikale möchtegern Muslime nein, die haben wie die radikalen anderer Religionen nicht mit der Gemeinschaft zu tun.

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  • Max Huber am 19.03.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitgemäss

    Eine richtig weise Entscheidung! Dem Extremismus und dem Fundamentalismus zieht man die Zähne durch differenzierte Lehre. Hier hat der Staat eine Verantwortung. Glücklicherweise übernimmt die Schweiz diese, egal wie konservative, christliche oder freidenkende Schreier dagegen Sturm laufen werden.

  • MMalosin am 20.03.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt?

    die Ausbildung für Imame sollen die Muslime aus den Kirchen (Moscheensteuern) bezahlen. Dann ist es ok.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Verena am 21.03.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben

    Der Tag wird kommen, an dem auch der letzte unserer Wunschträumer eines friedlichen Zusammenlebens mit jedem und vor allem mit dem Islam merkt, was er mit seiner unverantwortlichen Blauäugigkeit anrichtet. Kaum zu glauben, dass unsere Elite einfach nicht wahrhaben will, was abgeht ! Diese Leute werden nichts unversucht lassen ihren ISLAM hier zur dominanten und alles Bestimmenden Religion zu machen. Unsere Schweizer Werte und Traditionen haben rein gar nichts mit dem Islam zu tun. Was kommt wohl als nächstes vom BR ? Schweizerkreuz abschaffen ?

    • Khalid b. T. am 21.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Wahrheit tut weh!

      Liebe Verena Leider sehen das viele Ihrer Lansleute und Europäer nicht ein. Ich weiss von was ich rede. Als Ex- Muslim, der sich vom Islam abgewand hat, wurde ich mit dem Tode bedroht und muss bis heute, hier in der Schweiz Anony leben. Auch von sog. "gemässigten" Muslime werde ich bedroht. Solange der Islam nicht dominiert werden wir keinen Frieden haben. Der Islam breitet sich nicht aus, wie behauptet, sondern vermehrt sich durch Geburten. Vielmehr ist es so, dass sich immer mehr Muslime vom Islam abwenden. Nur das verschweigen unsere Medien. Es gibt, hundertausende Ex-Muslinme, überall.

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  • pe.sche. am 21.03.2011 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Immer besser...

    Einfach nur bedenkenswert......

  • Biologe am 21.03.2011 06:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will Astronaut werden

    Ich möchte mich vom Staat als Astronaut ausbilden lassen. ist das möglich ?, dies aber hier in der Schweiz und zwar mit allen Geräteschaften.

  • MMalosin am 20.03.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt?

    die Ausbildung für Imame sollen die Muslime aus den Kirchen (Moscheensteuern) bezahlen. Dann ist es ok.

  • Toleranter Schweizer am 19.03.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Endilch ein vernünftiger Schritt!

    Dass an CH-Unis schon lange Theologiemit Steuergeldern gelehrt wird vergessen hier viele. Grundsätzlich bin ich als Agnostiker auch gegen die staatliche Subventionierung von Religionen, egal welcher. Solange aber der so Christentum so grosszügig unterstützt wird sollen auch die anderen Religionen gleichermassen gefördert werden. Gerade die Ausbildung von Imamen in der CH verhindert, dass radikale Imame, die in der arabischen Welt ausgebildet wurden hier predigen.