16000 Stunden sind genug

18. Januar 2012 11:49; Akt: 18.01.2012 17:09 Print

Der Bund sagt dem Stau den Kampf an

Mit mehreren Massnahmen will der Bundesrat den Verkehrsfluss auf den Schweizer Strassen verbessern. Diese sollen jedoch keinen Ersatz für einen langfristigen Ausbau der Nationalstrassen sein.

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Verkehrsministerin Doris Leuthard verteuert die Autobahnvignette. Sie kostet neu 100 Franken statt 40 wie heute. (Bild: Keystone)

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Im Kampf gegen Staus will der Bund auf Autobahnabschnitten mit viel Verkehr zeitweise die Höchstgeschwindigkeit reduzieren und Lastwagen das Überholen verbieten. Zudem sollen Pannenstreifen vorübergehend zu Fahrbahnen werden.

Im Jahr 2010 gab es auf Schweizer Nationalstrassen 16 000 Stunden Stau, über 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen will der Bund angehen. «Es wird weiterhin Staus geben, aber wir hoffen, dass wir den Verkehrsfluss verbessern können», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Sie hat das Bundesamt für Strassen beauftragt, verschiedene Massnahmen zur Staubekämpfung umzusetzen. So soll es Anlagen installieren, auf welchen eine vorübergehende Reduktion der Höchstgeschwindigkeit von 120 auf 100 oder 80 Km/h angezeigt werden kann.

Automatischer Befehl zur Temporeduktion

Gegenwärtig gibt es solche Verkehrsleitsysteme auf insgesamt 85 Kilometern. In den kommenden Jahren sollen die Anlagen schrittweise automatisiert und auf eine Gesamtlänge von 400 Kilometern ausgebaut werden. Autofahrerinnen und Autofahrer sollen die Geschwindigkeit auf rund 30 Prozent des Autobahnnetzes bei Staugefahr reduzieren müssen.

Die Forschung zeige, dass ein Autobahnabschnitt seine maximale Kapazität dann erreiche, wenn die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von rund 85 km/h unterwegs seien, schreibt das Verkehrsdepartement (UVEK). Eine schrittweise Reduktion der Maximalgeschwindigkeit reiche in vielen Fällen aus, um Staus zu verzögern und abzuschwächen.

Fahren auf dem Pannenstreifen

Als weitere Massnahme plant der Bund, bis 2020 Pannenstreifen auf rund 125 Kilometern umzunutzen. Ein Pilotversuch auf der A1 zwischen Morges- und Ecublens hat laut Leuthard gezeigt, dass die Folgen positiv sind. Kurzfristig ist die Umnutzung von Pannenstreifen im Raum Bern und auf der Umfahrung Winterthur geplant, mittelfristig sollen weitere Regionen dazu kommen.

Auf manchen Teilstrecken sollen Lastwagen zudem künftig bei hohem Verkehrsaufkommen nicht mehr überholen dürfen. Geplant ist weiter eine bessere Information der Autofahrerinnen und Autofahrer, etwa über Textanzeigen auf den Autobahnen.

Engpässe beseitigen

Es handle sich bei den Massnahmen nicht um einen Ersatz für Ausbauten und die Beseitigung von Engpässen, stellte Leuthard klar. Die Engpassbeseitigung werde aber Jahre in Anspruch nehmen. Ein erstes Paket hatte das Parlament 2010 beschlossen.

2014 soll ein weiteres Paket ins Parlament kommen. Die Räte werden dann entscheiden müssen, welche Projekte mit den noch verfügbaren rund 4 Milliarden Franken realisiert werden sollen. Für alle Engpässe wird es nicht reichen, wie das UVEK festhält.

Vignette wird teurer

Beschlossen hat der Bundesrat am Mittwoch, dass die Autobahnvignette künftig 100 Franken kosten soll. Neu soll es auch eine Zweimonatsvignette für 40 Franken geben. Der Bundesrat hält nach der Vernehmlassung an diesem Plan fest. Mit dem zusätzlichen Geld will er das Nationalstrassennetz erweitern.

Auf Anfang 2014 sollen zusätzliche Strecken im Umfang von rund 387 Kilometern ins Netz aufgenommen werden. Es handelt sich ausschliesslich um bereits bestehende kantonale Strassenverbindungen. Für diese Strassen - unter anderem jene zwischen Bern und Biel oder zwischen Bellinzona und Locarno - soll neu der Bund verantwortlich sein.

Mehrkosten von 305 Millionen

Der Bundesrat hat die Botschaft dazu ans Parlament geleitet. Insgesamt entstehen durch die Aufwertung der Strassen Mehrkosten von rund 305 Millionen Franken pro Jahr. 30 Millionen sollen die Kantone tragen, 275 Millionen der Bund.

Der Bundesrat will auch drei bedeutende Ausbauvorhaben übernehmen, welche die Kantone vorangetrieben haben. Es handelt sich um die Lückenschliessung der Zürcher Oberlandautobahn sowie die Umfahrungen von Le Locle und La Chaux-de-Fonds. Schliesslich will der Bundesrat die Glattalautobahn und die Umfahrung Morges ins Nationalstrassennetz aufnehmen. Dies sei nötig für die Engpassbeseitigung, hält das UVEK fest.

Der Vignettenpreis soll nicht auf Vorrat erhöht werden, sondern erst dann, wenn die Rückstellungen für die Finanzierung des Strassenverkehrs unter eine Milliarde Franken gesunken sind. Dies ist voraussichtlich 2015 der Fall. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer sei nicht vom Tisch, sagte Leuthard. Vorerst reiche aber die Verteuerung der Autobahnvignette.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel P. am 18.01.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach unmöglich

    Interessant. Immer mehr Leute in der Schweiz aber den Stau vermindern wollen. Lösung? Autofahren für Familien und Minderverdienende einfach unbezahlbar machen indem man Abgaben für Auto und Lebenserhaltungskosten überdurchschnittlich erhöht. Funktioniert.. Danke liebe Regierung!

  • Rorbert am 18.01.2012 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Und wer soll das bezahlen? Ich habe keine 60 Franken mehr Lohn erhalten!

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  • Kurt 18.01.12 am 18.01.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vin,100 Fr,

    Warum nicht wie im Ausland pro Abschnitt wird Bezahlt.Lastwagen die durch Dorf donnern Bezahlen eine Buse a 500 Fr,Ausbau 3 Spuren wie Italien eine Spur nur Lastwagen Stricktes überholverbot,Geschwindigkeit max,140Kmh,Das Land wird für den Ausbau enteignet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Raphael Meier am 19.01.2012 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uns gehts zu gut!

    Wer ein EFH hat und Auto ud wohl noch Doppelverdiener die hier sprechen, kann auch 60.- mehr zahlen. Uns gehts zu gut. Und wer die schweiz mit italien usw vergleicht der soll auch mal an die bevölkerungsdichte anschauen. In anderen ländern nimmt man 2h arbeitsweg locker in kauf. Nehmt doch die bahn. Ich will auto also zahl ich gerne auch 60.- mehr und würde auch noch mehr zahlen. Uns gehts zu gut!

  • Horvath Stefan am 19.01.2012 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vignette Personnengebunden

    Besser währe eine Marke auf den Führerschein, mit dieser ist man dann berechtigt die Autobahnen zu benutzen, egal was für ein Fahrzeug. Für Touristen eine befristete Vignette für ans Auto, nur nicht so teuer.

  • Roland Nägeli am 18.01.2012 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähigkeit

    Der Verkehr wird auch nie fliessen, solange das rechts Überholen verboten bleibt. Und vor Jahren haben wir darüber abgestimmt, dass wir auf unseren Autobahnen 120kmh fahren dürfen. Und jetzt wird durch die Hintertüre eine weitere Temporeduktion eingeführt. Das mit der Vignette soll ja wohl ein Witz sein! Dann sollen alle die eine Wechselnummer haben, die Vignette mit Folie an die Scheibe machen, so kann man sie einfach von Fahrzeug zu Fahrzeug wechseln...

  • Dani M am 18.01.2012 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Politiker

    Kann jemandem mir sagen wo fliest diesen Geld wo von MFK kassiert werd ? Auto Schild Ca 700 CHF , mfk 90 CHF Im Jahr und jetzt 100 CHF für vignette !!

  • Berufspendler am 18.01.2012 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Autobahn bitte 130km/h

    Von 120 auf 80km/h Sorry aber was für einen Sinn machen dann Autobahnen noch? Ist schon daneben das wir nicht 130km/h als Höchstgeschwindigkeit haben. Das ist reine schikane. Ich muss vom Job her nmit dem Auto zur Arbeit (mit öv nicht möglich).

    • Raphael Meier am 19.01.2012 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      130???

      Was bringt Tempo 130 bei der verkwhrsdichte bitte???? Wir sind an der Grenze der verkehrsbelastu g. Nehmen sie doch die Bahn!!

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