Wo die Wirtschaft sitzt

30. Mai 2011 11:46; Akt: 30.05.2011 15:25 Print

Der Politiker mit den 58 Mandaten

Auch wenn sie bei jeder Wahl weiter an Stimmen verlieren: In einer Rangliste bleiben FDP und CVP top – bei den Verwaltungsratsmandaten. Spitzenreiter ist der CVP-Nationalrat Paul-André Roux.

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Die beiden «Verliererparteien» FDP und CVP sind immer noch top. Zumindest in derjenigen Statistik, die die Fraktionen im Bundeshaus mit den meisten Verwaltungsratsmandaten ausweist. Da führt die FDP klar. Und auch in der CVP finden sich viele Mandatsträger. Insgesamt halten die Bundesparlamentarier aktuell 2045 Mandate. Das sind 14,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie eine Studie zeigt.

Wegen des zunehmenden komplexen wirtschaftlichen Umfeldes werde das Lobbying für Firmen immer wichtiger, hält die Baarer Firma Credita AG zu ihrer Studie fest. Neben dem Ausbau von Public-Affairs-Abteilungen sei auch das Vergeben von Mandaten an Politiker ein wichtiger Weg, um Einfluss zu nehmen.

Die FDP-Fraktion hält insgesamt 583 Mandate. Das sind pro Fraktionsmitglied 12,1 Mandate. Die CVP/EVP/glp-Fraktion kommt zusammen auf 565 Mandate, 10,9 pro Parlamentarier. Die beiden grossen bürgerlichen Parteien halten zusammen 56 Prozent aller Mandate.

Bei den Mandaten handle es sich zumeist um Sitze in einem Verwaltungsrat, sagte Credita-Sprecher Christian Wanner auf Anfrage. Hinzu kämen ehrenamtliche Funktionen in Organisationen oder Vereinen. An dritter Stelle mit den meisten Mandaten pro Fraktionsmitglied ist die BDP platziert (9,8; insgesamt 59). Hinter den Mitteparteien folgt die SP (6,5; insgesamt 310).

An dritter Stelle mit den meisten Mandaten pro Fraktionsmitglied ist die BDP platziert (9,8; insgesamt 59). Hinter den Mitteparteien folgt die SP (6,5; insgesamt 310).

SVP verhältnismässig schlecht vernetzt

Die grösste Fraktion im Bundeshaus, die SVP, ist mit durchschnittlich 6 Mandaten pro Parlamentarier deutlich weniger stark in der Wirtschaftswelt vernetzt (insgesamt 389). Weniger Verwaltungsräte oder Vorstandsmitglieder in Vereinen stellen nur noch die Grünen mit 5,8 Mandaten pro Parlamentarier (insgesamt 139).

Am meisten Mandate hält im Nationalrat Paul-André Roux (CVP/VS). Er sitzt in nicht weniger als 58 Verwaltungsräten oder anderen Gremien. Hinter ihm folgen Arthur Loepfe (CVP/AI) mit 35 Mandaten und Peter Malama (FDP/BS) mit 34 Mandaten.

Im Ständerat führt die Rangliste mit 24 Mandaten Felix Gutzwiller (FDP/ZH) an. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Konrad Graber (CVP/LU) mit 20 Mandaten und Dick Marty (FDP/TI) mit 18 Mandaten.

FDP und CVP vertreten 11 Milliarden Franken

Zieht man das Kapital der Firmen ein, welche die Mandate vergeben, zeigt sich ein noch deutlicheres Ungleichgewicht zwischen FDP und CVP einerseits und den restlichen Parteien andererseits: Die beiden grossen Mitteparteien vertreten zusammen 11 Milliarden Franken Kapital, was 92 Prozent der Kapitalisierung aller Mandate entspricht.

Auffallend ist weiter, dass Ständeräte im Durchschnitt mehr und höher kapitalisierte Mandate bekommen als Nationalräte, wie es in der Credita-Studie heisst.

Grosse Unterschiede gibt auch zwischen Männern und Frauen: Die Männer verfügen über 1569 Mandate, mit einem Gesamtkapital von 11,3 Milliarden Franken. Die Frauen im Parlament hingegen vereinigen zusammen nur auf 476 Mandate und vertreten knapp eine Milliarde Franken Firmen-Kapital.

Höchstkapitalisierte Mandate: Im Nationalrat führt eine Frau

Im Nationalrat ist es jedoch eine Frau, welche die höchstkapitalisierten Mandate innehat. Hinter den neun Mandaten von FDP-Fraktionschefin Gabi Huber (UR) stehen 0,83 Milliarden Franken. Im Ständerat ist es Jean-René Fournier (CVP/VS) mit elf Mandaten von Firmen mit einem Kapital von insgesamt über 4,7 Milliarden Franken. Hier spielt allerdings hinein, dass Fournier ein Mandat der Grossbank Credit Suisse hat, welche mit 4,4 Milliarden Franken kapitalisiert ist.

Als Grundlage für ihre Studie diente der Credita AG das Register der Interessenbindungen des Eidgenössischen Parlaments vom Mai 2011. Die Angaben wurden ergänzt mit Einträgen im Schweizerischen Handelsregister. Informationen zur Kapitalisierung der einzelnen Firmen entnahm die Credita ihrer eigenen Datenbank.

Die Credita AG aus Baar ZG ist eine Inkassogesellschaft und bietet Wirtschaftsinformationen an.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fränzi am 30.05.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    58 Mandate

    Da braucht man sich ja nicht zu fragen, weshalb die Politik ständig gewissen Geldkreisen zudient ( und somit dem eigenen Geldbeutel ). Die korrekte Bezeichnung für ein solch unmoralisches Verhalten lautet : Korruption pur. Aber ist ja egal. Ehrenhaftes Verhalten ist heute ja eh aus der Mode gekommen.

  • Xoff Pardey am 30.05.2011 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    «Unsere» VolksvertreterInnen

    Von uns gewählt und von der Wirtschaft bezahlt, angestellt. Warum wundere ich mich nur, dass sich unsere Parlamentarier nicht für uns, sondern für die Wirtschaft einsetzen? Meine Konsequenz ist, aus Protest nicht mehr zur Urne zu gehen...die wursteln ja eh was sie wollen, resp. die Wirtschaft will.

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  • H. Gauss am 30.05.2011 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    58 Mandate...

    Ich bin mir sicher, dass der gute Herr nicht alle Firmen aufzählen kann, bei denen er im VR sitzt. Dazu soll er noch das Volk vertreten. Damit wäre dann zumindest einer der vielen leeren Plätze während der Sessionen erklärt. Lächerlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • theo lauber am 05.06.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mandate -> das grosse Geld ohne Aufwand

    Dann müssten die CVP und FPD ja genügend "Spenden"Gelder einfahren, um einen kostspieligen Wahlkampf führen zu können... Aber bei den Themen happerts halt!

  • Roman am 02.06.2011 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie u. Kapitalismus=Illusion

    Politiker sind Karrieristen die möglichst viel Geld machen wollen. Das Geld haben die grossen Lobbys. Also zahlen die Lobbys dieses Geld den Politikern, damit diese im Parlament alles dafür tun, damit ihre Geldgeber weiterhin Kohle machen und lobbyieren können. Hat nun das Volk gewonnen? Weshalb nur stagnieren die Löhne während die Kosten steigen, die grossen Branchen dabei aber immer mehr Geld anhäufen und deren Manager schamlos abgarnieren?

  • Linke Ratte am 02.06.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Undemokratisch!

    Und uns wird das System als direkte Demokratie verkauft. Naja aus meiner Sicht hat die Schweiz ein tolles System... auf dem Papier! Das mit der Umsetzung ist etwas ganz anderes. Ich frage mich ob das Volk oder die Finanzwirtschaft das Souverän in diesem Staat bilden.

    • Roman am 02.06.2011 21:26 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist denn "echte" Demokratie?

      Diese Frage ist doch ganz einfach beantwortet. Sogar die selbsternannte Retterpartei des CH-Volkes figuriert doch nur als Steigbügelhalter der Finanzwirtschaft! Bei allem was schief läuft im Land sind dann natürlich die bösen Ausländer schuld. Andere Parteien schreien nicht so laut, sind aber im Endeffekt auch nicht viel besser. Politik machen ist doch so einfach! Der vermeintliche "Souverän" lässt sich immer wieder von Neuem veräppeln.

    • Eric Bauer am 05.06.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

      Merz - UBS

      Klar, die Finanzwirtschaft, Beispiel: Krise UBS.Wir dürfen nur bei Miniproblemen abstimmen, Beispiel:Minarette

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  • Rohrer Martin am 01.06.2011 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschlissen aus Entscheidungen

    Wo man ein Verwaltungsmandat hat und Politische Entscheidungen treffen muss im Parlament, sind die Vertretter von den Betrofenen Arbeitsgebieten nicht Stimmfähig wegen befangenheit.

  • Antonio Calmonte am 31.05.2011 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerische Form von Korrution

    Das ist die schweizerische Form von Korruption:manlässt sich von Volk fürs Volk wählen. Aber nach der Wahl wird das Volk vergessen und nur noch die Geldgeber sind interessant. Deshalb: Verwaltungsratshonorare sind eine Form von Korrupion>!

    • Till Sitter am 01.06.2011 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn !

      Unsinn !

    • Roman am 02.06.2011 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Nein, er hat Recht! Alle Politiker wollen uns suggerieren sie würden für das Volk antreten. Letzten Endes aber machen sie es für Verbände, Lobbys, IG's, ganze Branchen usw. und natürlich für ihren eigenen Geldsäckel. Je besser ein Politiker sich für den Geldgeber nützlich macht, desto mehr Geld wird dieser erhalten. Es geht bei all dem nur um ureigene Interessen. Nix anderes! Das Volk aber hat keine Lobby. Auch bei der SVP nicht.

    • Jacky M. am 03.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

      @ Till Sitter

      Absolut richtig bemerkt: Unsinn! Aber wenn man unzufrieden ist, muss eben jemand (anders) schuld sein.

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