Kantone übernehmen

01. September 2011 15:56; Akt: 01.09.2011 18:11 Print

Der Runde Tisch gegen Hooligans ist Geschichte

von Lukas Mäder - Der Runde Tisch gegen Hooliganismus ist am Donnerstag in Bern wohl zum letzten Mal zusammengetroffen. Künftig werde der Kampf gegen Chaoten dezentral geführt, so Ueli Maurer.

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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Der Runde Tisch gegen Hooliganismus
in seiner bisherigen Form rückt in den Hintergrund. Er wird nur noch bei Bedarf zusammenkommen. Das werde in den nächsten Monaten und wahrscheinlich Jahren nicht der Fall sein, erklärte Bundesrat Ueli Maurer vor den Medien in Bern, nachdem der Runde Tisch zum zehnten Mal zusammengekommen war. Es gelte nun, den Kampf gegen Hooligans dezentral vor Ort zu führen. Für die Umsetzung von Massnahmen sei nicht der Bund zuständig. Deshalb müssten nun beispielsweise der Berner Polizeichef mit dem Sicherheitsverantworltichen von YB direkt zusammenarbeiten, sagte Maurer. Die Verantwortung gehe nun vom nationalen zu regionalen Runden Tischen über.

Ein konkretes Projekt für ein neues Gremium haben die kantonalen und städtischen Polizeidirektoren, wie Roger Schneeberger von der Justizdirektorenkonferenz KKJPD zu 20 Minuten Online sagt. Diese Plattform Sicherheit soll neben den Sicherheitsdirektoren der Kantone und Städte auch Vertreter der SBB, der Polizeikommandanten sowie des Bundesamts für Polizei (Fedpol) umfassen. Situativ können auch weitere Teilnehmer eingeladen werden, so Schneeberger. «Wir wollen den Dialog mit den Sportverbänden nicht abbrechen.» Details des neuen Gremiums, wie beispielsweise der Turnus, seien noch nicht bekannt.

Zum faktischen Ende des Runden Tisches zog Maurer eine positive Bilanz. Dieser «war sehr konstruktiv und hat etwas erreicht». Als Beispiel nannte er die Mustervereinbarungen zwischen Städten und Clubs, die in Bearbeitung und teilweise in Kraft seien. Zudem strich Maurer hervor, dass Gespräche zwischen den Beteiligten auf kantonaler Ebene eingeführt worden seine. «Der Runde Tisch hat Kinder bekommen.»

Kombi-Ticket als Streitpunkt

Sportminister Maurer räumte auch ein, dass bei gewissen Fragen keine Einigkeit am Runden Tisch geherrscht habe. So stünde eine Lösung für die An- und Abreise der Fans bei Auswärtsspielen sowie für die Identifikation der Besucher beim Eintritt ins Stadion noch aus.

Aus ihrer Ablehnung des Kombi-Tickets machten die Sportverbände kein Geheimnis. Sowohl Marc Furrer vom Eishockeyverband als auch Peter Gilliéron vom Fussballverband halten dieses Instrument für nicht umsetzbar. Weiter wehren sich die Verbände gegen eine Bewilligungspflicht, die Auflagen für die Veranstalter ermöglichen würden. Der Fussballverband sei aber für ein hartes Durchgreifen bei Hooligans, sagte Gilliéron. Die Täter sollen deanonymisiert werden.

Beim Streit um das Kombi-Ticket hat sich letzte Woche ein möglicher Kompromiss abgezeichnet. So haben die SBB und YB freiwillig eine Vereinbarung unterzeichnet, dass versuchsweise bis Ende Jahr Sicherheitspersonal des YB dessen Extrazüge begleiten. Die Fussballliga SFL werde dieses Pilotprojekt gespannt verfolgen, sagte deren Präsident Thomas Grimm. Eine Beurteilung wollte er noch nicht vornehmen. Die SFL sei aber offen für jede Lösung.

Seit Wochen in der Kritik

Die faktische Auflösung des Runden Tisches auf nationaler Ebene kommt nicht überraschend. Vielmehr übten insbesondere die Kantone in den letzten Wochen Kritik am Gremium, da ihm die Kompetenzen fehlten. Dies zeigt sich insbesondere bei den umstrittenen Punkten Kombi-Ticket oder Bewilligungspflicht.

Die Kantone haben deshalb bereits vor zwei Wochen beschlossen, schärfere Massnahmen einzuführen. Dies sind neben einer Bewilligungspflicht mit Auflagen auch die Möglichkeiten für ein landesweites Rayonverbot und für ein rascheres Verfügen von Meldeauflagen. Die letzteren zwei Punkte unterstützen auch die Sportverbände. Bis Ende Jahr soll die Vernehmlassung für eine Anpassung des bestehenden Konkordats abgeschlossen sein. Im ersten Halbjahren kommen die Gesetzesänderungen dann laut Plan der KKJPD in die kantonalen Parlamente.

(Mitarbeit: uwb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulrich Heimberg am 02.09.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch um Sport ?

    Nehmt doch einfach endlich die Clubs und Vereine in die Pflicht. Solange auf den Plätzen auch Härte und Raufereien, sowie unsportliches Verhalten geduldet wird, gibts auch hirnlose Zuschauer und Hooliganismus. Sport muss wieder einfach nur Sport sein. Die hohen Gehälter der Bosse und Akteure tragen auch viel zum heutigen Zustand bei. Als Steuerzahler möchte ich mit all dem nichts zu tun haben. Basta !

  • Beni am 01.09.2011 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt daran...

    "Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit." Benjamin Franklin

  • keine Ahnung von der Praxis am 01.09.2011 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kombi-Ticket funktioniert nicht

    es gibt diverse Leute, welche nicht mit dem Zug (Extrazug) an die Auswärtsspiele fahren möchten. Werden diese nun ausgegrenzt?? Wie sieht es denn beim Zürcher-Derby aus? Und was ist mit Leuten, welche zum Beispiel in einer anderen Stadt wohnen, aber einen anderen Club unterstützen. So, dann ist ja alles unklar, wieder mal ein typischer Reinfall der Theoretiker

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernard Fernandez am 02.09.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlkampf auf Kosten der Fussballfans

    Die Hetze von Politik und Medien auf die Fussballfans nimmt langsam aber sicher groteske Züge an. Liebe Leser glaubt nicht alles was in den Printmedien geschrieben wird oder im TV gezeigt wird. Bildet euch eine einige Meinung in dem ihr die Fakten studiert. Die meisten Fussballspiele laufen immer noch friedlich ab. Szenen wie die jetzt hochstilisierten gibt es zum Glück äusserst selten. (Das solche Bilder von 99,9 Prozent der Fussballfans auch kritisiert werden versteht isch von selbst) Auch die Schäden in den Zügen werden von den SBB immer wieder geschickt in die ungedeckten Kosten vermischt

  • Hans Franz am 02.09.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Eckiger Tisch

    Ich schlage einen eckigen anstelle eines runden Tisches vor. Zudem eine Projektgruppe bilden mit dem Ziel einer Absichtserklärung, die man nach Abschluss erklären kann. Alle Beteiligten müssen einen Schritt aufeinander zugehen. Natürlich ist für die nötige Sicherheit zu sorgen das es dabei nicht zu Ausschreitungen kommt, denn der eckige Tischen hat scharfe Kanten. Auf Ende 2018 könnte so ein Grundlagenpapier ausgearbeitet werden, als Grundlage für weitere Schritte.

  • Ulrich Heimberg am 02.09.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch um Sport ?

    Nehmt doch einfach endlich die Clubs und Vereine in die Pflicht. Solange auf den Plätzen auch Härte und Raufereien, sowie unsportliches Verhalten geduldet wird, gibts auch hirnlose Zuschauer und Hooliganismus. Sport muss wieder einfach nur Sport sein. Die hohen Gehälter der Bosse und Akteure tragen auch viel zum heutigen Zustand bei. Als Steuerzahler möchte ich mit all dem nichts zu tun haben. Basta !

  • Dani W. am 02.09.2011 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, Herr Maurer!

    Ein ganz genialer Schachzug von BR Maurer. Und ganz im Sinne der SVP. Möglichst das schwache System des Föderalismus ausnutzen um ein weiteres Problem auf die lange Bank zu schieben. Herr Maurer: Starke BR sind solche, welche Entscheidungen fällen, nicht solche, die das Entscheiden anderen überlassen! Aber ich verstehe Sie: Steht so nicht im Parteibüchlein, und Christoph (Blocher oder Mörgeli) haben wahrscheinlich auch nicht gesagt, wie Sie entscheiden sollen...

  • Pad the Mad am 02.09.2011 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat Ueli Maurer versagt

    Wäre Ueli Maurer nicht von SVP, hätten die SVP Politiker bereits scharf geschossen gegen die Unfähigkeit des Bundesrates. Tja, Ueli Maurer versagt, die SVP versagt. Wo sind jetzt die Person mit den grossen Worten? Wo sind die Taten? Stattdessen konzentriert man sich nur auf die "bösen" Ausländer!