Tamedia-Umfrage

30. Januar 2019 00:02; Akt: 30.01.2019 15:24 Print

Die Zersiedelungsinitiative stürzt ab

Nur noch 37 Prozent sagen derzeit Ja zur Zersiedelungsinitiative. Was sind die Gründe für den Stimmungsumschwung?

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Die Zustimmung ist dramatisch eingebrochen: Rund zwei Wochen vor dem Urnengang lehnen 62 Prozent die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen ab. Nur noch 37 Prozent sprechen sich laut der jüngsten Tamedia-Abstimmungsumfrage dafür aus, dass die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand eingefroren wird. Bei der letzten Umfrage Anfang Monat wollte noch eine knappe Mehrheit ein Ja in die Urne legen.

Auch die Städte kippen ins Nein

Hat die Initiative vor wenigen Wochen noch eine breitere Unterstützung genossen, wird sie derzeit nur noch von den Wählern der Grünen (79 Prozent Ja) und der SP (54 Prozent Ja) mehrheitlich unterstützt. Gross ist die Skepsis im bürgerlichen Lager. Die Anhänger von SVP, FDP und CVP lehnen die Vorlage inzwischen sehr deutlich ab.

Weiter zeigt die Umfrage, dass die Stimmung in den Städten ebenfalls gekippt ist: Auch dort wollen nur noch 40 Prozent der Stimmberechtigten ein Ja in die Urne legen. Mit 38 beziehungsweise 34 Prozent Jastimmen ist die Unterstützung in der Agglomeration und auf dem Land noch etwas tiefer.

Streit um teurere Mieten

«Ernüchternd» sind die Resultate für Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Er erklärt den Trend zum Nein damit, dass das Kampagnenbudget mit etwas mehr als 250’000 Franken weit unter jenem der Gegner liege. Auch sei es für die Mobilisierung der Linken sicher nicht ideal, dass sich mit Simonetta Sommaruga eine SP-Bundesrätin gegen die Initiative engagiere. Die Gegner würden gezielt Verwirrung stiften und behaupten, dass die Boden- und Mietpreise bei einem Ja steigen würden. Das bestreitet Franzini: «Wer in die Höhe baut, kann mehr Wohnraum auf weniger Fläche schaffen. Das Angebot muss also nicht kleiner werden und die Miete damit nicht höher.»

Der FDP-Nationalrat und Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler will nicht über das Geld diskutieren: «Das ist der Standardvorwurf. An der Urne hat die Nase vorn, wer die besseren Argumente hat.» Die Bevölkerung erkenne, dass bei einem Einfrieren der Bauzonen die Mieter die Zeche bezahlen würden. «Investoren werden die höheren Bodenpreise auf die Mieter abwälzen.» Hinzu komme, dass die Initiative die Zersiedelung noch fördere, indem vermehrt in den Agglomerationen gebaut werden müsste, wenn in den Zentren das Bauland knapp werde.

Verschärftes Raumplanungsgesetz als wichtiges Argument

Noch wichtiger als die Furcht vor höheren Mieten ist gemäss der Umfrage das Gegenargument, dass die Zersiedelung mit dem revidierten Raumplanungsgesetz bereits wirksam gebremst werde. Das Gesetz verlangt von Kantonen und Gemeinden mit zu grossen Baulandzonen, dass sie diese verkleinern.

Auf der Seite der Befürworter ist derweil die Sorge um den Verlust des Grünlandes das Hauptargument: Es könne nicht angehen, dass jede Sekunde fast ein Quadratmeter Grünland überbaut werde.

11'853 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 24. und 25. Januar online an der dritten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Vorlage vom 10. Februar teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Timo Tanner am 30.01.2019 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Jungen?

    Auf die Strasse gehen und gegen den Klimawandel demonstrieren doch was ist dann mit der Nachhaltigkeit und den Konsequenzen? In Coop oder Migros gehen und zu der Jahreszeit Erdbeeren oder Himbeeren fürs znüni zu kaufen? In Spanien hats es kein Wasser mehr... Wir erlauben uns der Natur immer mehr Raum zu nehmen und Stimmen noch darüber ab. Hallo! Wacht mal auf, die Angstmacherei ist Blödsinn, Beton kann man nicht essen. Bienensterben, extrem weniger Insekten... Es ist EURE Zukunft wo sind die Jungen kritischen Menschen?? Hier gehts um EUCH

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  • Alex am 30.01.2019 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Land

    Das Landschaftsbild und die Dorfgemeinschaften sind in vielen Teilen der Schweiz schon weitgehend zerstört. Ebenso steht die Natur und die heimische Landwirtschaft unter hohem Druck. In was für einer Welt wollen wir zukünftig leben? Es wäre Zeit, dem ungebremsten Wirtschaftswachstum einen Riegel zu schieben und anderen Werten als Geld mehr Raum zu geben.

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  • Schweizer am 30.01.2019 00:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmbürger denken zu wenig

    Der Trick der SP scheint zu funktionieren. Zuerst die Städte überbevölkern, danach folgt die Zubetonierung der Landgebiete automatisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PeterPeter am 30.01.2019 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    GeldKannManNichtEssen

    Schon eigenartig. WENN die Linken mal etwas tatsächlich sinnvolles lancieren, schnallen es die Leute nicht! Ich bin zwar ein Rechter, aber diese Initiative habe ich auch befürwortet weil dieses alles verbauen für Geld und noch mehr Geld, sollte so einfach nicht weiter gehen, aber eben.

  • Tom Roth am 30.01.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser Steuervereinheitlichung

    Ich bezweifle sehr das Bauland sprich Fläche hier klein sind. Vorteilhafter wäre eine Steuerharmonisierung bei der alle den gleich Prozentualen Betrag vom Einkommen bezahlen. Ich bin sich das so die Ballungsgebiete entlastet würden.

  • Jakob Horner am 30.01.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Mangel steigt der Preis

    Ohne staatliche Lenkung des Liegenschaftenhandels und der Mietpreise ist diese Initiative zu gefährlich, da Mangel den Preis erhöht.

  • Mira am 30.01.2019 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    War ja klar

    Ich habe mich sowieso gewundert, warum die Initiative anfangs einen solchen Zuspruch bekam. Schliesslich ist klar, dass diese Initiative zu teureren Mieten führen wird und sobald es dem Schweizer ans Geld geht, ist er doch eher negativ eingestellt. Mal schauen wie es am Abstimmungssonntag kommt. Ich werde auf jeden Fall immer noch Ja stimmen, für meine Kinder.

  • Fritz am 30.01.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    so ist es doch

    So ist es doch, bin wirklich kein grüner aber ich stimme mit Ja aber in Zukunft sollten sich die Grünen einmal Gedanken machen, ob sie weiter für eine solche freie Einwanderung sind?