Zu viele Tests?

25. Januar 2016 05:52; Akt: 25.01.2016 05:52 Print

Der hohe Leistungsdruck macht die Schüler krank

von B. Zanni - Schüler leiden wegen Stress an Schlafstörungen und greifen zu Schmerzmitteln. Schulrechts-Experte Peter Hofmann fordert weniger Tests.

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Die Oberstufenschüler sind mit Hausaufgaben, Lernen und Prüfungen eingedeckt. Das bringt viele psychisch und physisch ans Limit. (Bild: Getty-Images)

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Bis zu 34 Lektionen pro Woche drücken die Schüler der Oberstufe in der Schweiz die Schulbank. Danach sind mehrere Stunden Hausaufgaben und Lernen für Prüfungen angesagt. Hinzu kommen Musikunterricht und Sport. Bei Peter Hofmann, Schulrechts-Experte und Leiter der Fachstelle Schulrecht GmbH, läuten die Alarmglocken. «Wir laufen Gefahr, dass eine Generation von Kindern unter dem Leistungsdruck und überzogenen Erwartungshaltungen zusammenbricht», warnt er in der Zeitschrift «Bildung Schweiz».

Im Oberstufenalter leisteten Jugendliche oft mehr als in einer Lehre, prangert er an. Damit verstiessen die Schule und die Gesellschaft laut dem Schulrechtler gar gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Diese verlangt, dass bei allen Massnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl der Kinder vorrangig zu berücksichtigen sei.

Schüler nehmen Schmerzmittel

Auch Lehrervertreter bestätigen, dass der Schuldruck gross ist. «Wir haben eine anforderungsreiche Schule, die gute Resultate bringt, und betreiben keine Kuschelpädagogik», sagt Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Sicher nicht alle, aber ein Teil der Schüler sei an der Belastungsgrenze angekommen.

Psychologen sind vermehrt mit erschöpften Jugendlichen konfrontiert. «Nervosität, Ängstlichkeit, Sorgen und depressive Störungen haben bei Oberstufenschülern zugenommen», sagt Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe bei Pro Juventute. Er verweist zudem auf eine Studie mit Schülern der Stadt Zürich. «Knapp die Hälfte gab an, regelmässig Schmerzmedikamente etwa gegen Kopf- und Rückenschmerzen zu konsumieren.»

Auch Jugendpsychologe Allan Guggenbühl erlebt oft überlastete Schüler. «Sie haben Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder den Schulverleider», sagt er. Er stellt fest, dass die Leistungsnachweise zu schaffen machen. «Die Schüler haben das Gefühl, sie müssten permanent Output produzieren.» Sie müssten sich nicht nur in Prüfungen, sondern auch mit aufwendigen Arbeiten beweisen. «Das selbständige Lernen, das als grosser Fortschritt angepriesen wird, ist zum Teil ein Schuss nach hinten.»

«Prüfungen am Montag sind ein No-go»

Peter Hofmann sieht dringenden Handlungsbedarf. Der Lehrplan 21 habe die Chance verpasst, die Lektionen spürbar zu reduzieren. «Wir überlasten die Schüler zeitlich und verplanen ihre Kindheit.» Er fordert, dass die Schüler am Wochenende weder Hausaufgaben erledigen noch sich auf Prüfungen für den Montag vorbereiten müssen. «Der Montag als Prüfungstag ist ein absolutes No-go. Es löst bei den Jugendlichen, aber auch der ganzen Familie unnötigen Stress aus!» Auch das Jugendparlament St. Gallen-Appenzell verlangte, dass die Anzahl der Prüfungen an den Schulen pro Tag und Woche begrenzt wird.

Beat Zemp zeigt dafür ein gewisses Verständnis. Nähmen die Lektionen, Freifächer, Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung pro Woche 45 Stunden oder mehr ein, sei das deutlich zu viel. «Die obere Grenze für die Sekundarstufe liegt bei 42 Stunden», so der LCH-Präsident. Leide die Mehrheit einer Klasse unter zu vielen Prüfungen oder Hausaufgaben, müsse sie mit der Lehrperson nach Lösungen suchen.

Zemp betont aber auch, dass die Schule durchaus streng sein dürfe und müsse. «Wir sind keine Larifari-Gesellschaft, sondern ein fleissiges Volk.» Eine gewisse Härte bereite die Schüler optimal auf das Berufsleben vor.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Therese Amstutz am 25.01.2016 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    Nicht nur bei den Schülern herrscht Stress. Die ganze Gesellschaft leidet unter Stress...

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  • Stefan Gerber am 25.01.2016 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger arbeiten!!

    Auch ich fordere, weniger zu arbeiten um mal das Leben geniessen zu können. Dieses Hamsterrad widert mich an!!

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  • Verena C. am 25.01.2016 05:58 Report Diesen Beitrag melden

    woher

    Kommt diese Stresserei und immer mehr und mehr auch wieder von der Politik ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lea C. am 26.01.2016 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    TTTT

    TTTT-Teaching to the Test .Wieso ist da so Projektunterricht so beliebt? Die Kinder sind so gelangweilt nach paar Wochen bei einem Thema. Frontalunterricht und Topics für 2-3Stunden gegen Testsressbulimie genügt. Da praktiziert man `"Scholastik" wie im Mittelalter in Klöstern.

    • ROLAND am 26.01.2016 18:28 Report Diesen Beitrag melden

      Smartphones

      Weniger Smartphones und PC's am Tag wäre vielleicht die Lösung aller Probleme. Diese Kinder sind absolut verwöhnt und können lauter Elektronik mit der realen Welt nicht mehr umgehen. Das ist das grosse Problem. Somit werden sie automatisch zu Psychopathen.

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  • Christoph Schmitt am 26.01.2016 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Strategien für die Bildung gesucht!

    Meine Erfahrung ist, dass viele Lehrende den Druck, der auf ihnen lastet, an Lernende weitergeben. Erschreckend wirkt auf mich, dass zu diesem Problem alle eine Meinung haben, aber niemand wirklich eine Strategie. Es geht um die Zukunft junger Menschen und darum, dass sie in der Schule Fähigkeiten entwickeln, sich in dieser Zukunft zu Recht zu finden, sie aktiv mitzugestalten und mitzudenken an neuen Formen des Zusammenlebens, des Wirtschaftens, der Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Hier braucht es dringend mutige Strategien und Lobbyarbeit!

    • Elisabeth Schmidlin am 26.01.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Strategien für Bildung

      Zu den Strategien gehört zu vorderst, dass wir aufhören, die Kinder bereits als Buschi dem Umsatzdenken zu opfern (unbewusst?) Speziell der Denkapparat ist betroffen. "Alterskrankheiten" (Demenz, Alzheimer etc) immer Jüngere betroffen, als Folge des übermässigen Zuckerkonsums. Aber das Werbebudget dafür ist 100mal so gross, wie das für Gesundes (Gemüse, Obvst usw) BIG Food so schädlich wie Big Tobacco, sagt selbst die Chefin der WHO. Gruss

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  • Helen Lovejoy am 26.01.2016 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Furchtbar

    Denkt auch mal jemand an die Kinder?

  • Karin am 26.01.2016 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gerecht?

    Mein Kind geht in die 6 Klasse, und sie haben extrem viel Hausaufgaben, im Schnitt ist sie min. 1h. Und neben bei müssen sie noch für Prüfungen pauken. In den Ferien müssen sie immer ein Buch lesen, und diese nach den Ferien im Antolin beantworten. Oft haben sie auch gleich nach den Ferien gleich eine Prüfung! Das sie am Montag ein Prüfung haben ist bei denen "normal"! Und die Prüfungen sind zum Teil sehr Umfangreich! Aus Gesprächen mit anderen Eltern höre ich, dass ihr Kind bei einem anderen Lehrer viel weniger Aufgaben und Prüfungen haben, und dies in der gleichen Gemeinde!

    • Tanja am 26.01.2016 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Stress

      Ja, uns geht es genau gleich! Nicht nur der Stress in der Schule mit Hausaufgaben und jede Woche Prüfungen mind. 3 Stück sondern auch der Druck wegen der Einteilung in die Oberstufe! Weiterhin viel Glück und Nerven

    • Robin am 26.01.2016 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Wunschkonzert

      Auch ich hatte am Montag Prüfungen und hatte die um einiges lieber als die anderen, da man sich am Wochenende vorbereiten konnte. Mit den Hausaufgaben gebe ich Ihnen recht, das kann schon zu viel sein. Wobei für Schüler auch schon 2 Stöckli-Ufgabe zu viel sind. Lieber mal das Handy wegnehmen und Augen aufs wesentliche richten. Es grüsst ein 20-Jähriger

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  • Themis am 26.01.2016 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schule von heute

    Wir mussten uns nicht mit Wochenplänen rumschlagen und in der 5. Kl. mit 50 - 60 Min. Hausaufgaben/Tag. Wir hatten in der 3. Kl. nicht 3 Std. Englisch/Wo und ab der 1. Kl. Prüf. in Fächern wie Schwimmen und Turnen mit genauen Vorgaben (die schlechtere Wertung wiegt einiges mehr, als die gute: 2x 'sehr gut', 5x 'gut' und 2x 'genügend' = Note: genügend). Es sollte sich niemand einbilden, Schule von heute ist gleich wie Schule zu unserer Zeit. Und bald können die Kids mit 4 in die 1. Kl., mit 8 in die Oberstufe, mit 11 in die Lehre und mit 14 zu arbeiten beginnen (falls sie kein Burnout kriegen).

    • Elisabeth Schmidlin am 26.01.2016 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      UN-Kinderrechtskonvention wo?

      Dazu kommt noch etwas ganz anderes. Ein Grossteil der Kinder wird bereits als Buschi auf Zucker getrimmt - und manche für ihr ganzes Leben geschädigt. U.a. ist auch die Lernfähigkeit betroffen. Vor allem auch Agressivität wird belegt (Studien in Jugendhaftanstalten). Wo bleibt da die UN-Kinderechtskonvention. 85 % Zucker nehmen wir "versteckt" ein. Wer geht dieses Thema an??

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