Neuer Dating-Trend

21. Oktober 2018 13:22; Akt: 21.10.2018 13:22 Print

Casperst du, wenn du Schluss machst?

Der neuste Trend im Dating-Universum heisst Caspering. Was taugt die Abfuhr im Schongang? Experten nehmen Stellung.

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Ghosting, Haunting, Benching, Hyping, Breadcrumbing – die Zahl der Verhaltensphänomene beim Dating und in der Liebe sind kaum mehr zu überblicken. Auch wenn sie sich in ihren Definitionen voneinander unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Man lässt den anderen im Unklaren über die eigenen Absichten, hält ihn hin oder zeigt ihm nur indirekt, dass man keine Lust auf die grosse Liebe hat. Kurzum: Die Methoden sind egoistisch, rücksichtslos oder gar verletzend.

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Schlussmachen im Schongang

Ein neuer Trend bricht nun mit der fiesen Masche: Caspering – benannt nach dem liebenswürdigen Geist aus den Kinderfilmen. Im Prinzip handelt es sich um eine nette Form von Ghosting: Während bei Letzterem der Dating-Partner unvermittelt aus dem Leben verschwindet und nichts mehr von sich hören lässt, wird dem Gegenüber beim Caspering im Schongang beigebracht, dass man nichts mehr von ihm wissen will.

Schlussmachen im Caspering-Stil klingt etwa so: «Wir hatten eine tolle Zeit miteinander und ich mag dich wirklich, aber ich glaube nicht, dass wir längerfristig zusammenpassen.» Oder: «Ich habe unglaublich viel Spass mit dir, aber meine Gefühle reichen für eine ernsthafte Beziehung nicht aus.» Man will der Person also klarmachen, dass man sie nicht mehr daten will, ihr aber das schlechte Gefühl vom plötzlichen Aus ersparen.

Achtung, Respekt, Ganzheitlichkeit

Fachleute können dem Caspern viel abgewinnen. Laut Daniel Baltzer, Experte bei Singleboersen-vergleich.ch, zeigt sich darin das Bestreben, die Verletzung beim Gegenüber in Grenzen zu halten: «Man signalisiert dem anderen, dass man ihn achtet, und zollt der gemeinsamen Zeit Respekt.» Beziehungscoach Hugo Furrer sagt zudem, dass der Adressat so «in seiner Ganzheit wahrgenommen» werde – anders, als wenn bloss angesprochen wird, was alles nicht geklappt hat.

Auf lange Sicht könne sich die behutsame Trennung lohnen. «Die Wahrscheinlichkeit, dass man dennoch befreundet bleibt, ist deutlich höher, als wenn ich mich bei der Person einfach nicht mehr melde», sagt Dating-Experte Baltzer.

Konfliktscheu als Motivation

Paartherapeut Rainer Grunert erachtet Caspering ebenfalls als würdige Trennungsmethode. Ihr liege aber nicht nur Wohltätigkeit, sondern auch die eigene Konfliktscheu zugrunde: «Menschen wollen gemocht werden und haben Angst vor Ablehnung.» Darum würden unangenehme Wahrheiten gern schön verpackt.

Das berge aber auch Gefahren, warnt Grunert: «Wenn man zu sehr um den negativen Bescheid herumdruckst, dann kommt die gewünschte Botschaft beim Gegenüber nicht an. Dann verkommt das Caspering zum Kasperli-Theater.»

Caspering muss aufrichtig sein

Die Trennung sollte also trotz schonendem Einstieg unmissverständlich sein. Mit den Komplimenten dürfe man es beim Caspering zudem nicht übertreiben, mahnt Baltzer: «Wenn man dem anderen zu viel Honig um den Mund schmiert, befeuert man erneut seine Hoffnungen.»

Beziehungscoach Furrer fügt an, dass Caspering ehrlich gemeint sein müsse: «Ansonsten besteht die Gefahr, dass man unglaubwürdig ist und beim anderen Misstrauen aufkommt.» Wichtig sei zudem, dass der Schlussmacher beschreibe, was in ihm vorgehe und warum es für sie oder ihn nicht mehr stimme. Furrer: «Nur so kann das Gegenüber ein Verständnis für den Entscheid entwickeln.»

Was waren deine bittersten, schrägsten oder auch besten Schlussmach-Erfahrungen? Welche Art des Schlussmachens bevorzugst du (sowohl als Schlussmacher auch als Leidtragender)? Schreib uns!

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ich am 21.10.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Echt?

    Und ich dachte immer das sei selbstverständlich und hat was mit Respekt zu tun.

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  • Fred am 21.10.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Muss man sowas heute extra noch lernen?

    Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

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  • Linda am 21.10.2018 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Experte?

    "Beziehungs Coach", ist das ein vom BIGA anerkannter Beruf oder kann sich doch einfach mal wieder jeder Scharlatan so nennen, wenn er gerade Lust dazu hat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Guy Fawkes am 22.10.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Welch "noble" Geste...

    Wenn's auf ein völlig unerwartetes Messer im Rücken rausläuft, ist das Ganze doch nur eine Show, um den "Täter" mitfühlend erscheinen zu lassen, damit er/sie ein besseres Gewissen haben kann. Wie man das letztlich nennen will, bleibt jedem selbst überlassen.

  • Nello Monello am 22.10.2018 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Auf der gleiche Welle reiten

    Ich reite mein Leben auf meiner Welle. Wer dabei sein will muss mit mir diesen Weg gehen wollen, das heisst, wir reiten auf der selben Welle. Trittbrettfahrer brauche ich nicht, deshalb lieber unmissverständlich mitteilen wenns nicht passt...

  • Michel am 22.10.2018 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Befreiend

    Schluss machen mit einer komplizierten Beziehung ist auch sehr befreiend. Ich habe es entlich geschafft, war mir nicht so bewusst wie schön das Leben sein kann!

  • Romeo am 22.10.2018 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    So nach dem Motto...

    ...wer mich nicht will...verdient mich auch nicht :-)

  • Raanz am 22.10.2018 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Retten statt Beenden

    Sollte man sich nicht mehr Möglichkeiten überlegen bzw. praktizieren mit welchen man eine Beziehung retten kann anstatt eine Beziehung bei jedem Problem zu beenden? Wie Goethe es bereits sagte: "Die Liebe ist wie das Leben selbst, kein bequemer und ruhiger Zustand, sondern ein grosses, ein wunderbares Abenteuer." Es gibt zu viele oberflächliche Beziehungen bei welchen man sich nicht wirklich bewusst ist was die ursprünglich Bedeutung so einer Bindung ist... Wirklich sehr schade.