Global Drug Survey 2016

14. Juni 2016 12:00; Akt: 14.06.2016 17:15 Print

Der tägliche Joint hat das Feierabend-Bier verdrängt

von Marco Lüssi - Der Global Drug Survey erfasst, wie oft die Schweizer welche Droge konsumieren. Dabei zeigt sich: Tägliches Kiffen ist häufiger als tägliches Trinken.

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Der jährlich durchgeführte Global Drug Survey (GDS) ist die grösste Drogenumfrage der Welt. Knapp 100'000 Menschen aus über 50 Ländern haben online für die nicht repräsentative Studie über ihr Konsumverhalten Auskunft gegeben, darunter auch 8174 aus der Schweiz – so viele wie noch nie. Die Schweizer Resultate liegen 20 Minuten exklusiv vor.

69 Prozent der GDS-Teilnehmer haben in den letzten 12 Monaten mindestens eine illegale Substanz konsumiert. Bei den Befragten aus der Schweiz liegt der Wert mit 51 Prozent deutlich tiefer. Die beliebteste illegale Substanz ist mit grossem Abstand Cannabis: 46 Prozent der Schweizer Teilnehmer gaben an, im vergangenen Jahr gekifft zu haben. Danach folgen MDMA/Ecstasy (14 Prozent) und Kokain (12 Prozent). Am verbreitetsten sind jedoch legale Substanzen: 89 Prozent der Teilnehmer haben in den letzten 12 Monaten Alkohol getrunken, 57 Prozent Tabak geraucht.



«Der Drogenkonsum ist stabil»

Vor einem Jahr erfreuten die Ergebnisse des GDS die Suchtexperten: Sowohl beim Alkohol als auch bei Tabak, Kokain und Ecstasy war der Konsum bei den Schweizern gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dieser Trend hat sich gemäss dem GDS 2016 jedoch nicht fortgesetzt. Zwar liegen die Werte weiterhin unter jenen von 2014, sie sind jedoch bei allen Substanzen im Vergleich zum Vorjahr wieder angestiegen.

«Diese Zahlen zeigen: Der Drogenkonsum in der Schweiz ist nicht rückläufig, sondern stabil», sagt Nightlife-Experte Alexander Bücheli. «Auch bei den einzelnen Substanzen gibt es nur geringe Verschiebungen. Hier zeigt sich, dass die Experimentierfreude der Schweizer vergleichsweise gering ist und sie sich eher ‹konservativ› verhalten.» Dies lasse sich wohl auch durch die relativ gute Verfügbarkeit der klassischen Drogen erklären. «Die Schweiz ist so klein, dass jeder jemanden kennt, der einen kennt, der beispielsweise Kokain oder Ecstasy besorgen kann.»

«Die Schweizer konsumieren meist mit Mass»

Gefragt wurden die Teilnehmer auch, wie häufig sie welche Droge zu sich nehmen. Am stärksten verbreitet ist der tägliche Konsum beim Tabak: 66 Prozent der Raucher greifen jeden Tag zur Zigarette. Bei den Kiffern geben 32 Prozent an, täglich Cannabis zu konsumieren. Vergleichsweise klein ist der Anteil jener, die täglich Alkohol trinken: Dies sind 12 Prozent der Befragten aus der Schweiz. Der tägliche Joint hat also das Feierabend-Bier verdrängt. Seit der ersten Durchführung des GDS vor drei Jahren ist der Anteil der Personen, die angeben, Cannabis zu konsumieren, jedes Jahr weiter angestiegen.

Bei jenen, die angeben, Ecstasy zu nehmen, ist der Anteil derer, die nur ein- bis zweimal im Jahr zur Pille greifen, mit 58 Prozent am höchsten. Bei den Kokainkonsumenten liegt dieser Wert bei 42 Prozent. Bücheli sagt: «Die Schweizer konsumieren meist mit Mass, sie tun es gezielt und reflektiert.» Es sei daher davon auszugehen, dass nur ein kleiner Teil einen problematischen oder hoch riskanten Drogenkonsum aufweise.

Alternativen zu Verboten

Dass die Zahlen aber nicht weiter zurückgehen, sondern konstant bleiben, zeigt laut Bücheli aber auch: «Dass Drogen irgendwann nur noch ein Randphänomen sind, ist eine Illusion. Drogenkonsum ist in unserer Gesellschaft fest verankert und bei weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert.» Umso sinnvoller sei es, auch in der Schweiz Alternativlösungen zu den bisherigen Verboten zu finden – etwa beim Cannabis.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Bünzli Theophil am 14.06.2016 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Joinventure

    es gibt partout nichts schöneres als am Abend nach dem Steineklopfen einen feinen Stumpen zu rauchen

  • wasp am 14.06.2016 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mir sind Bekiffte

    tausendmal lieber, als Besoffene. Die einen schlummern friedlich vor sich hin, die anderen machen Radau.

  • Mike am 14.06.2016 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hilft beides nicht

    Ob bekifft oder besoffen, um sich an dieser EM ein Spiel der Schweizer Nati anzutun ist beides nicht stark genug.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Hemp am 14.06.2016 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisiert es endlich

    Diese Medizin wäre eine Bereicherung für die Menschheit also Legalisiert es. Am besten gleich auf der ganzen Welt. Von mir aus gleich mit Zwangskonsum, stellt euch nur vor wenn jeder Konsumieren würde hätten wir endlich den Weltfrieden. Jeder wäre wieder Glücklich und niemand würde auf den anderen los gehen.

  • Thomas am 14.06.2016 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Man darfs nicht runterspielen

    Ich finde jetzt kiffen nicht so ein Drama,es darf aber auf keinen Fall unterschätzt werden.Ich versuche,unter der Woche damit aufzuhören und der Erfolg ist nur mässig.Die Sucht ist schon da,da muss man auch ehrlich sein zu sich selbst.Aber trotzdem:Ich arbeite jeden Tag,habe einen guten Job,bin trotzdem sportlich und auch sonst aktiv.Aber eigentlich möchte ich nicht abhängig sein,egal von was und daher möchte ich nun reduzieren.

    • L.K. am 14.06.2016 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      ex kiffer

      Also ich selbst hab von einem Tag auf den anderen aufgehört zu kiffen ohne Probleme. hab 12 Jahre gekifft und konnte dies schaffen da solltest du dies auch hinbekommen wen du es wirklich willst....WOLLEN ist hier das Geheimnis =)

    • Jones-Man am 15.06.2016 09:54 Report Diesen Beitrag melden

      Das schwierige an Süchten

      Aber genau das ist ja das schwierige an Süchten! Fettleibigkeit bsp. ist auch nur eine Frage des wollens. trotzdem leidet ein riesiger Teil der Bevölkerung daran... Wenns nur so einfach wäre mit den Süchten ;)

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  • Peter Schwarz am 14.06.2016 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortlich

    Grundsätzlich würde ich alle Drogen legalisieren. Allerdings sollte wie im Strassenverkehr die Versicherung kürzen dürfen. Also bei Jobverlust in Folge Drogen nur noch 50% Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe da fahrlässig.

  • Roland K. am 14.06.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Das sind dann diejenigen, denen am nächsten Tag der Ausweis eingezogen wird weil im Urin Abbauprodukte nachgewiesen worden sind... 2 Monate später erhalten sie den Ausweis dann zurück weil im Blut keine aktiven Substanzen mehr nachgewiesen werden konnten... es bleiben 2 Monate ÖV und riesige Kosten... Demokratie? Polizeistaat trifft es besser...

    • Dnalor am 14.06.2016 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Roland k

      nein falsche rechnung, den klar fahren wir privat auto, aber täglich grüsst der bus vor der haustür um auf die arbeit zu kommen, kostet jährlich in bern 770.- und abo wird bei bekifft fahren nicht entzogen... ;-), kommt dazu das ich im sommer zu 90% mit dem fahrrad (musste noch nie blasen,aufem velo,höchstens der wind in mein gesicht)unterwegs bin und so machens bei uns die meisten, wir sind gesunde kiffer,viel frische luft und sport.....

    • Roland K. am 14.06.2016 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      Würde gerne

      @Dnalor, ich bin leider mehr oder weniger auf das Auto angewiesen - daher kiffe ich auch nur während den Ferien oder mal an einem Freitag Abend, wenn ich bis Montag Morgen nicht mehr Auto fahren muss. Das Schlimme ist ja, dass einem der Ausweis entzogen wird obwohl man unschuldig ist. Es wäre technisch problemlos möglich, den Bluttest innert 5 Arbeitstagen auszuwerten - aber nein, aus reiner Schikane dauert das 2 - 3 Monate bis man dann den Bescheid bekommt, dass alles okay war. Dass Kiffer sportlich sind kann ich bestätigen - ich lief meinen besten Halbmarathon nach dem Genuss eines Joints ;)

    • Paul Widmer am 14.06.2016 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Dnalor

      Und was wenn ich nicht in der Stadt wohne und mit dem Auto mehr als 30 min schneller bin als mit den ÖV (pro Weg)?

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  • Jeannine83 am 14.06.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kiffen gegen Schlafstörung

    Kiffe seit ein paar Monaten auch regelmässig mal eins am Abend. Nicht weil ichs so supertoll finde, sondern weil ich ansonsten mit dem ganzen Arbeitsstress nicht abschalten kann. Wenn ich wieder mal ein paar Nächte nicht schlafen konnte, wird eine geraucht und dann gehts wenigstens einigermassen.

    • Tamara am 14.06.2016 12:07 Report Diesen Beitrag melden

      Eigentlich komisch

      Rauchst du pur?Denn Tabak hat genau eine gegenteilige Wirkung.Ich muss immer eine Stunde warten zwischen Johnny und Bett,ansonsten kann ich nicht schlafen.

    • Jeannine83 am 14.06.2016 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Tamara

      Nein nicht pur, aber funktioniert trotzdem wunderbar. Eine rauchen, 10 Min. warten und dann hab ich schon das Bedürfnis ins Bett zu liegen. Naja, reagiert wohl jeder etwas anders, wie z.B. auch bei Rotwein. Das macht viele müde, aber mich voll munter.

    • Paul Widmer am 14.06.2016 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung

      Pass bitte auf, dass Du nicht irgendwann nur noch mit Rauchen schlafen kannst... Wenn das geschieht, ist es ziemlich schwer wieder aufzuhören.

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