Schädlingsplage

24. August 2018 18:17; Akt: 24.08.2018 18:17 Print

Deshalb gibt es dieses Jahr so viele Bettwanzen

Dieses Jahr befinden sich so viele Bettwanzen unter den Feriensouvenirs wie selten. Die Experten sind alarmiert und die Spürhunde ausgebucht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Sommerferien sind vorbei, abends fallen viele nach der Arbeit wieder müde ins eigene Bett – und sind dort leider nicht immer allein: Bettwanzen sind eines der unbeliebtesten Ferienmitbringsel und werden immer zahlreicher. Die 4 bis 6 Millimeter langen Schädlinge sind in der Schweiz im Vormarsch. Laut Angaben des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich nimmt ihr Bestand seit 2006 rasant zu.

Umfrage
Waren Sie schon einmal von Bettwanzen betroffen?

Virginia Navarro vom Notdienst für Schädlingsbekämpfung Greenpest spricht von einer starken Zunahme an Bettwanzen zum Ende der diesjährigen Ferienzeit: «Wenn man im eigenen Bett Bettwanzen entdeckt, hat das nichts mit mangelnder Hygiene zu tun», so Navarro. Die hartnäckigen Schädlinge würden durchs Reisen eingeschleppt. Nicht nur im Hotelbett seien sie zu finden, sondern neuerdings auch im Flugzeug oder Zug.

Professionelle Hilfe ist unerlässlich

«Allein für morgen Freitag hat unser Mitarbeiter mit seinem Bettwanzenspürhund sechs Einsätze geplant», sagt Sybille Stettler-Kistler vom Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen Stettler & Kistler. In über 90 Prozent aller Fälle würden die Hunde die Bettwanzen am richtigen Ort aufspüren. Am liebsten hielten sich die Bettwanzen im Bett sowie in den Sockelleisten in Bettnähe auf.

Hat man das Pech, sich sein Bett mit Bettwanzen teilen zu müssen, ist professionelle Hilfe unerlässlich: «In der Regel wird man die Bettwanzen ohne den Einsatz eines Schädlingsbekämpfers nicht wieder los», so Stettler-Kistler.

Reisetätigkeit und DDT-Verbot

Auch Jean-Martin Fierz, Biologe und technischer Leiter bei der Schädlingsbekämpfungs-Firma Rentokil Schweiz AG, kennt das Problem. In den 1950er-Jahren seien Bettwanzen beinahe ausgerottet gewesen – vor allem aufgrund des grosszügigen Einsatzes von DDT, einem Insektizid, das mittlerweile verboten ist. «Das Verbot von DDT und die vermehrte Reisetätigkeit im Rahmen der Globalisierung sind die Hauptgründe für die starke Zunahme der Bettwanzen», sagt der Biologe.

Angezogen würden die Bettwanzen durch ein Gemisch aus Körpergeruch, Wärme und CO2. «Bettwanzen brauchen das Blut der Menschen für ihre Entwicklung. Alle 3 bis 7 Tage sticht eine ausgewachsene Bettwanze zu», erklärt Fierz. Man gehe davon aus, dass eine Bettwanze bei Zimmertemperatur 9 bis 18 Monate überleben könne und in dieser Zeit pro Tag bis zu 5 Eier lege. Vermehren sich die Tiere erst mal, kann das für den Menschen schmerzhaft werden: Während einige Betroffene nichts bemerken, verspüren andere ein starkes Jucken ähnlich einer allergischen Reaktion.

So kann man sich schützen

Doch was kann man unternehmen, um sich den Ferienspass im Nachhinein nicht durch die ungeliebten Schädlinge verderben zu lassen? Bei Verdacht auf Bettwanzen rät Fierz dazu, alle Kleidung, die sich im Ferienkoffer befand, bei 60 Grad zu waschen. Zudem solle man den Koffer nie auf dem eigenen Bett auspacken: «Am besten stellt man ihn direkt in den Keller.»

Weise die Haut nach den Ferien Stiche auf, die nach zwei Tagen noch immer stark juckten, habe man höchstwahrscheinlich mit Bettwanzen Bekanntschaft gemacht, sagt Marcus Schmidt von der Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich. «In diesem Fall gilt es, jegliche Gegenstände, auch die Zahnbürste, von Auge gut zu kontrollieren.»

Generell rät Schmidt dazu, schon früher anzusetzen: «Gleich nach der Ankunft im Hotelzimmer oder der Ferienwohnung sollte man zwei, drei Minuten dazu aufwenden, im Bett, hinter Bildern und allenfalls auch bei Steckdosen nach Bettwanzen, schwarzen Kotpunkten oder Häutungsresten zu suchen.» So könnten zumindest die Fälle, in denen die Wanzen oder ihre Spuren sichtbar seien, verhindert werden. Hilfe in allen Sprachen findet man hier.

(jk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 2lbox am 24.08.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übelste Viecher von allen!

    Ich habe leider vor ca. 12 Jahren in einem Hotel in Paris mal Bekanntschaft mit diesen Viechern gemacht und ich kann Euch sagen: das war eine meiner übelsten Erfahrungen überhaupt. Das Fiese ist: man bemerkt die Stiche erst nach einer Woche - dafür jucken sie dann auch eine Woche lang ganz übel! D.h. man wird möglicherweise eine Woche lang jede Nacht angezapft, bis man was merkt! Dann kommen die roten Pusteln! Frühwarnzeichen sind: gaaanz feine Blutspritzer auf dem Bettlaken. Diese entstehen, weil sich die Viecher so stark vollsaugen, dass sie danach auf dem Heimweg etwas Blut verlieren.. :-((

    einklappen einklappen
  • Länder gefahren? am 24.08.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Einschleppung

    Von welchen Ländern werden die Wanzen eingeschleppt?

    einklappen einklappen
  • maurice.ravell am 24.08.2018 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir

    haben unsere Souvenir in Italien zugezogen. Danach mussten wir einen Kammerjäger nehmen. Da hilft nur Wärme. und es hat geholfen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • WanzenBett am 25.08.2018 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur im Ausland

    ich war letztes Jahr in der Schweiz in einem Hotel und habe mir die üblen Viecher eingebrockt. War echt schlimm.

  • Matthias am 25.08.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gab's schon immer

    Bezwangen sind schon immer in der Schweiz weit verbreitet, da muss man nicht weit reisen um gebissen zu werden.

  • Grisonella am 25.08.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bettwanzen in Las Vegas

    Ich machte in Las Vegas im Hotel Paris unliebsame Bekanntschaft mit Bettwanzen. Die Hotelleitung hat sich allerdings nicht besonders für dieses Übel interessiert...

    • Kafi fertig am 25.08.2018 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grisonella

      So weit muss man gar nicht reisen. Eine Übernachtung in einer SAC-Hütte reicht vollkommen.

    einklappen einklappen
  • Daniel Kolb am 25.08.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So

    Ich brauche nur eine Bettwanze.Eine fürs Leben

  • N. A. am 25.08.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohnte vor 3 Jahren in einem mit Bettwanzen

    verseuchten Haus in Züri an der Gasometerstr. Verwaltung hat diverse Male den Kammerjäger engagiert, Problem war jedoch das nicht alle Mitbewohner mit gemacht haben. Als wir endlich eine neue Wohnung gefunden haben, habe ich 12 Liter Chrysamed geholt, die neue Wohnung damit flächendeckend ,inkl. unterer Teil der Wände damit besprüht. Alles was wir aus der möblierten Wohnung mitgenommen haben, wurde besprüht, inklusive Kartons. Danach um sicher zugehen nach 3, 6, 9 und 12 Monaten wieder alles besprüht. Mega Aufwand (total über 20 Litern geholt), war damit aber erfolgreich.