Athen

18. Februar 2019 18:26; Akt: 18.02.2019 18:26 Print

Deshalb griffen Autonome die Schweizer Botschaft an

Linksautonome haben einen Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Athen bedroht. Die Aktion hängt mit Brandanschlägen in der Schweiz zusammen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Linksautonome der Aktivistengruppe «Rubikon» (siehe Box) sind am Montag in die Schweizer Botschaft in Athen eingedrungen und haben einen Mitarbeiter bedroht. Zudem warfen sie Flugblätter mit dem Spruch «Solidarität für unsere Genossen in der Schweiz» in den Warteraum, berichten griechische Medien. Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten bestätigt den Vorfall, bei dem es zu keinen Schäden gekommen sei. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden würden nun Massnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit ergriffen.

Auf dem Internetportal Indymedia begründen die Aktivisten die Aktion mit der Solidarisierung mit einem Mann, der am 29. Januar in der Schweiz verhaftet wurde. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, mit Gewalt und Sachbeschädigungen gegen Personen und Sachen, die mit dem Bau des Basler Bässlergut-Gefängnisses in Zusammenhang stehen, gedroht zu haben.

Kampf gegen Gefängnisse

Das Gefängnis Bässlergut wird derzeit erweitert und wurde bereits mehrfach Ziel von Anschlägen durch Autonome, die etwa Pneus von Fahrzeugen zerstachen. Die griechischen Aktivisten kritisieren den Bau, weil er der Unterdrückung von Einwanderern und Asylbewerbern diene. Der Mann soll mit Plakaten, die er aufgehängt hatte, zu Aktionen gegen diesen Bau ebenso wie gegen den Neubau des Zürcher Polizei- und Justizzentrums (PJZ) aufgerufen haben.

Am 29. Januar wurde er von der Kantonspolizei Zürich verhaftet und sitzt nun für drei Monate in Untersuchungshaft. Die Behörden werfen ihm weiter vor, an einem Brandanschlag auf die Funkstation Waidberg der Stadtpolizei Zürich am 10. Juli 2016 sowie an einem Brandanschlag auf Fahrzeuge der Armee am 27. September 2015 in Hinwil ZH, bei dem mehrere Fahrzeuge zerstört wurden, beteiligt gewesen zu sein.

«Sabotage ist Teil des Anarchismus»

Als der Mann verhaftet wurde, sollen ihn die Polizisten zur Anarchistischen Bibliothek Fermento in Zürich begleitet haben, wo zwei Computer beschlagnahmt wurden. Bisher habe die Bibliothek keine polizeiliche Begründung oder einen Durchsuchungsbeschluss erhalten, schreibt sie auf ihrer Website. Man protestiere gegen die Festnahme, «unabhängig davon, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht». Sabotage sei «schon immer ein Teil des Anarchismus» gewesen.

Der Mann soll bereits vor zwei Jahren von der Polizei verhört worden sein. Erich Wenzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, bestätigt, dass sich der Mann in Untersuchungshaft befindet und dass in diesem Zusammenhang auch die anarchistische Bibliothek Fermento durchsucht worden sei. Zum Alter und zur Nationalität macht die Behörde keine Angaben. Die Bibliothek liess eine Anfrage von 20 Minuten unbeantwortet.

(ehs/vro)